Mi, 23. Mai 2018

Woman of the Year

27.10.2008 17:11

Betancourt und Kampusch in der Volksoper

Ingrid Betancourt, die am Samstagabend in Wien als "Woman of the Year" ausgezeichnete franko-kolumbianische Politikerin und Ex-FARC-Geisel, und Natascha Kampusch haben am Sonntagabend gemeinsam die Volksoper besucht. Die beiden Damen sahen "Tosca" und gratulierten im Anschluss daran den Künstlern. Am Montag stattete Betancourt zum Abschluss ihres Wien-Aufenthalts Bundespräsident Heinz Fischer in der Wiener Hofburg einen Besuch ab.

"Frau Betancourt war begeistert von der Vorstellung und hat gemeint, wenn sie das nächste Mal in Wien ist, möchte sie unbedingt wieder in die Volksoper kommen", freute sich Volkstheater-Pressechefin Eva Koschuh.

Der Entschluss, in die Oper zu gehen, kam ihren Angaben zufolge spontan erst am Sonntagnachmittag zustande, als die Vorstellung schon so gut wie ausverkauft war. Also durften die Gäste in der an sich Mitarbeitern vorbehaltenen Regieloge - rechts, ganz vorn bei der Bühne - Platz nehmen. Volksopern-Direktor Robert Meier kam noch extra ins Haus.

Betancourt hatte zuvor erklärt, sie wolle mit Natascha Kampusch gerne „in aller Stille über die Dinge“ sprechen. „Ich weiß, dass sie in gewisser Weise das genau gleiche durchgemacht hat wie wir in Kolumbien – deshalb ist es sehr wichtig, dass ich hier bin“, so die Preisträgerin bei der Pressekonferenz in der Wiener Albertina.

Kontakt zu Elisabeth F. nicht möglich
Auch über Elisabeth F., die von ihrem Vater Josef F. 24 Jahre lang in einem Keller gefangen gehalten worden war, machte sich Betancourt Gedanken. Laut CNN sagte Betancourt, dass sie für die Opfer von Josef F. Liebe empfinde. Sie wisse aber, dass es die Umstände nicht zulassen, dass sie die Familie treffen könne. Aber sie wolle ihnen sagen, wie sehr sie an sie denke und wie sehr sie sie verstehe.

Sechs Jahre Geiselhaft in Kolumbien

Betancourt ist am Samstag als "Woman of the Year 2008" ausgezeichnet worden, ihr wurde der Preis als "Fürsprecherin für Frieden und Demokratie" überreicht. In Gusenbauers Laudatio bezeichnete dieser Betancourt als "Überlebende des sinnlosen Terrors und gleichzeitig Botschafterin der Hoffnung, für all jene, die noch in Hoffnungslosigkeit leben und leiden". Die frühere Präsidentschaftskandidatin der Grünen in Kolumbien war sechs Jahre lang von links-gerichteten FARC-Rebellen im Dschungel gefangen gehalten worden. Nach ihrer Befreiung am 2. Juli kehrte sie in ihre zweite Heimat Frankreich zurück.

Gusenbauer: Teufelskreis der Gewalt durchbrechen
Gusenbauer plädierte für einen Dialog der Konfliktpartner, zu dem auch Betancourt wiederholt aufgefordert hatte. "Die Geschichte lehrt uns, dass Gewalt nur in den seltensten Fällen ein geeignetes Mittel gegen die vorherrschende Gewalt darstellt oder sie zu überwinden vermag", so der Bundeskanzler. Die Geschichte der gegenseitigen Aufrechnung, wie sie bis heute in Kolumbien oder an vielen Orten der Welt geschehe, sei niemals für einen tragfähigen Friedensschluss geeignet. Es gelte vielmehr auf andere Art und Weise den Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt zu überwinden, konstatierte Gusenbauer weiter. "Nur wenn zur Opferarbeit auch eine Täterarbeit abseits der regulären Gerichtsbarkeit hinzugefügt wird, kann an den Gräbern der Toten und mit den seelisch Verstümmelten jene Versöhnung stattfinden, zu der Sie aufgerufen haben", sagte der Bundeskanzler.

Award wird offiziell erst im März vergeben
Der Woman of the Year Award ist eine Auszeichnung der Women's World Awards, die offiziell erst am 5. März 2009 vergeben werden. Nach Hamburg, Leipzig und New York wird die Veranstaltung erstmals in Wien stattfinden. Die 2004 ins Leben gerufenen Frauen-Weltpreise werden in zwölf verschiedenen Kategorien an Persönlichkeiten verliehen, die in ihrem Metier außergewöhnliche Leistungen vollbringen, sich humanitär oder karitativ engagieren.

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