Fr, 25. Mai 2018

Suche nach Mittäter

25.10.2008 08:25

Natascha Kampusch begrüßt neue Ermittlungen

Knalleffekt in einem der spektakulärsten Fälle der österreichischen Kriminalgeschichte: Die "Akte Natascha Kampusch" wird jetzt von den zuständigen Behörden komplett neu aufgerollt. Damit soll endlich die Frage geklärt werden, ob Entführer Wolfgang Priklopil nicht doch einen Mitwisser hatte. Natascha Kampusch begrüßt das neuerliche Aufrollen ihres gesamten Entführungsfalls: "Ich finde es gut, dass sich die Behörden dazu entschieden haben, mehr Licht in meinen Entführungsfall zu bringen", so die 20-Jährige. Und: "Es darf nicht sein, dass mögliche weitere Täter, von denen ich keine Kenntnis habe, ungestraft bleiben."

Sie fordert aber auch: "Gleichzeitig muss die Wiederaufnahme meines Falles aber auch dazu genutzt werden, die Ursachen des Versagens der Ermittlungsbehörden zu beleuchten."

Bereits knapp nach der Entführung solle es ganz konkrete Informationen über den Entführer Wolfgang Priklopil gegeben haben. "Diesen Hinweisen wurde aber meines Erachtens nicht mit der gebotenen Professionalität nachgegangen", kritisierte Kampusch.

Berger: Motiv sind mögliche weitere Opfer
Mögliche weitere Opfer von Natascha Kampuschs Entführer Wolfgang Priklopil sind laut Justizministerin Maria Berger der Hauptgrund für die Wiederaufnahme von Ermittlungen. Die "wichtigste Motivation" sei die immer wieder auftauchende Theorie, dass es Mittäter gegeben haben könnte, so Berger. "Das könnte ja auch bedeuten, dass es weitere potenzielle Opfer gibt und in deren Interesse, denke ich, ist es besser, einmal zu viel als einmal zu wenig ermittelt zu haben."

"Es heißt nicht, dass alles wieder aufgerollt wird, sondern es gibt im Umfeld einiges offensichtlich noch zu klären", so Berger über das Ergebnis der Evaluierungskommission im Fall Kampusch. Auf der Grundlage des Abschlussberichts, der von allen Kommissionsmitgliedern mitgetragen wurde, sei sie zu der Entscheidung gelangt, "dass diesen Fragen weiter nachgegangen werden soll" und dass ausschließlich in diesen Fragen Ermittlungen stattfinden sollen.

"Es wird derzeit an einem konkreten Ermittlungsauftrag gearbeitet", erklärte die Ministerin. Man wolle "sehr gezielt" vorgehen und nicht alles noch einmal überprüfen. Über die Dauer der Erhebungen könne man derzeit noch nichts sagen.

"Keine Wahrnehmung über Mittäter"
Auch Kampusch-Anwalt Gerald Ganzger begrüßt die neuen Ermittlungen. Er betont aber, dass seine Mandantin keinerlei Wissen über einen Mittäter besitze. "Sie ist von Wolfgang Priklopil entführt und von ihm achteinhalb Jahre festgehalten worden", betonte der Jurist. "Natascha Kampusch persönlich hat keine eigene Wahrnehmung zu einem Mittäter", so Ganzger. "Ob es jemanden gab, der im Hintergrund mitgeholfen oder am Verlies mitgearbeitet hat, kann sie nicht wissen."

Zu der nach wie vor im Raum stehenden Zeugenaussagen einer bei der Entführung zwölfjährigen Schülerin, die beim Kidnapping eine zweite Person beobachten haben will, könne die 20-Jährige daher ebenfalls nichts sagen: "Sie hat von einem zweiten Täter damals nichts mitbekommen", so Ganzger.

Zu dem Vorwurf, Opferschutzorganisationen hätten die Einvernahme-Fragestellungen beeinflusst, nahm Natascha Kampuschs Anwalt ebenfalls Stellung: "Tatsache ist, dass Frau Kampusch mehrere Male von der Polizei einvernommen worden ist", erklärte er. "Richtig ist, dass ein Anwalt dabei gewesen ist - nämlich ich - oder eine Psychologin." Diese Vorgehensweise sei im Opferschutz allerdings so vorgesehen und von der Polizei auch gewünscht worden.

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