Fr, 25. Mai 2018

Düstere Zukunft

22.10.2008 18:08

Ein flammender Appell: "Nur kein Krisen-Mikado!"

Die steirische Industrie - Arbeitgeber für 115.000 Menschen - zeichnet ein dunkelgraues Bild. Die jüngste Konjunkturumfrage ist geprägt von starkem Pessimismus für das kommende Jahr. Vor allem das Nachlassen der internationalen Nachfrage wirkt sich negativ auf die exportorientierten Unternehmen aus.

Er sei von der Wucht überrascht, mit der die Finanzkrise den schon länger erwarteten Abschwung in Gang gesetzt hat, formuliert Industriellen-Präsident Jochen Pildner-Steinburg. Er wolle keine Krise herbeireden, aber wenn Zahlen eine so deutliche Sprache sprechen, dürfe man den Kopf nicht in den Sand stecken, mahnte der Präsident Realismus ein. Und er ortet verständliche Frustration der Öffentlichkeit über das Missmanagement im Finanzbereich. Dass damit auch die gesamte Marktwirtschaft in Misskredit gebracht werde, sei dabei höchst bedauerlich.

Gastkommentare von Franz Voves und Hermann Schützenhöfer findest du in der Infobox!

Die Umfrage in 64 Industriebetrieben jedenfalls halt wenig erfreuliche Daten gebracht. Schon 60 Prozent der Unternehmen sehen für die nächste Zukunft "schwarz", lediglich vier Prozent formulierten vorsichtigen Optimismus. Beinahe 40 Prozent denken daran Personal abzubauen, im Gegenzug wollen nur acht Prozent der Betriebe zusätzliche Mitarbeiter aufnehmen. "Die Investitionsnachfrage in wichtigen Märkten ist regelrecht abgewürgt", assistiert IV-Geschäftsführer Thomas Krautzer dem Präsidenten.

Allerdings gebe es auch branchenspezifische Lichtblicke: Die für die Steiermark besonders wichtige Stahlerzeugung und auch große Teile der Metallverarbeitung seien noch weniger stark betroffen.

"Zu wenig Speck durch die fetten Jahre"
Durchaus heftig die Kritik an Land und Bund: Die Politik hätte es verabsäumt, "während der fetten Jahre Speck und Reserven anzusetzen, um Spielraum in den Zeiten der Rezession zu haben", so Industrie-Präsident Pildner-Steinburg. Was tun? Die Industrie plädiert zunächst für höhere Defizite und rasche Gegenmaßnahmen durch eine Verwaltungs-, und Aufgabenreform. Für Unternehmen muss der Zugang zu Geld für Investitionen und zur Erhaltung der Liquidität erleichtert werden. Und es müsse einen Schulterschluss aller "Kräfte im Land" - über Parteigrenzen und gesellschaftlichen Gruppierungen hinweg geben.

Kein "Krisen-Mikado"
"Eine außergewöhnliche Zeit braucht Professionalität statt Experiment, Pragmatik statt Ideologie, Aktion statt Schuldzuweisung. Was nicht benötigt wird, ist ein Krisen-Mikado, wo der verliert, der sich als erster bewegt!"

von Gerhard Felbinger, "Steirerkrone"

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