Sa, 26. Mai 2018

Doping-Skandal

17.10.2008 16:04

Kohl will lückenlose Aussagen machen

Bernhard Kohl hat im Zuge seines Doping-Geständnisses mitgeteilt, er werde im kommenden Verfahren vor der österreichischen Anti-Doping-Agentur (NADA) "meinen Teil dazu beitragen, dass der Sport sauberer wird". Sein Vertragsberater und Anwalt Siegfried Fröhlich kündigte am Donnerstag an, dass Kohl zu seinem Fall lückenlos Aussagen machen werde. "Er strebt eine geringere Strafe als zwei Jahre an, aber es kann nicht Sinn des Geständnisses sein, andere anzuschwärzen", sagte Fröhlich.

Die NADA ist am Donnerstag von Kohl per E-Mail offiziell über den Verzicht auf die Öffnung der B-Probe informiert worden. Damit gilt das Ergebnis der A-Probe, in der beim entthronten Dritten der Tour de France in zwei Fällen (Blutproben vom 3. und 15. Juli) die EPO-Nachfolgesubstanz CERA nachgewiesen worden war. "Am Montag sollte der Akt der Rechtskommission übergeben werden, diese wird innerhalb von acht Wochen eine Entscheidung treffen", erklärte NADA-Geschäftsführer Andreas Schwab.

Anwalt Fröhlich, der am Donnerstag noch nicht wusste, ob er selbst Kohl vor der NADA vertreten werde, möchte eine geringere Strafe als die vorgesehenen zwei Jahre erreichen. "Bernhard will eine kürzere Sperre, aber er weiß, dass es zwei Jahre werden können", sagte der Jurist. Wenn Kohl die sogenannte Kronzeugenregelung anstrebt und damit laut Welt-Anti-Doping-Agentur Chance auf eine Strafminderung bis zu 50 Prozent hat, müsste er Hintermänner in seinem Dopingfall nennen.

Krisensitzung des ÖRV
Der Österreichische Radsportverband will in einer Präsidiumssitzung am Freitag Maßnahmen finden, wie er "aus der schlimmen Situation einigermaßen schadlos herauskomme". Die Nachwuchsarbeit, viele Veranstaltungen und die heimischen Teams hätten einen immensen Schaden erlitten, der größer sei als Kohls persönlicher Schaden, sagte ÖRV-Generalsekretär Rudolf Massak. Dass eine Schadenersatzklage gegen Kohl eingereicht würde, konnte sich Massak am Donnerstag aber nicht vorstellen.

Hintermänner im Visier der Ermittler
Für Massak wäre es enorm wichtig, wenn es gelänge, das System hinter dem aktuellen Dopingfall aufzudecken. "Das Geständnis war der richtige Schritt. Ich würde mir wünschen, dass er sich auch durchringen kann, Hintermänner zu nennen. Wenn er sich dann als Galionsfigur für unser Projekt des 'Gläsernen Athleten' zur Verfügung stellt, könnte das teilweise zur Rehabilitierung seines Rufes beitragen", erklärte der Radsport-Funktionär.

Die zuständigen Instanzen müssten sich dann freilich konsequent um die Umsetzung der Ergebnisse kümmern. Dies sei im Fall des deutschen Radprofis Jörg Jaksche, der in Österreich abgehandelt worden war, nicht geschehen. "Der Weltverband UCI hat von uns seitenlange Informationen mit den Aussagen Jaksches bekommen, aber nicht einmal 'Muh' gesagt. Nichts ist geschehen", kritisierte Massak.

"Promi-Sportler-Millionenshow" trotzdem mit Kohl
Trotz der Vorwürfe gegen Kohl hält der ORF übrigens an der für Samstag geplanten Ausstrahlung der "Promi-Sportler-Millionenshow" mit Kohl fest - allerdings mit Abänderungen: Aus der im September aufgezeichneten Sendung werden Interviewpassagen, in der Kohl mit Moderator Armin Assinger über die Hintergründe seines Erfolgs bei der Tour de France spricht, herausgeschnitten. Kohl betonte in dem Gespräch, dass einzig der Rückhalt seiner Fans für die Tour-Sensation verantwortlich war. Dieser Teil wird zensiert. Außerdem werden die Zuseher mittels eines eingeblendeten Schrifthinweises über die Causa informiert sowie darüber, dass die Sendung bereits am 25. September aufgezeichnet wurde, als von der Dopingaffäre noch keine Rede war.

Neben Kohl treten auch Franz Stocher, Helge Payer, Marina Schneider, Alexandra Meissnitzer, Matthias Lanzinger, Ludwig Paischer, Thomas Geierspichler, Doris Schwaiger und Clemens Doppler auf. Die Ausstrahlung steht am Samstag um 20.15 Uhr auf dem Programm.

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