Mo, 18. Dezember 2017

Immigration

06.10.2008 15:48

Einwanderung nicht schlecht für Volkswirtschaft

"Auch illegale Immigration ist nicht unbedingt schlecht für die Volkswirtschaft." Christian Dustmann, europaweit anerkannter Experte für Migrationsökonomie am University College in London, hat am Montag in einer Pressekonferenz in der Linzer Johannes Kepler Universität (JKU) diese provokanten These aufgestellt. Zuwanderung wirke sich prinzipiell positiv auf die Volkswirtschaft aus, aber am unteren Ende gebe es einige Verlierer.

Dustmann untermauerte seine Behauptung mit den illegalen mexikanischen Einwanderern in den USA: Diese würden in den Staaten arbeiten und Steuern zahlen. Die Kriminalität sei gering. Der amerikanischen Regierung sei daher klar, dass es wirtschaftlich nicht möglich wäre, diese 14 Mio. Menschen wieder nach Hause zu schicken. "Illegale Immigration ist manchmal ein Regulativ, um auf gewisse Notwendigkeiten zu reagieren", ist Dustmann überzeugt.

Zuwanderung schaffe die Möglichkeit, Engpässe am Arbeitsmarkt kurzfristig zu beseitigen, so der Wissenschafter. Neben der Nachfrage nach bestimmten Qualifikationen gebe es auch im ungelernten Bereich Bedarf: Für viele Jobs finde man keine Einheimischen, meist wegen der schlechten Bezahlung. Würde man die Betriebe zwingen, einen besser bezahlten Inländer zu beschäftigen, wären die Firmen nicht konkurrenzfähig und würden eventuell abwandern, so der Experte.

Keine Auswirkung auf Löhne
In kaum einer Studie habe man negative Auswirkungen der Immigration auf die Löhne feststellen können, erläuterte Dustmann. Im Durchschnitt sei der Effekt auf die Einkommen positiv, besonders profitieren die Besserverdiener, lediglich am unteren Ende könne es leichte Einbußen geben. "Die Gewinner profitieren mehr, als die Verlierer verlieren."

Warnung vor Abschottung
Eindringlich warnte Dustmann vor einer "Grenzen-dicht-Politik". "Das wäre fatal, es würde uns von den Weltmärkten entfremden". Eine völlig freie Zuwanderung sei allerdings auch problematisch, weil es dadurch zu radikalen Strömungen in der Gesellschaft kommen könne. Dann schlage das Pendel um, und die Tür sei für längere Zeit wieder zu. Der Experte betonte daher die Bedeutung von Integration und von Transparenz in der Ausländerpolitik.

Anlass für Dustmanns Besuch in Linz war der Start eines Forschungsprojektes an der JKU. Ein Team von Ökonomen und Statistikern wird in den kommenden drei Jahren die Probleme des Arbeitsmarktes und des Sozialstaates - von der Immigration über das Gesundheitswesen bis hin zu den Steuern - unter die Lupe nehmen. Es handelt sich um das bisher größte derartige Projekt an der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der JKU. Gemeinsam mit Experten der Universitäten Wien, Innsbruck, Zürich sowie der University of California soll ein Forschungsnetzwerk entstehen.

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