Do, 24. Mai 2018

Weitere Blamage

13.10.2008 11:55

ÖFB-Elf muss sich gegen Färöer mit 1:1 begnügen

Das Färöer-Trauma des österreichischen Fußball-Nationalteams bleibt bestehen. Die ÖFB-Auswahl kam am Samstag in der WM-Qualifikation auswärts gegen die Insel-Kicker nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus und leistete sich damit gegen die Färinger nach dem 0:1 von 1990 eine neuerliche Blamage. Nach der Färöer-Führung durch Lökin (47.) roch es schon nach einer neuerlichen Top-Sensation wie in Landskrona, Stranzl gelang für die drückend überlegenen Österreicher, die vor allem in der ersten Hälfte gute Möglichkeiten vergaben, in Torshavn aber wenigstens noch der Ausgleich (49.).

Das Nationalteam hat dadurch schon vor den beiden weiteren Gruppenspielen am Samstag in Gruppe 7 an Boden verloren und steht nun am Mittwoch im Wiener Happel-Stadion gegen Serbien unter Siegeszwang. Ein Punkteverlust gegen die Balkan-Truppe würde die Hoffnungen auf einen Trip zur WM 2010 in Südafrika wohl schon nach vier Partien beenden. Die Färöer wiederum durften sich nach zuletzt 21 Niederlagen wieder über einen Zähler freuen.

Dabei hätten die Österreicher, die von Teamchef Karel Brückner in einem offensiv ausgerichteten 4-4-2 mit Ivanschitz an der Spitze der Raute sowie Hoffer und Janko als Spitzen aufs Feld geschickt wurden, schon bald nach Anpfiff alles entscheiden können. Von Beginn an waren die Rot-Weiß-Roten deutlich überlegen und erarbeiteten sich gute Einschussmöglichkeiten. Einen Schuss von Scharner in der 4. Minute bändigte der Färöer-Goalie Mikkelsen noch problemlos, fünf Minuten später wäre der Schlussmann bei einem Hoffer-Schuss allerdings geschlagen gewesen, doch Bö lenkte den Ball an die eigene Stange.

Knöchelverletzung bei Harnik in der 22. Minute
Mit dem böigen Wind im Rücken setzten die Gäste die Insel-Kicker weiter unter Druck. Zunächst köpfelte Janko zu zentral aufs Tor (16.), dann kam Harnik nach Kopfball-Verlängerung von Janko knapp zu spät (18.). In der 22. Minute versenkte der Werder-Legionär den Ball im Tor, der slowenische Schiedsrichter Ceferin entschied jedoch auf Abseits. Zu allem Überdruss erlitt Harnik bei dieser Aktion eine Knöchelverletzung, laut erster Diagnose von Teamarzt Ernst Schopp handelte es sich dabei aber "nur" um eine Dehnung des Außenbandes.

Durch die Blessur des Flügelspielers kam Hölzl zu seinem Debüt, und der Mittelfeldspieler von Sturm Graz hatte in der 32. Minute die Führung auf dem Fuß: Nach einem kurz abgespielten Freistoß konnte Mikkelsen den Schuss von Hoffer nur kurz abwehren, Hölzl brachte den Ball allerdings aus kurzer Distanz nicht im Tor unter (30.). Davor war Janko in letzter Sekunde am Schuss gehindert und einem ÖFB-Treffer von Scharner wegen angeblich vorangegangenen Handspiels neuerlich die Anerkennung versagt worden (jeweils 26.). Außerdem zielte Fuchs nach Garics-Vorlage knapp daneben (27.).

Die Färinger standen zwar äußerst tief in der eigenen Hälfte, verlegten sich aber nicht nur aufs Verbarrikadieren, sondern wurden phasenweise auch selbst aktiv, so etwa in der 30. Minute, als Manninger unmotiviert aus dem Tor eilte und Stranzl gerade noch vor Hansen klärte. Wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff marschierte Hansen alleine Richtung ÖFB-Tor, doch Scharner rettete in extremis im eigenen Strafraum.

Ein Hauch von Landskrona
Unmittelbar nach dem Seitenwechsel überschlugen sich zunächst die Ereignisse. In der 47. Minute wehte ein Hauch von Landskrona durch das luftige "Torsvöllur"-Stadion, als der eingewechselte Lökin nach Doppelpass mit Christian Högni Jacobsen aus rund zwölf Metern Manninger bezwang. Der 19-jährige Torschütze ist der Sohn eines Mitglieds jener Mannschaft, die Österreich im September 1990 besiegte und in der Pause dafür geehrt wurde.

Die Antwort der Österreicher ließ aber nicht lange auf sich warten. Schon in der 48. Minute hatten die Färöer bei einem von Mikkelsen gerade noch abgewehrten Hoffer-Schuss Glück, beim darauffolgenden Eckball hatten dann endlich einmal auch die Gäste Fortuna auf ihrer Seite. Der Ball wurde von Hansen per Kopf verlängert und fiel vor die Beine von Stranzl, der aus kurzer Distanz einschoss.

Danach gab es für die ÖFB-Elf bei Gegenwind nicht mehr allzu viele hochkarätige Chancen. Die beste vergab Janko, der nach Querpass von Fuchs in Mikkelsen seinen Meister fand (62.). Brückner brachte in der Schlussphase noch Kienast für Garics und Arnautovic (Debütant) für Janko (Oberschenkelprobleme), taugliche Mittel wurden aber keine mehr gefunden - zum Teil aus Unvermögen, zum Teil auch, weil ein geordneter Spielaufbau aufgrund des starken Windes praktisch unmöglich war.

ÖFB-Kicker gegen Färöer nicht zu sehen
Die Wetterlage war schließlich auch dafür verantwortlich, dass sich Fußball-Fans mit einem Standbild aus Torshavn samt Audio-Kommentar begnügen mussten.Erst rund 20 Minuten vor Spielbeginn wurde bekannt, dass mit TV-Bildern von der Inselgruppe im Nordatlantik nicht zu rechnen sein wird. Der ORF sprach von einem "Versagen des Vertragspartners". Tatsächlich war das für eine reibungslose Übertragung benötigte Equipment des internationalen Rechteinhabers Sportfive wegen Transportproblemen nicht rechtzeitig auf den Färöern eingetroffen. Das vor Ort produzierte TV-Signal konnte deshalb nicht nach Wien übermittelt werden.

"In der langen Geschichte der TV-Sportübertragungen habe ich so etwas noch nicht erlebt", meinte ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser in einer Aussendung. Man habe gegenüber dem Vertragspartner bereits "massive Schadensersatzansprüche geltend gemacht". Diese "Ungeheuerlichkeit, für die der ORF nichts kann", würde der österreichische Rundfunk im Sinne der Sportfans bedauern. Das 1:1 der ÖFB-Auswahl wird erst in einer Aufzeichnung am Sonntag (16.15 Uhr, ORF 1) tatsächlich zu sehen sein.

Herbstwetter sorgte für Probleme
Nicht unüberraschend hatte die herbstliche Wetterlage auf der Inselgruppe für einige Probleme gesorgt. So hatten ständig wechselnde Witterungsverhältnisse mit starken Windböen von bis zu 90 km/h und Regenschauern am Freitag eine fast ganztägige Sperre des Flughafens Vagar bedingt. Zahlreiche Flugzeuge, darunter auch ein ÖFB-Charterflieger samt Präsident Friedrich Stickler, konnten nicht landen. Auch das slowenische Schiedsrichterteam traf erst am Samstag, dreieinhalb Stunden vor Spielbeginn ein. Spekuliert wurde deshalb zunächst sogar mit einer Absage der Partie.

Das Team hatte in weiser Voraussicht bereits am Donnerstag - einen Tag früher als gewohnt - den fünfstündigen Flug über Dänemark auf sich genommen. "Eine Anreise am Matchtag wollen wir uns auf alle Fälle ersparen", meinte ÖFB-Teammanager Bernhard Neuhold. Nicht ohne Grund: Vor genau einem Jahr war Frankreichs Nationalteam vor dem Gastspiel auf den Färöern wegen Schlechtwetters zur Umkehr gezwungen worden und erst am Spieltag angekommen.

"Hatten Riesenglück"
ÖFB-Teamtrainer Andreas Herzog stellte nach dem Spiel konsterniert fest: "Ein Ruhmesblatt war es keines. Gegen Litauen haben wir verloren, heute nur ein Punkt. Die super Leistung gegen Frankreich ist passé, die Ausgangssituation aus dem ersten Spiel haben wir uns damit verhaut. Man muss gegen einen solchen Gegner in Führung gehen. Wenn man die Chancen nicht macht, darf man sich nicht wundern, wenn man nicht gewinnt. Wir haben gleich nach der Pause das Gegentor kassiert, hatten dann Riesenglück, dass im Gegenzug das 1:1 fällt. Dann hat uns die Durchschlagskraft gefehlt, um den Sieg noch zu erzwingen. Es ist für alle eine Enttäuschung, dass wir wieder nicht gewinnen konnten. Wenn wir in Litauen und auf den Färöern nicht gewinnen, brauchen wir nicht glauben, in Belgrad und in Frankreich zu bestehen. Wir müssen versuchen, am Mittwoch das Spiel zu gewinnen, damit wir wieder positive Seiten haben."

Brückner: "Mehr Chancen kann man eigentlich nicht haben"

"Sehr enttäuscht" zeigte sich auch Teamchef Karel Brückner: "Wir haben viele, viele Chancen gehabt. Mehr Chancen kann man eigentlich nicht haben. Unsere Produktivität war schlecht, sehr schlecht. In der ersten Hälfte kein Tor zu machen, das geht nicht. In der zweiten Hälfte mussten wir dann mit mehr Risiko spielen. Es ist ein großer Verlust. Wir haben zwei Punkte verloren. Jetzt müssen wir uns drei gegen Serbien holen. Das Gegentor war unser Fehler, den hat der Gegner geschickt ausgenützt. Wir haben alles versucht, aber es war zu wenig."

"Klar ist die Enttäuschung riesengroß", sagte auch Verteidiger Sebastian Prödl. "Uns sind zwei Tore aberkannt worden, aber es waren auch Chancen dabei, die wir machen müssen. Wir haben gewusst, dass es ein Geduldspiel wird. Wir müssen jetzt am Mittwoch gegen Serbien ganz klar punkten, da gibt eaben gute Chancen gehabt. Eigentlich müssen wir nach 20 Minuten 2:0 führen. Leider sind uns zwei Tore aberkannt worden. Zumindest eines davon war meiner Meinung nach regulär. Nach der Pause wollten wir noch mehr. Nach dem 1:1 ist noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft gegangen, aber über 90 Minuten ist das einfach zu wenig gewesen. Wir haben gewusst, dass es schwer wird. Gegen die Färöer kommt man nicht zu mehr Chancen."

Faröer-Teamchef "sehr glücklich"
Sehr zufrieden zeigte sich nach dem 1:1 hingegen Faröer-Teamchef Jogvan Martin Olsen: "Wir haben einen sehr guten Job gemacht. Jeder war bereit. Wir haben mit einer sehr guten Einstellung gespielt und das Spiel ist sehr gut für uns gelaufen. Unser Torhüter war sehr gut und wir haben dann sogar Konterchancen gehabt. Vielleicht hätten wir mit etwas mehr Glück sogar drei Punkte machen können, aber so sind wir auch sehr glücklich."

Kein Sonntag-Training fürs ÖFB-Team
Nach der mühsamen Rückreise von den Färöer-Inseln hat der Österreichische Fußballbund das für Sonntag geplant gewesene Training sowie den Medientermin abgesagt. Die ÖFB-Delegation ist erst Sonntag früh um 8.00 Uhr am Flughafen Wien-Schwechat gelandet.

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