Mo, 26. Februar 2018

Mega-Bankenpleite

26.09.2008 16:06

US-Sparkassen-Gigant zusammengebrochen

Größte Bankenpleite der US-Geschichte: Die einst führende amerikanische Sparkasse Washington Mutual (WaMu) ist unter den Lasten der Kreditkrise zusammengebrochen. In einem Notverkauf wird sie zu weiten Teilen vom Finanzkonzern JPMorgan Chase übernommen. Die drittgrößte US-Großbank zahlt 1,9 Milliarden Dollar (1,293 Milliarden Euro). Inmitten des politischen Tauziehens um das staatliche 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket für die Bankenbranche hat die Finanzkrise damit einen neuen Höhepunkt erreicht.

JPMorgan Chase übernimmt die Banken der Washington-Mutual-Gruppe (WaMu), die Washington Mutual Bank und die Washington Mutual FSB, sowie deren Einlagen, Aktiva und einige Verpflichtungen. Das Grundkapital und die Gesamtschulden der WaMu sind von der Transaktion ausgeschlossen. Aktionäre und Gläubiger der Sparkasse gehen demzufolge leer aus. Die Übernahme kam auf Drängen der Behörden zustande, weil die Bankenaufsicht FDIC wegen der zwölf Bankenpleiten der vergangenen Monate ein Einspringen auch in diesem Fall nicht verkraftet hätte.

Keine Auswirkungen für Kunden und deren Einlagen
Die WaMu verfügt über Aktivposten in Höhe von 309 Milliarden Dollar und ist damit die größte der 13 Banken, die bisher der Krise an den Finanzmärkten zum Opfer fällt. Sie habe keine ausreichende Liquidität mehr gehabt, so die US-Sparkassenaufsicht OTS (Office of Thrift Supervision). Das Institut wurde deshalb zunächst unter staatliche Kontrolle gestellt. Der anschließende Verkauf an JPMorgan habe keine Auswirkungen für die Kunden und deren Einlagen von knapp 190 Milliarden Dollar (129,3 Milliarden Euro). Die Filialen würden am Freitag wie gewohnt ihre Türen öffnen, hieß es.

Die Sparkasse hatte sich während des Immobilienbooms massiv auf dem heute desolaten Hypothekenmarkt engagiert. Zuletzt fielen der Aufsicht zufolge in drei Quartalen hintereinander insgesamt 6,1 Milliarden Dollar Verlust an. Verschärft wurden die Probleme durch den Kurssturz der Aktie und eine Herabstufung durch Ratingagenturen auf "Schrott"-Niveau. Am Schluss wurde die Lage für das Institut lebensbedrohlich: In den vergangenen zehn Tagen hätten Kunden scharenweise insgesamt 16,7 Milliarden Dollar an Guthaben abgehoben, so die Aufsicht.

WaMu mit Bilanzsumme von 300 Milliarden Dollar
Dank der Übernahme werde der Einlagensicherungsfonds der Branche durch den Zusammenbruch nicht belastet, teilten die Behörden mit. Sonst hätte dies laut Analysten über 20 Milliarden Dollar gekostet. WaMu hatte zuletzt eine Bilanzsumme von mehr als 300 Milliarden Dollar. Bei der zuvor größten US-Bankenpleite war im Jahr 1984 die Continental Illinois Corp. zusammengebrochen mit einem im Vergleich weit kleineren Vermögenswert von damals 40 Milliarden Dollar.

WaMu beschäftigte zur Jahresmitte mehr als 43.000 Mitarbeiter in über 2.200 Zweigstellen verteilt auf 15 US-Staaten. Zuletzt strich WaMu tausende Stellen und kürzte das Geschäft mit Hauskrediten radikal. Wegen ihrer Probleme stand die Sparkasse bereits unter verschärfter staatlicher Aufsicht und hatte ihren Chef ausgewechselt. Erst vergangene Woche stellte sie sich selbst zum Verkauf. Mehrere Banken winkten aber Medienberichten zufolge ab.

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