Di, 22. Mai 2018

Fall Zogaj

17.10.2008 17:15

Molterer: Kein Kontakt zu Pfarrer Friedl

Im Büro von Vizekanzler Wilhelm Molterer hat man die in österreichischen Medien erhobenen Vorwürfe des Pfarrers Josef Friedl aus Ungenach (Oberösterreich), der Arigona Zogaj beherbergt, zurückgewiesen. Friedl hatte erklärt, Arigona auf Bitte der Bundes-ÖVP aufgenommen zu haben. Der Sprecher Molterers erklärte am Freitag, er könne ausschließen, dass es "von unserer Seite eine Kontaktaufnahme gegeben hat".

Friedl hatte der ÖVP eine "unglaublich miese Haltung" vorgeworfen, da diese ihn nach der Bitte um Aufnahme Arigonas "im Regen" stehen gelassen und "alles abgestritten" habe. Er erklärte, am 6. Oktober 2007 habe der Pressesprecher Molterers im Auftrag von ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon angerufen und gefragt, ob er den Konflikt lösen und Arigona aufnehmen könnte, behauptete Friedl. Genau das bestreitet der Sprecher aber nun.

Missethon weist Aussagen Friedls zurück
Auch ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon hat die Aussagen des Pfarrers Josef Friedl zurückgewiesen, er habe Arigona Zogaj auf Bitte der ÖVP bei sich aufgenommen. Er habe weder Kontakt mit Friedl aufgenommen, noch den Auftrag zur Kontaktaufnahme erteilt, erklärte Missethon am Freitag per Aussendung.

Außerdem habe die ÖVP-Bundespartei keine Kenntnis gehabt, welche Personen in die Auffindung von Arigona Zogaj involviert gewesen waren oder wo sich das Mädchen zum damaligen Zeitpunkt befunden hat.

Kritik von Seiten der FPÖ
Der FP-Abgeordnete Manfred Haimbuchner sieht in den Aussagen Friedls "Vermutungen der FPÖ" bestätigt, dass sich die ÖVP "in diese Causa eingemischt" habe. Es wäre "alleinige Aufgabe" von Ex-Innenminister Günther Platter gewesen, Arigona Zogaj "finden und abschieben zu lassen", so Haimbuchner. Außerdem hätten jene Personen, die ihr vor Friedl Unterschlupf gewährt haben, ebenfalls zur Rechenschaft gezogen werden müssen. "Stattdessen schaltet sich die Bundesparteispitze der ÖVP in die Causa ein und der Innenminister lässt diese gewähren und heißt dies auch noch gut, indem er bei Friedl anruft und sich bedankt", empörte sich Haimbuchner.

Grüne fordern, Zogajs in Österreich leben zu lassen
Für den Grünen Justizsprecher Albert Steinhauser steht nach den Aussagen Friedls "die Verwicklung des ÖVP-Generalsekretariats und auch des Büros Molterer in die BMI Affäre um die Familie Zogaj" fest. "Die ÖVP hat offensichtlich das von ihr geführte Innenressort für eigene parteipolitische Zwecke missbraucht". Er fordert, dass man "der Familie Zogaj endlich das Leben in Österreich möglich macht". Wenn noch "ein Funken Anstand da ist", dann solle Innenministerin Maria Fekter "jetzt endlich die kleinen Kinder zu ihrer Mutter nach Österreich lassen", so Steinhauser.

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