Do, 24. Mai 2018

Angst in der Idylle

08.10.2008 16:45

Unbehagen vor den neuen Heimbewohnern

Was wird da alles seit Tagen geschrieben und gesprochen, wenn die "Sonderanstalt für Asylanten" auf der Saualpe das Thema ist. Von Einschicht und unwegsamen Forststraßen ist die Rede, von Tagesmärschen bis zum nächsten Hof... Mit Verlaub: alles Blödsinn! Eine perfekt asphaltierte breite Straße führt fast bis zur Haustür, links und rechts gesäumt von Bauernhöfen. Der Ort Wölfnitz, der wurde von fast allen Einheimischen schon lange aufgegeben. Jetzt erobern Kasachen und Tschetschenen diese Idylle für sich.

Es war einmal: Kinderlachen, das Wiehern geplagter Ackergäule auf den Feldern, das Blöken der Schafe auf den Wiesen, und dazwischen die lebhaften Gespräche der Frauen und Männer von Wölfnitz. Alles das kann man sich vorstellen, wenn man vor der Kirche steht, wenn man sich einmal um die eigene Achse dreht.

Es ist: Die Kirche verplankt, die alte Volksschule schon lange geschlossen und nur von einem Klagenfurter an den Wochenenden als Quartier genutzt, das Pfarrhaus ausgestorben. Ein beinahe verlassener Ort in der absoluten landschaftlichen Idylle.

"Angst vor den straffälligen Fremden"
Lorenz Rappatz (50) macht mit seiner Frau Sophie Holz (Bild). Das wird in Scheitern gespalten und dazwischen erzählt der Lenz: "Es wurden viele Höfe aufgegeben und viele Menschen sind abgewandert. Jetzt leben die wenigen Verbliebenen in Angst vor den straffälligen Fremden."

Relativ nahe am "Kinderheim", das je nach Sichtweise zum Lager, zur Anstalt oder zum Flüchtlingsquartier wird, haben die Rappatz ihr Zuhause. Sie meinen: "Eigentlich könnte man einen verlassenen Ort wohl anders auch beleben..." Wie, das weiß auch der Lorenz Rappatz nicht.

Begeisterung klingt anders
Am Schulgebäude erinnert nur noch die Beschriftung an die Zeit, als hier Kinder unterrichtet wurden.  Jetzt hat sich der Klagenfurter Helmut Gasser (70) eingemietet. Ein günstiges Wochenenddomizil ist die alte Schule allemal. Auch Gasser ist skeptisch, was die Pläne mit den Asylanten betrifft. "Angenehm wird´s sicher nicht." Begeisterung klingt anders.

13 Kilometer sind es von Griffen herauf nach Wölfnitz, die wenigen Fußgänger entlang der Straße sind alle vom gleichen Gefühl beherrscht. Nennen wir es Angst. Man hört viel von Straftätern, die da einquartiert werden sollen. Das haben wir gebraucht..."

Zwei-Stern-Qualität
Da oben, da sieht die Sache schon anders aus. Das ehemalige Kinderheim ist, sagen wir einmal, solide Zwei-Stern-Qualität. Aber es ist alles da: Küchen, Speisesäle, Duschen, Fitnessräume. Abgewirtschaftet zwar, aber immerhin.

Einige Flüchtlinge sind auch schon da, etwa Wladimir (28) aus Kasachstan. Das Quartier sei okay, meint er. Die lange Strecke ins Tal zum Arzt schon weniger. Seit fünf Tagen ist er auf der Alm und braucht schon ärztliche Hilfe?

Personal schweigt
Vom Personal des Quartiers wollen wir Aufklärung. Schweigen, keine Kommentar, kein Satz, kein Wort zu niemanden. Die "Chefs", wie sie Wladimir nennt, wirken, als hätten sie ein schlechtes Gewissen.

Kann man ein verlassenes Dorf in Angst versetzen? Die Antwort ist offen, aber eigentlich ein Ja.

von Fritz Kimeswenger, Kärntner Krone

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden