Mo, 28. Mai 2018

"Windows Azure"

29.10.2008 09:08

Microsoft stellt "Internet-Betriebssystem" vor

Microsoft setzt künftig deutlich stärker als bisher auf das Internet als Plattform. Über eine neue Variante seines Windows-Betriebssystems mit dem Namen "Windows Azure" steigt der weltgrößte Softwarekonzern ins wachsende Geschäft mit Service-Angeboten über externe Rechenzentren und Software aus dem Netz ein. Unternehmen sollen so massiv Kosten sparen und flexibler werden. "Das ist ein Wendepunkt für Microsoft", kündigte Software-Chefarchitekt Ray Ozzie am Montag in Los Angeles auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz PDC an.

Unternehmenskunden sollen für Speicherung, Verwaltung und Verteilung ihrer Geschäftsdaten künftig keine eigenen Datenzentren mehr unterhalten und ständig ausbauen müssen. Stattdessen sollen sie über das Internet je nach Bedarf auf einen riesigen Datenspeicher aus miteinander verbundenen Servern zugreifen können. Fachleute sprechen bei diesen Diensten über das Web auch von einer "Wolke" aus Computern ("Cloud Computing"), auf die Kunden von überall zugreifen können.

Der Software-Konzern reagiert mit diesem Ausbau auf bereits existierende Angebote von Google, Salesforce.com oder etwa Amazon, die ihren Kunden bereits erfolgreich Entwicklungswerkzeuge, Online-Speicherplatz oder komplette Anwendungen offerieren. Auch große Anbieter von Unternehmens-Software und -Infrastruktur wie IBM und SAP sind dem weltgrößten Softwarekonzern bereits mit entsprechenden Angeboten des "Cloud Computing" zuvorgekommen.

Gewagter Schritt auf dünnes Eis
Mit den neuen Angeboten begibt sich der Softwarekonzern allerdings auch auf dünnes Eis: Die wichtigsten Ertragsbringer sind für Microsoft nach wie vor seine Programme Windows und Office für PC. Mit entsprechenden Angeboten über das Web könnte sich das Unternehmen schnell selbst Konkurrenz machen. Derzeit fürchte Microsoft nach Meinung von Roger Kay, Analyst bei Endpoint Technologies, aber vor allem den Rivalen Google, der den Konzern mit kostenlosen Office-Anwendungen und einem eigenen Web-Betriebssystem in dessen angestammtem Geschäft herausfordert. Ohne Google hätte Microsoft diesen Strategiewandel vermutlich nicht gewagt, sagte Kay dem "Wall Street Journal".

Neue Datenzentren in den USA und Europa
Für den neuen Service will Microsoft neben einem Datenzentrum in Quincy (US-Bundesstaat Washington) noch dieses Jahr im texanischen San Antonio, Chicago (Illinois) und im irischen Dublin drei weitere große Rechenzentren aufbauen. Der Konzern will diese Kapazitäten vor allem seinen Kunden anbieten, die bisher mit eigenen Mitteln ihre Rechenzentren betreiben. Viele Firmen, die bisher ihre IT-Infrastruktur selbst ausbauen und warten, können dabei oft nicht so flexibel auf veränderte Marktverhältnisse reagieren, wie es nötig wäre. Neue Services wie Microsofts "Windows Azure" sollen durch die Verlagerung der Speicher, Dienste und Rechenleistung in das Internet Abhilfe schaffen.

Software plus Service über das Internet
"Azure" soll demnach künftig ausschließlich in den Datenzentren von Microsoft laufen und Programmierern für ihre Entwicklung zur Verfügung stehen. Es sei die Basis für den Wandel hin zu Angeboten von Software plus Service über das Internet, sagte Ozzie. Microsoft stehe dabei allerdings erst am Anfang. Zu Preisen und Verfügbarkeit äußerte sich das Unternehmen zunächst nicht.

Erster Blick auf Vorab-Version von "Windows 7"
In Zukunft wolle man jedoch sämtliche Unternehmenssoftware den Kunden alternativ auch als Online-Service anbieten. Der Konzern öffnet sich zudem mehr als bisher für Drittanbieter, die Anwendungen im Zusammenhang mit Windows-Programmen schreiben und entwickeln wollen. Inwiefern sich dieser Strategiewechsel bereits im Vista-Nachfolger "Windows 7" niederschlagen wird, offenbart Microsoft vielleicht am Dienstag (Ortszeit). Dann möchte der Konzern den Besuchern seiner Entwicklerkonferenz PDC erstmals einen Blick auf das neue Betriebssystem bieten.

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