Fr, 25. Mai 2018

Brisante Entdeckung

20.10.2008 17:58

Ärzte warnen: Gentests könnten fehleranfällig sein

Münchner Gerichtsmediziner haben bei der Identifizierung einer Leiche erstmals sowohl männliche als auch weibliche DNA-Merkmale gefunden. Der Mann hatte Jahre vor seinem Tod eine Knochenmarkspende von einer Frau erhalten. Nach der Transplantation war in allen Körperzellen das ursprüngliche DNA-Muster des Mannes erhalten geblieben, seine Blutzellen wiesen jedoch die DNA-Merkmale der Spenderin auf. Nun fordern Rechtsmediziner eine kritischere Hinterfragung von Genspuren, um falsche Verdächtigungen auszuschließen.

Im Februar hatte sich in München eine Person durch den Sprung vor eine S-Bahn das Leben genommen, berichtet das deutsche Nachrichtenmagazin "Focus". Der Leichnam war bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Aufgrund einer Vermisstenanzeige und eines von der Polizei gefundenen Abschiedsbriefes deutete alles auf einen Bauarbeiter hin. Zudem gab auch der Zugfahrer an, ein Mann habe sich vor die Bahn geworfen.

Staunen bei der Obduktion
Die Rechtsmediziner fanden im Blut des Leichnams jedoch weibliche DNA, während die Hautzellen männliche DNA-Merkmale zeigten. "So etwas war uns noch nie untergekommen", erklärt Katja Anslinger vom Münchner Institut für Rechtsmedizin. Und sie warnt: "Der Fall sollte Fahnder und Untersuchungsbehörden sensibilisieren, Genspuren noch kritischer zu hinterfragen."

Fehlinterpretationen möglich
Wenn die Polizei bei der Identifizierung von Leichen oder bei der Aufklärung von Verbrechen nichts von einer Knochenmarktransplantation weiß, kann dies zu Fehlinterpretationen und falschen Verdächtigungen führen. In Deutschland gab es seit 1998 mehr als 17.600 erfolgreiche Knochenmarktransplantationen.

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