Sa, 26. Mai 2018

Wahl '08 in Graz

01.10.2008 11:09

Verlierer, Schuldige und Sieger

Der Wahlflop für Rot/Schwarz fand auch in Graz seinen Niederschlag - aber weder der Grazer ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl noch SPÖ-Chef Wolfgang Riedler sehen die Schuld bei sich. Nagl spart nicht mit Kritik an den Bundes-Schwarzen. ÖFP-Stadträtin Susanne Winter (Bild) tauscht die Grazer Regierungsbank mit dem Parlament. Auch in Graz ist der große Verlierer die Volkspartei - mit einem Minus von fast zehn Prozent kann man tiefer kaum fallen.

Bürgermeister Nagl, noch im Jänner strahlender Wahlsieger der Gemeinderatswahl, sieht die Schuld allein beim Bund: "Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte." Soll heißen: Hätten die SPÖ und die ÖVP nicht so viel gestritten, wären FPÖ und BZÖ nicht die großen Wahlgewinner. Nagl: "Mein Stil bei der Gemeinderatswahl in Graz war ein anderer. Wir haben auf das Miteinander gesetzt." Auch die frühe Entscheidung für eine Koalition mit den Stadt-Grünen habe zum Erfolg beigetragen. Nagls Fazit: "Die Bundes-ÖVP braucht dringend eine Erneuerung!"

Rote in Graz Nummer eins
Die Nummer eins in Graz waren bei dieser Nationalratswahl, trotz herber Verluste, die Roten. SPÖ-Chef Riedler: "Das Stimmen-Minus freut mich natürlich nicht. Für die Grazer Sozialdemokratie sehe ich trotzdem einen Aufwärtstrend, weil wir im Vergleich zu den Gemeinderatswahlen mehr als 6.000 Stimmen zulegen konnten." Allerdings: Bei der Graz-Wahl war die SPÖ auf einen historischen Tiefststand abgesackt...

Rücker: "Bundesweit enttäuschend"
Ihren Weg eindrucksvoll bestätigt sehen die Grazer Grünen unter Lisa Rücker: "Es ist wichtig und gut, dass wir auf dem dritten Platz geblieben sind und das dritte Lager hinter uns lassen konnten." Aber bundesweit wäre das Ergebnis natürlich enttäuschend. Für eine stabile Bundespolitik, die auch für Graz etwa in Fragen der Integration wichtig wäre, stünden die Vorzeichen schlecht, so Rücker.

Blaue Wahlsieger
Eindeutig zu den Wahlsiegern gehören die Blauen. Deren Frontfrau, Susanne Winter, zieht ja in den Nationalrat ein. Winter: "Unsere harte Arbeit in den letzten Jahren hat sich gelohnt. Und wir haben genau auf die Themen gesetzt, die die Menschen wirklich bewegen." Ihren Stadtratsposten legt Winter, die auch in ihrer eigenen Grazer Partei höchst umstritten ist, zurück - ihr Nachfolger wird diese Woche gekürt.

BZÖ bärenstark
Noch mehr als die FPÖ konnte das BZÖ zulegen - man startete aber auch mit einem wesentlich geringeren Stimmenanteil. Gemeinderat Gerald Grosz wird künftig, wie Winter, im Parlament vertreten sein. Grosz: "Ich bleibe Gemeinderat. Die Grazer Interessen werden mir im Nationalrat ein besonderes Anliegen sein." Seinen Lohn als Gemeinderat wird Grosz spenden.

Zu Recht mit wenig Illusionen ging die KPÖ in den Wahlkampf. Die Kommunisten hatten ja schon bei der Gemeinderatswahl ihr Waterloo erlebt.

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