Mi, 23. Mai 2018

Haiders Nachfolger

24.10.2008 12:21

Dörfler zum Kärntner Landeshauptmann gewählt

Der 53-jährige Gerhard Dörfler ist am Donnerstag im Kärntner Landtag zum Nachfolger Jörg Haiders als Landeshauptmann von Kärnten gewählt worden. Er wurde mit 19 von 36 Stimmen gewählt, sein SPÖ-Gegenkandidat Reinhart Rohr erhielt 17 Stimmen. Anschließend wurde BZÖ-Landesrat Uwe Scheuch zum Landeshauptmannstellvertreter gewählt, er kam auf 16 Stimmen. Der bisherige Büroleiter des verstorbenen Landeshauptmannes Jörg Haider, Harald Dobernig, wurde schließlich von 20 Abgeordneten zum neuen Finanzlandesrat gewählt.

Nach der Wahl und der Angelobung gab es eine Sondersitzung der Landesregierung, bei der die Aufteilung der Referate beschlossen wurde. Dörfler bleibt für Straßenbau und Verkehr ebenso zuständig wie für Kindergärten und übernimmt die direkten Agenden des Landeshauptmannes, vom Katastrophenschutz bis zum Inneren Dienst.

Dobernig ist Finanz- und Kulturlandesrat, ÖVP-Landesrat Josef Martinz erhielt zusätzlich den Bereich Gewerbe. Dies sei eine gute Ergänzung zu seinen Funktionen als Aufsichtsratsvorsitzender der Kärntner Landesholding, betonten Dörfler und Martinz nach der Sitzung vor Journalisten.

19 statt wie erwartet 20 Stimmen für Dörfler
Die Tatsache, dass bei der Wahl Dörflers nicht die erwarteten 20 Stimmen für den BZÖ-Kandidaten herauskamen, sorgte davor im Landhaus noch für heftige Diskussionen. Die ÖVP, sie stellt vier Abgeordnete, erklärte, ihre Stimmzettel seien mit Paraphen versehen worden, um notfalls belegen zu können, dass man die Vereinbarung eingehalten habe. FPÖ-Obmann Franz Schwager wählte überhaupt offen. "Ich bin gar nicht in die Wahlzelle hineingegangen, damit jeder sehen kann, dass ich wie angekündigt Dörfler gewählt habe", sagte er.

Rohr sieht "Erosionsprozess innerhalb des BZÖ"
SPÖ-Landeshauptmannstellvertreter Rohr wertete die 17 für ihn abgegebenen Stimmen nicht als Niederlage, sondern als Hoffnungszeichen. Dies belege, dass der "Erosionsprozess innerhalb des BZÖ" bereits begonnen habe. Einer der orangen Abgeordneten habe offenbar in ihm die bessere Alternative zu Dörfler gesehen, dafür bedanke er sich auch sehr herzlich. Rohr bezog sich darauf, dass offenbar einer der 15 orangen Abgeordneten Dörfler seine Stimme verweigert hat.

Parteiinterne Querelen beim BZÖ?
BZÖ-Klubobmann Kurt Scheuch wies parteiintern kolportierte Gerüchte, er oder sein Bruder Uwe könnten dahinter stecken, kategorisch zurück. "Wir stehen hundertprozentig hinter Gerhard Dörfler als Landeshauptmann, alles andere ist Unsinn", sagte er. Man werde den Landeshauptmann mit aller Kraft unterstützen, versicherte er. Wer Dörfler die Zustimmung verweigert habe, wisse er nicht, er verfüge auch nicht über markierte Stimmzettel, betonte der Klubobmann in Anspielung auf die Vorgangsweise der ÖVP.

ÖVP sieht in Dörfler Garant für stabile Verhältnisse
ÖVP-Mann Martinz begründete die Zustimmung seiner Fraktion zum BZÖ-Kandidaten damit, dass Kärnten in der derzeitigen Situation stabile Verhältnisse brauche. Zudem wolle man die mit Haider vor dessen Tod vereinbarten "Pakete" in die Realität umsetzen, dies habe ihm Dörfler garantiert. Der neue Regierungschef kündigte an, den bisherigen Kurs des BZÖ fortzusetzen, von der Familienpolitik über den Teuerungsausgleich bis zur Asylpolitik. Beide unterstrichen, keine Koalitionsvereinbarung getroffen zu haben, es gebe auch keine Nebenabreden.

Gerhard Dörflers Werdegang
Dörfler stieg im November 2006 nach dem abrupten Abgang von Martin Strutz aus der Regierungsmannschaft zum Landeshauptmann-Stellvertreter auf, seither ist er in den Medien fast so omnipräsent wie Jörg Haider es gewesen ist. Der 53-Jährige gibt sich jovial, ist mit dem Du-Wort schnell zur Hand, zugleich gilt er aber als Choleriker, der nicht immer die Contenance bewahrt. Sein Zug zur Macht ist unverkennbar, als Jörg Haider sich vor der Landtagswahl 2004 mit Rücktrittsgedanken trug, brachte sich Dörfler noch vor dem Urnengang in Stellung. Nach der Wahl ließ Haider dann wochenlang offen, ob er ihn wieder ins Regierungsteam übernehmen würde.

Familienvater mit Liebe zur Motorsäge
Dörfler wurde am 29. Mai 1955 in Deutsch-Griffen (Bezirk St. Veit/Glan) geboren. Er ist verheiratet, Vater zweier Töchter und lebt mit seiner Familie in Himmelberg. Dörfler ist ausgebildeter Bankkaufmann, war von 1976 bis 1985 Filialleiter der Volksbank Ossiach. 1985 wechselte er zur Villacher Brauerei und führte seit 1999 die zum Unternehmen zählende Schleppe Brauerei in Klagenfurt. Als Sportler war er mehrfacher Kärntner Meister im Mittel- und Langstreckenlauf und österreichischer Juniorenmeister im Crosslauf.

Der 53-Jährige hat sich seit seinem Einstieg in die Politik im März 2001 als umtriebiger, manchmal aktionistischer Landesrat erwiesen, der schon auch einmal die Motorsäge selbst zur Hand nimmt, um Bäume umzuschneiden, die einem Verkehrsprojekt im Wege stehen. Zu seinen Hobbys gehört eigenen Angaben zufolge auch das Holzfällen. Sogar der Klingelton seines Handys beweist dies, ruft man ihn an, ertönt das Geräusch einer startenden Motorsäge.

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