Di, 22. Mai 2018

Mit geballter Macht

02.10.2008 08:33

Star Wars: The Force Unleashed

Auch über 30 Jahre nach ihrem Leinwanddebüt haben die Sternenkrieger der "Star Wars"-Saga noch nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Mit "Star Wars: The Force Unleashed" können Fans von Lichtschwertduellen nun erstmals auch auf NextGen-Konsolen ihre Macht entfesseln. Und das nicht zu knapp…

Gleich zu Beginn des Spiels dürfen wir als Darth Vader über den Wookie-Planeten Kashyyyk stolzieren und mit sauber trennender Klinge die "laufenden Bettvorleger" dahinmetzeln. Während Tie-Fighter über den Kopf brausen und schwere AT-AT-Kampfläufer im Hintergrund die pelzigen Bewohner des Planeten unter Beschuss nehmen, kämpft sich der dunkle Lord unaufhaltsam nach vorn. Sein Ziel: Ein Jedi-Meister, der sich in einer Holzhütte vergebens vor dem Imperium versteckt. Für den Jedi gibt es keine Rettung, wohl aber für dessen Sohn: Vader nimmt sich seiner an und macht ihn zu seinem "geheimen Schüler". Fortan dürfen wir als rechte Hand Vaders die Galaxie das Fürchten lehren.

Die zwischen "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith" und "Star Wars: Episode IV - Eine neue Hoffnung" angesiedelte Geschichte bedient sich dabei einer Reihe aus der lucas'schen Ideenwelt nur allzu bekannter dramaturgischer Kniffe. Die inhaltlichen Parallelen zur Film-Hexalogie sind demnach nicht von der Hand zu weisen, was der Unterhaltung allerdings keinen Abbruch tut: In aufwendig inszenierten, glaubwürdig und stimmig synchronisierten Zwischensequenzen wird die Handlung vorangetrieben. Kenner der Filme müssen allerdings in Kauf nehmen, dass sie schon vorher wissen, welche Protagonisten überleben und welche dem Lichtsäbel zum Opfer fallen werden.

Im Spiel selbst präsentiert sich "Star Wars: The Force Unleashed" technisch nicht ganz so ausgereift wie in den Zwischensequenzen. Tearing und Clippingfehler, eine bockige Kamera, die mitunter fummelige Steuerung, dümmliche Gegner-KI, nervige Ladezeiten beim Wechsel in die Optionen und die zum Teil unausbalancierten Kämpfe gehören eindeutig zur dunklen Seite des Titels. Hinzu kommt, dass die Level zwar großzügig angelegt sind, letzten Endes aber streng linear verlaufen und noch dazu trotz aller Details ein wenig an Abwechslung vermissen lassen - kehrt unser Held doch im Verlauf der Geschichte gleich mehrmals auf bereits bekannte Planeten zurück.

Dass "Star Wars: The Force Unleashed" dennoch ungeheuer viel Spaß macht, liegt an den Fähigkeiten des geheimen Schülers. Mit Hilfe von Lichtschwert und unter Einsatz der Macht pflügt er sich scheinbar mühelos durch Sturmtruppler und Co. Während das Lichtschwert überwiegend für den Nahkampf konzipiert wurde, eignet sich die Macht hervorragend für Angriffe aus größerer Distanz. So lassen sich etwa Gegenstände auf Gegner herabschleudern oder - viel einfacher noch - Kontrahenten auch gleich selbst in die Luft heben, um sie in den nächsten Abgrund zu befördern. Als ebenfalls sehr effektiv erweisen sich Machtblitze sowie -schübe, mit denen sich Widersacher rösten bzw. aus dem Weg pusten lassen.

Nicht ganz so einfach zu beseitigen sind hingegen die Zwischen- und Endgegner. Beim Kampf gegen imperiale Walker, gefräßige Rancors und Jedis gilt es Quick-Time-Abfolgen zu meistern. Die Entwickler haben dabei das "Quick" ein wenig zu wörtlich genommen und die Events oftmals so überraschend in das Spiel eingebunden, dass es meist mehrere Anläufe braucht, um die Gegner in die Knie zu zwingen. Manches Mal, etwa beim Versuch, einen Sternenzerstörer allein mit Kraft der Gedanken vom Himmel zu holen, bedarf es auch der Analogsticks. Die Angaben darüber, welche Bewegungen durchzuführen sind, sind allerdings nicht immer auf den ersten Blick verständlich; schon gar nicht, wenn man zeitgleich von einer Tie-Fighter-Flotte unter Beschuss genommen wird.

Hat man den Endgegner dann doch besiegt, winkt ein Stufenaufstieg zur Belohnung. In drei Kategorien können abhängig von den eigenen Anstrengungen mehr oder weniger viele Fertigkeitspunkte verteilt werden, um sowohl aktive als auch passive Fähigkeiten freizuschalten und zu verbessern. Beispielsweise lassen sich die Stärke, die Geschwindigkeit der Machtregeneration oder der Radius des Lichtschwertwurfs erhöhen. Darüber hinaus gibt es Extras wie Hintergrundinfos, Konzeptgrafiken, Outfits oder auch neue und bessere Lichtschwertkristalle abzustauben.

Fazit: Als reines Hack'nSlay kann "Star Wars: The Force Unleashed" nicht mit der technisch besseren Konkurrenz von "God of War 2" oder etwa "Devil May Cry 4" mithalten. Aber "The Force Unleashed" lebt von der Marke "Star Wars" und den dazugehörigen Charakteren – und genau davon können Fans der Filme beim Spielen voll und ganz zehren, wenn auch nur gut sechs bis sieben Stunden lang. Selten hat es jedoch mehr Spaß gemacht, das Böse zu verkörpern und mit der Macht ganze Kompanien von Gegnern binnen kürzester Zeit dem Erdboden gleichzumachen. Wenn dann noch das typische Surren des Lichtschwerts in feinstem 5.1.-Sound aus den Boxen dröhnt und die Geschichte sich in den filmisch imposanten Zwischensequenzen allmählich entfaltet, fühlen sich "Star Wars"-Fans einfach nur rundum glücklich – allen kleineren Mankos zum Trotz.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, Wii, PS2, PSP, DS
Publisher: Activision
Krone.at-Wertung: 8/10


von Sebastian Räuchle

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