So, 19. November 2017

‚Brauche Preis nicht‘

18.10.2008 13:17

Reich-Ranicki weiterhin unversöhnlich

Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki zeigt sich unversöhnlich: Der 88-Jährige hat den Deutschen Fernsehpreis auch nach dem Gespräch mit Thomas Gottschalk, das am Freitagabend im ZDF als Sondersendung ausgestrahlt wurde, nicht angenommen. Auf die Frage Gottschalks "Bleibt der Preis bei mir?" antwortete Reich-Ranicki: "Ja. Ich brauche ihn nicht."

Gottschalk bot an, wenn Reich-Ranicki irgendwann in der Gemütsverfassung sei und sage, seine Gegenrede habe geholfen, werde er ihn ihm persönlich nach Hause bringen. Reich-Ranicki antwortete, er wolle erst einmal abwarten, ob seine Gegenrede überhaupt etwas bewirke. Bei der Verleihung am vergangenen Samstag hatte er den Ehrenpreis von ARD, ZDF, RTL und Sat1 zurückgewiesen und damit einen Eklat ausgelöst.

"Scheußlich und abscheulich"
In dem bereits am Mittwoch im Wiesbadener Kurhaus aufgezeichneten Streitgespräch mit Gottschalk kritisierte Reich-Ranicki, die Fernsehprogramme seien zu einem großen Teil "scheußlich und abscheulich". Er habe den Eindruck, die Intendanten hätten keine Ahnung. "Die müssen sich mehr Mühe geben." Reich-Ranicki wünscht sich Unterhaltung auf dem Niveau von Shakespeare und Brecht. Gottschalk widersprach: Filmfassungen von Skakespeare "kannst du einem 17-Jährigen heute nicht mehr vorführen, die reden anders, die denken anders". Wer dem Erfolg verpflichtet sei, müsse "auf Quote gucken", meinte der Moderator.

Gottschalk hielt Reich-Ranicki vor, auch er sei "ein Kind des Fernsehens" und durch das Fernsehen bekanntgeworden, und er sei ein unterhaltsamer Mensch. Reich-Ranicki lobte allerdings Gottschalk: "Du hast sehr, sehr viel erreicht. Du kannst auf die Bühne gehen und 'Guten Abend' sagen, und die Leute sind begeistert. Das ist eine große Leistung."

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