Fr, 24. November 2017

Am Chefsessel

03.10.2008 14:40

Kärntnerin Eva Glawischnig neue Grünen-Chefin

Die Kärntnerin Ewa Glawischnig ist neue Grünen-Chefin und folgt damit Alexander Van der Bellen nach elf Jahren an der Parteispitze. Seit März 2002 war sie bereits stellvertretende Chefin der Bundespartei. Das schlechte Ergebnis der Grünen bei der Nationalratswahl verschafft der 39-Jährigen nun ihren bisherigen Karrierehöhepunkt. Glawischnig muss allerdings noch durch einen außerordentlichen Bundeskongress der Grünen als neue Chefin bestätigt werden.

Die gebürtige Seebodnerin, vielfach als Grüne "Kronprinzessin" bezeichnet, übernimmt die Partei in einer schwierigen Phase. Während es unter Van der Bellen in den vergangenen Jahren stetig bergauf gegangen ist, haben die Grünen bei der Nationalratswahl vergangenen Sonntag zum ersten Mal unter dem langjährigen Parteichef Stimmen verloren. Man rutschte vom dritten auf den fünften Platz ab, das Ziel von 15 Prozent wurde klar verfehlt.

Alles begann mit einem Fehlstart
Erste politische Sporen verdiente sich Glawischnig nach ihrem Jus-Studium in den 90er Jahren im Einsatz gegen die sogenannte "Ennsnahe Trasse" in der Steiermark. Der Start der gebürtigen Kärntnerin in die Parteipolitik begann dagegen mit einem Fehlstart: Bei den Wiener Landtagswahlen 1996 verfehlte sie den Einzug in den Landtag und arbeitete ohne Mandat als Umweltsprecherin der Wiener Grünen.

Als Umweltministerin gehandelt
Drei Jahre später schaffte die Kärntnerin dagegen als Spitzenkandidatin der Wiener Grünen den Sprung in den Nationalrat. Dort konnte sie sich als Umweltsprecherin rasch etablieren und rückte 2002 zur stellvertretenden Parteichefin auf. Im selben Jahr dann ein Rückschlag für Glawischnig: Bei den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP war sie schon als Umweltministerin einer schwarz-grünen Regierung gehandelt worden. Doch die Gespräche scheiterten.

Glawischnigs Erfolg mit den Kärntner Grünen
Zwei Jahre später dann der bisher größte politische Erfolg Glawischnigs: Bei der Kärntner Landtagswahl 2004 konnte sie den letzten weißen Fleck von der Landkarte ihrer Partei tilgen und führte die Grünen in ihrem Heimatbundesland dank eines intensiven Wahlkampfeinsatzes (gemeinsam mit Spitzenkandidat Rolf Holub) erstmals zum Einzug in den Kärntner Landtag - und das trotz des damals noch äußerst minderheitenfeindlichen Kärntner Wahlrechts.

Nach der Nationalratswahl im Oktober 2006 folgte dann ein weiterer Karriere-Höhepunkt: Glawischnig zog als erste Grün-Politikerin ins Nationalratspräsidium ein.

Kritik am öffentlichen Auftreten der Kärntnerin
Kritik und Häme brachte Glawischnig ihre Nähe zu den Society-Seiten des Landes ein: Ihre Hochzeit mit dem TV-Moderator Volker Piesczek im Jahr 2005 wurde ebenso öffentlichkeitswirksam vermarktet, wie ihre anschließende Schwangerschaft. Hochglanz-Fotos der Grünen Frontrau schmückten die Titelseiten: Im bauchfreien Hochzeitsgewand, mit nach unten gerutschtem Träger beim Blutspenden und auch zuletzt noch mit kurzem Rock auf einem Sofa posierend.

Kopfschütteln einiger Parteifreunde
Bei der Grünen Basis kam das nicht immer gut an, auch unter Klubkollegen sorgten derartige Auftritte mitunter für Kopfschütteln. Wirklich geschadet haben dürften ihr die Ausflüge in die Seitenblicke-Gesellschaft allerdings nicht, Glawischnig wurde stets als Favoritin für die Nachfolge Van der Bellens gehandelt - nun ist es so weit.

In freiheitlicher Hochburg geboren
Geboren wurde sie am 28. Februar 1969 in Seeboden, einer freiheitlichen Hochburg in Kärnten. Die Schulbank drückte sie unter anderem mit dem heutigen FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl.

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