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09.10.2008 20:17

Österreichs Wirtschaft wächst heuer nicht mehr

Österreichs Wirtschaft wird im letzten Quartal dieses Jahres nicht mehr wachsen! Die Österreichische Nationalbank erwartet für das soeben zu Ende gegangene dritte Quartal 2008 nur noch ein BIP-Wachstum von 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Im vierten Quartal wird das Wachstum ganz zum Stillstand kommen, wie aus dem OeNB-Konjunkturindikator vom Oktober 2008 hervorgeht. Schuld sind die weltweite Finanzkrise sowie der durch die Teuerung zurückgegangene private Konsum. Besserung ist nicht in Sicht - 2009 wird ein hartes Jahr.

Infolge der Nachwirkungen des Energie- und Rohstoffpreisschocks und der internationalen Finanzmarktkrise haben sich die globalen Konjunkturaussichten weiter stark eingetrübt. Aufgrund ihrer starken Exportabhängigkeit könne sich Österreichs Wirtschaft nicht von dieser Entwicklung abkoppeln, hieß es am Donnerstag.

2009 wird hart
Für das Gesamtjahr 2008 ergibt sich auf Grund der guten Entwicklung zu Jahresbeginn aber immer noch ein Wachstum des realen BIP von nahezu 2 Prozent. Die stark rückläufige Entwicklung im Verlauf des Jahres signalisiere jedoch ein wirtschaftlich sehr schwieriges Jahr 2009. Eine Rezession sei aus heutiger Sicht aber nicht wahrscheinlich, sofern nicht weitere Schocks auftreten.

Die drei Jahre dauernde Hochkonjunkturphase der österreichischen Wirtschaft ist mit dem zweiten Quartal 2008 endgültig zu Ende gegangen. Bereits da wuchs das reale BIP schwächer als im langjährigen Durchschnitt. Das Wachstum wurde angesichts günstiger außenwirtschaftlicher Rahmenbedingungen und der hohen Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Unternehmen bis zuletzt im Wesentlichen von der Exportwirtschaft getragen, so die OeNB.

Teuerung lähmt privaten Konsum
Vom privaten Konsum, der üblicherweise in der Reifephase des Konjunkturzyklus die wichtigste Konjunkturstütze darstellen sollte, würden hingegen keine nennenswerten Impulse ausgehen. Die hohe Sparneigung und die gestiegene Belastung der Haushaltseinkommen durch den starken Preisauftrieb würden gleichermaßen für diese Entwicklung verantwortlich zeichnen.

Insgesamt sei der nun zu Ende gegangene Konjunkturaufschwung in keiner Phase selbsttragend geworden. Deswegen reagiere die österreichische Wirtschaft, die als kleine offene Volkswirtschaft ohnehin schon stark von globalen Entwicklungen abhänge, jetzt empfindlich auf externe Schocks. Dazu zählen neben den starken Anstiegen der Rohöl-, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise in den letzten Jahren derzeit vor allem die von den Finanzmarktturbulenzen ausgehenden Effekte.

Finanzmarktkrise noch länger spürbar
Die Preise auf den Rohstoff- und Nahrungsmittelmärkten würden sich seit einigen Wochen wieder zurückbilden, aber sehr unbeständig bleiben. Im vierten Quartal 2008 werden jedoch Basiseffekte der Ende 2007 begonnenen Rohstoffpreishausse den Preisauftrieb zusätzlich dämpfen. Demgegenüber werden die konjunkturellen Folgen der Finanzmarktkrise noch länger nicht ausgestanden sein.

Österreicher fürchten um ihre Jobs 
Auch die Österreicher rechnen auf Grund der Finanzkrise mit negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft und auch die Beschäftigung in Österreich. Das Vertrauen in die heimischen Banken hingegen ist im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich geblieben, so die Ergebnisse eines "Infoscreen-Monitors" des Meinungsforschungsinstitutes OGM. 71 Prozent der Bevölkerung befürchten demnach negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Beschäftigungssituation im Land. Vor rund einem Jahr war es nur ein Drittel, das Konsequenzen befürchtete.

Nur noch 23 Prozent der Befragten rechnen mit keinerlei negativen Folgen. Im Vorjahr ging noch über die Hälfte davon aus, dass es keine Auswirkungen geben wird. Die Bevölkerung sorge sich weniger um die Spareinlagen, als um die allgemeine Konjunktur und ihre eigenen Arbeitsplätze, stellte Karin Cvrtila von OGM fest.

Für 71 Prozent ist das Vertrauen in die österreichischen Banken weder gestiegen noch gesunken. „Die Gründe dafür liegen einerseits am generell hohen Vertrauen der Österreicher in die heimischen Geldinstitute, andererseits haben aber auch die Aussagen hoher Banker bezüglich der Sicherheit der Spareinlgen in den letzten Tagen zu einer Beruhigung geführt“, erklärte Cvrtila. Etwa ein Fünftel (21 Prozent) vertraut den österreichischen Banken weniger als vor Beginn der Finanzkrise. Für den aktuellen Infoscreen-Monitor wurden am vergangenen Montag 501 Österreicher befragt.

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