Mo, 21. Mai 2018

Zurück in die Türkei

17.10.2008 10:57

Fünf Tage vor der Hochzeit abgeschoben

Fünf Tage vor einer geplanten Hochzeit in Graz ist die Polizei gekommen und hat den Bräutigam abgeführt. Am Tag darauf saß er im Flugzeug - abgeschoben in die Türkei. "Ökonomischen Unsinn" nennt es Anwalt Franz Unterassinger nüchtern. Für seine Klientin, die Braut, ist es "seelische Grausamkeit". Unterm Strich bleibt eine Asylgeschichte, die den Steuerzahler unnötig viel Geld kostet.

Die Grazerin Brigitte B. ist 46 Jahre alt und fünffache Mutter, der Türke Haci A. ist 28. "Es ist wirklich echte Liebe, die die beiden vereint", sagt Anwalt Franz Unterassinger, von Berufs wegen eher ein sachlicher und kein romantisch orientierter Mensch.

"Wir wussten, dass wir zurück müssen"
Man hat sich im Urlaub in der Türkei kennen gelernt, er, ein Kurde, kam nach Graz - als Asylwerber. Viele Ansuchen, viel Papierkram - kein Ergebnis. "Wir haben gewusst, dass wir gemeinsam zurück in die Türkei und dort auf die Erledigung des Visa-Ansuchens warten müssen", sagt Brigitte B.. "Aber wir wollten vorher noch in Graz standesamtlich heiraten." Der Termin stand bereits fest: Kommender Samstag, 10.30 Uhr. Das Standesamt informierte pflichtgemäß die zuständige Behörde. Resultat: Montag früh kam die Polizei und nahm den Bräutigam mit - am Dienstag saß er bereits im Flugzeug Richtung Türkei.

"Die beiden wären auf eigene Kosten geflogen"
"Ein ökonomischer Unsinn", sagt Anwalt Franz Unterassinger. "Die beiden wären ohnehin nächste Woche auf eigene Kosten dorthin geflogen. Das hat man offiziell gewusst. Den Ablauf hätte man mit Hilfe der türkischen Behörden natürlich überwachen können!" Und: "Im Verfahren um die Aufenthaltsgenehmigung des Bräutigams macht es absolut keinen Unterschied, ob die beiden hier oder in der Türkei heiraten - jetzt tun sie es eben dort. Nur unser Staat zahlt halt einen unnötigen Flug."

"Habe mich so auf die Hochzeit gefreut"
Für Brigitte B. geht es aber um viel mehr: "Ich habe mich so auf die Hochzeit in Graz gefreut. Da wären meine Familie und alle Leute dabei gewesen, die uns mögen. Alles andere wäre später ohnehin ordnungsgemäß erledigt worden." Stattdessen kam das "behördliche Hochzeitsgeschenk": Abführen und Abschieben!

Vielleicht war es rechtens - wirtschaftlich klug und menschlich war diese Ho-Ruck-Aktion des Amtsschimmels in diesem Fall aber sicher nicht.

von Werner Kopacka, "Steirerkrone"

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden