Mi, 23. Mai 2018

Erste Entspannung

06.10.2008 14:45

Rettung von Hypo Real Estate am letzten Drücker

In der Nacht auf Montag haben sich in Berlin die deutsche Regierung, Aufsicht und Finanzwirtschaft nach zähem Ringen auf ein neues Rettungspaket für den pleitegefährdeten Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) geeinigt. Ein erstes HRE-Rettungspaket im Umfang von 35 Milliarden Euro war am Samstag überraschend gescheitert - offenbar weil der Finanzbedarf erheblich höher ist als gedacht. Minister Peer Steinbrück berief einen Krisengipfel ein, der im Wettlauf mit der Zeit vor Öffnung der Börsen in Asien eine Lösung fand.

Die Banken stockten ihre Kreditlinie um 15 Milliarden Euro auf, wie das deutsche Finanzministerium mitteilte. Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer Staatsgarantie für alle Spareinlagen versucht, Panik bei den Sparern in Deutschland zu verhindern. Die Lösung ist da und "gut", wie die Aufsicht befindet. Der vom deutschen Bund zur Verfügung gestellte Bürgschaftsrahmen von bis zu 35 Milliarden Euro bleibe unverändert, hieß es weiter.

"Finanzplatz Deutschland gestärkt"
Bis zu einer Gesamthöhe von 14 Milliarden Euro trage der Finanzsektor 60 Prozent und der Bund 40 Prozent der möglichen finanziellen Belastungen, die sich aus einer Inanspruchnahme der Garantie ergeben könnten. "Mit dieser gemeinschaftlich gefundenen Lösung wird das Institut stabilisiert und damit der Finanzplatz Deutschland in schwierigen Zeiten gestärkt", erklärte das Ministerium.

Mehr Geld benötigt, als erwartet
Hintergrund der zweiten Rettungsaktion war, dass die HRE offenbar deutlich mehr Geld brauchte als zunächst vorgesehen. "Welt Online" berichtete, es fehlten bis Ende 2008 bis zu 50 Milliarden Euro und bis Ende 2009 im schlimmsten Fall 70 bis 100 Milliarden Euro. Die Agentur AP erfuhr aus Finanzkreisen, die Zahl für 2008 sei "nicht ganz falsch". 100 Milliarden Euro für das nächste Jahr seien jedoch zu hoch gegriffen.

Management von allen Seiten unter Beschuss
Angesichts der jüngsten Entwicklungen forderten Politiker von Union und Grünen den HRE-Vorstandsvorsitzenden Georg Funke zum schnellen Rücktritt auf. Auch Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat den Rücktritt der Führung von Hypo Real Estate gefordert. "Ich halte es für undenkbar, dass mit dem jetzigen Management weiter zusammengearbeitet wird", sagte Steinbrück am Montag im Deutschlandfunk.

Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Otto Bernhardt, sagte laut "Bild"-Zeitung: "Wer 35 Milliarden Euro sagt, und dann sind es 50 Milliarden Euro - der ist kein kompetenter Gesprächspartner mehr. Es ist an der Zeit, die Konsequenzen zu ziehen." Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder hat die Entlassung der verantwortlichen Manager verlangt. Es werde "höchste Eisenbahn, dass das Management der Hypo Real Estate in die Wüste geschickt wird" - und zwar möglichst ohne "Goldenen Handschlag", sagte Kauder am Montag im ZDF-Morgenmagazin.

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