Fr, 25. Mai 2018

Patria-Affäre

01.10.2008 13:25

Riedl und Wolf von finnischen Ermittlern verhört

Die beiden Hauptverdächtigen in der Patria-Rüstungsaffäre, der Wiener Geschäftsmann Wolfgang Riedl und der austro-kanadische Unternehmer Walter Wolf, sind einem slowenischen Fernsehbericht zufolge von finnischen Ermittlern in Wien einvernommen worden. Dabei sei es um angebliche Schmiergeldzahlungen beim Ankauf von 135 Panzern der finnischen Rüstungsschmiede Patria durch die slowenische Armee gegangen, berichtete der TV-Sender POP TV am Dienstagabend. Finnischen TV-Berichten zufolge wurde auch Sloweniens Premier Janez Jansa geschmiert.

In Österreich ließen sich die Angaben von POP TV am Mittwoch nicht verifizieren. Weder im Justizministerium noch in der Staatsanwaltschaft Wien war am Vormittag zu erfahren, ob die Einvernahmen überhaupt stattgefunden haben. Ministeriumssprecher Thomas Geiblinger sagte, dass Befragungen durch ausländische Ermittler "immer wieder vorkommen", vor allem bei größeren Fällen.

Während Riedls Anwalt Dieter Böhmdorfer am Vormittag nicht erreichbar war, hieß es aus der Kanzlei von Wolfs Marburger Anwalt Andrej Kac lediglich: "Kein Kommentar". Wolf zeigte sich gegenüber der slowenischen Nachrichtenagentur STA überrascht, dass Medien überhaupt von der Befragung erfahren hätten.

Verbleib von 2,3 Millionen im Mittelpunkt
Riedl und Wolf sollen Mittelsmänner bei angeblichen Schmiergeldzahlungen gewesen sein, was die beiden vehement zurückweisen. Anknüpfungspunkt für die Ermittler sind 2,3 Millionen Euro, die der Patria-Mitteleuropa-Vertreter Riedl an Wolf überwiesen haben soll. Der austrokanadische Unternehmer mit slowenischen Wurzeln beteuert, dass er das Geld irrtümlich erhalten und es umgehend wieder zurücküberwiesen habe. Die finnischen Ermittler glauben diesen Beteuerungen aber offenbar nicht. Sie wollten bei den Wiener Befragungen laut POP TV ergründen, an welche Personen in Slowenien das Geld geflossen sei.

Finnen trauen slowenischer Justiz nicht
Die Einvernahme fand laut dem slowenischen Fernsehsender deswegen in Wien statt, weil sich die finnischen Ermittler geweigert hätten, nach Slowenien zu kommen. Medienberichten zufolge ist das Verhältnis zwischen der slowenischen und finnischen Justiz in der Patria-Affäre gespannt. Die finnischen Beamten wollen ihren slowenischen Kollegen angeblich kein belastendes Material zukommen lassen, weil sie argwöhnen, dass die Ermittlungen in Laibach verschleppt werden. Tatsächlich hat die slowenische Polizei bereits eine peinliche Ermittlungspanne eingeräumt: Eine österreichische Interpol-Depesche über verdächtige Kontobewegungen zwischen Wolf und Riedl blieb bei der slowenischen Interpol-Sektion über ein Jahr lang liegen, ohne dass den Verdachtsmomenten nachgegangen worden wäre.

Panzer-Deal ist 280 Millionen schwer
Die finnische Justiz hat gegen Riedl und Wolf Haftbefehle erlassen, aber noch keinen Europäischen Haftbefehl, "aus taktischen und operativen Gründen", wie es heißt. Nach slowenischen Medienberichten reichen die vorliegenden Beweise über Zahlungsflüsse aus Finnland bereits aus, um die beiden ins Gefängnis zu bringen. Man wolle aber ergründen, wie das Geld dann weiterverteilt wurde.

Riedl und Wolf bestreiten vehement, slowenische Beamte oder Regierungsvertreter geschmiert zu haben, um eine Entscheidung zugunsten des Ankaufs der Patria-Panzer zu erwirken. Der Deal, bei dem Patria die österreichische Waffenschmiede Steyr ausgestochen hat, ist 280 Millionen Euro schwer.

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