Mo, 21. Mai 2018

Finales TV-Duell

17.10.2008 16:16

McCain konnte Obama nicht erschüttern

Zum Teil scharfe Töne haben die dritte und letzte TV-Debatte der beiden US-Präsidentschaftskandidaten geprägt. Auch wenn der Republikaner John McCain nach Ansicht der meisten TV-Kommentatoren seine bisher beste Vorstellung abgegeben hat, dürfte es nicht gereicht haben, um Barack Obama die Führung zu entreißen: Ersten Umfragen direkt nach der Debatte zufolge hat Obama die Auseinandersetzung klar gewonnen und seinen Vorsprung verteidigt. McCain hat demnach seine letzte Chance, das Ruder herumzureißen und durch Angriffe Obamas Glaubwürdigkeit zu erschüttern, nicht nutzen können.

Obama präsentierte sich als Kandidat des Wechsels, denn "noch vier Jahre dieser Wirtschaftspolitik können wir uns nicht leisten", argumentierte der Demokrat. McCain hingegen versuchte, sich möglichst weit vom republikanischen Präsidenten George W. Bush abzusetzen: "Ich bin nicht Bush", stellte er fest, als Obama die Wirtschaftspolitik des Präsidenten als verfehlt anprangerte. "Wenn Sie gegen Bush kandidieren wollen, dann hätten Sie vor vier Jahren antreten sollen."

Die Themen der Diskussion an der Hofstra University in New York waren weit gespannt: von der bedrückenden Wirtschaftslage und dem Börsenkrach über Steuerpolitik, Defizit, Wahlkampfstil, Umwelt- und Energiepolitik, bis zu Abtreibung, Bildungspolitik sowie Reform der Krankenversicherung. Der Irak-Krieg wurde von den Diskutanten nur gestreift, wirtschaftliche und soziale Fragen standen im Vordergrund.

"Joe, der Installateur" als Symbolfigur des Mittelstandes
Dabei ging McCain schon zu Beginn zum Angriff über: Er zitierte "Joe, den Installateur", der unter Obamas Steuerplänen leiden würde. "Joe" existiert wirklich, er heißt Joe Wurzelbacher, begegnete dem demokratischen Kandidaten bei einem Wahlkampfauftritt in Ohio und beschwerte sich, dass er nun einen Installateurbetrieb nicht kaufen könne, weil er dann mehr als 250.000 Dollar Jahreseinkommen hätte und gemäß Obama mehr Steuern zu bezahlen hätte.

Für 95 Prozent der Amerikaner würde er die Steuern senken, aber die Reichen und Konzerne wie der Ölkonzern Exxon Mobile sollten mehr Beiträge leisten, versuchte Obama sein Programm klarzustellen. McCain warnte vor Steuererhöhungen in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation und forderte einen Stopp der Staatsausgaben - ganz die klassisch-republikanische Linie.

Obama ließ sich nicht aus der Fassung zu bringen
Alle Vorwürfe McCains gegen Obama parierte dieser ruhig und gelassen. Ja, er habe mit William Ayers in einem Verwaltungsrat zusammengearbeitet, und Ayers habe, als er, Obama, acht Jahre alt gewesen sei, Verabscheuungswürdiges gemacht, distanzierte er sich vom militanten Anti-Vietnam-Aktivisten. Wesentlich intensiver kreuzten die beiden Kandidaten die Klingen bei der Abtreibungsdiskussion, wo grundsätzliche Differenzen sichtbar wurden: Obama verteidigte das Recht der Frauen auf Abtreibung, McCain hingegen würde die Abtreibungsgesetze verschärfen.

Obama laut Umfragen klarer Sieger des TV-Duells
Erste Umfragen nach der Debatte sahen Obama deutlich vor McCain. 58 Prozent der Zuschauer bezeichneten laut einer Blitzumfrage des Nachrichtensenders CNN Obama als Sieger, nur 31 Prozent glaubten, dass der Republikaner gewonnen habe. 70 Prozent meinten demnach, Obama habe sympathischer gewirkt, nur 22 Prozent fanden McCain gewinnender.

McCain sei ein ideologischer Kandidat, während Obama auf pragmatische Lösungen setze, hieß es weiter in den Analysen. Von einem ideologischen Präsidenten hätten die Amerikaner aber nach acht Jahren Bush im Weißen Haus nun die Nase voll. Für Obama habe auch eine "staatstragende Gelassenheit" gesprochen, mit der er auf McCains Angriffe reagiert habe. McCain habe viel zu sehr der republikanischen Ideologie verhaftet gewirkt, während Obama den gemäßigten Mittelstand angesprochen habe.

Die Körpersprache von McCain, der mehrmals verärgert und empört wirkte, habe Verzweiflung und Hilflosigkeit ausgedrückt - kein gutes Signal für unentschlossene Wähler. Sollte nicht noch etwas Außergewöhnliches bis zum Wahltag am 4. November geschehen, ein großer Skandal im Obama-Lager oder ein Terroranschlag, rechnen nun die meisten Kommentatoren bereits mit einem Sieg Obamas.

Obama baut Führung weiter aus 
Nach der Fernsehdebatte hat Barack Obama seine Führung leicht ausgebaut. Würde der US-Präsident schon jetzt gewählt, könnte Obama einer Umfrage von Reuters/C-Span/Zogby zufolge mit 49 Prozent der Stimmen rechnen. Für McCain würden 44 Prozent stimmen. In der am Donnerstag veröffentlichen Erhebung legte der Senator aus Illinois gegenüber dem Vortag um einen Punkt zu. Die Fehlerquote liegt bei 2,9 Prozentpunkten.

Meinung über McCain hat sich verschlechtert
Inzwischen sagen vier von fünf Befragten, ihre Wahlentscheidung stehe fest. 21 Prozent gaben an, ihre Meinung über McCain habe sich in den vergangenen Wochen verschlechtert. Als Gründe gaben sie meist die Attacken McCains auf Obama und die Entscheidung für die Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin an.

Weil nicht das landesweite Ergebnis, sondern die Summe der Ergebnisse in den Einzelstaaten wahlentscheidend ist, konzentrieren beide Kandidaten ihren Wahlkampf in der Schlussphase auf besonders kritische Staaten. McCain trat am Dienstag auf Veranstaltungen in Pennsylvania auf, wo es vor vier Jahren eine Mehrheit für den damaligen demokratischen Kandidaten John Kerry gab.

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