So, 18. Februar 2018

Insgesamt 51 Coups

19.09.2008 16:11

Überfälle auf Pfarrer in Niederösterreich geklärt

Die zahlreichen Raubüberfälle auf Pfarrer in Niederösterreich sind geklärt. Sie sind aufgrund ihrer Brutalität die herausragenden Verbrechen, die einer rumänischen Tätergruppe zugeordnet werden. Insgesamt soll die Bande 51 Straftaten - auch in Wien, Oberösterreich und der Steiermark - verübt haben. Die Gesamtschadenssumme der Einbrüche in 13 Pfarrhöfe und 38 private Objekte beläuft sich auf 200.000 Euro. Acht Tatverdächtige wurden ausgeforscht, sechs sind in Haft und zum Teil bereits verurteilt. Der mutmaßliche Kopf der Bande (47) wartet in St. Pölten auf seinen Prozess.

Die Details Serie haben der niederösterreichische Sicherheitsdirektor Franz Prucher und der Chef des LKA-NÖ, Oberst Franz Polzer, am Freitag bei einer Pressekonferenz in Klosterneuburg gemeinsam mit geschädigten Pfarrern (siehe Foto oben) bekanntgegeben - bewusst in jener Stadt, in deren Katastralgemeinde Kierling am 4. Jänner 2008 Pfarrer Benno im Schlaf überrascht, brutal ins Gesicht geschlagen und gefesselt worden war. Nach dem zweiten gleich gelagerten Überfall auf einen Geistlichen in Böheimkirchen am 20. Jänner wurde eine „Soko Pfarrer“ aus Ermittlern des LKA St. Pölten gegründet.

Ein Phantombild half nicht viel weiter, wohl aber der, so Polzer, „Kommissar des Jahrtausends: DNA“. Auch ein bereits im Dezember 2007 verübter Überfall, bei dem eine Frau im Raum Linz schwer verletzt worden war, passte ins Bild. Mitte Februar wurde bei einem Einbruch in einen Pfarrhof in Strasshof im Bezirk Gänserndorf dann ein Pkw beobachtet - die Spur führte nach Linz, der Besitzer wurde über die Verbindungsbeamten in Bukarest ausgeforscht.

Verdächtige hatten kleinen Sohn bei Coups mit dabei
Anfang Mai, als Medien und Öffentlichkeit gerade im Bann des Inzestfalls von Amstetten standen, erinnerte Polzer, wurde ermittelt, dass die Verdächtigen demnächst wieder nach Österreich kommen würden. Am 3. Mai gelang in Waldegg, wo die Täter offenbar wieder einen Pfarrhof im Visier hatten, der Zugriff: Zwei Personen wurden verhaftet, ein weiterer und die Frau des Hauptverdächtigen zwei Tage später in Wien festgenommen. Sie soll sogar in Begleitung ihres kleinen Sohnes Schmiere gestanden sein, berichtete Polzer. Die Mitglieder der Bande zeigten sich nicht kooperativ, Geständnisse gebe es keine, aber die Beweislage vor allem gegen den Hauptverdächtigen sei erdrückend.

Pfarrer: „Werde diesen Moment nie vergessen“
Die Knochen um das rechte Auge tun ihm bei Berührung heute noch weh, sagte Pater Benno, bei der Pressekonferenz. Alpträume hat er keine - aber den Moment, als ihn die Täter aus dem Schlag rissen und mit einer Taschenlampe blendeten, hat er nicht vergessen.

Auch zwei Delikte in Oberösterreich geklärt
Im Zuge der Ermittlungen konnte die Polizei in Oberösterreich zwei Delikte klären, die ebenfalls auf das Konto der rumänischen Täter gehen. Im Dezember des Vorjahres hatten die Männer eine 49-Jährige Linzerin brutal überfallen und gefesselt in ihrer Garage zurückgelassen. In Wels attackierten sie im März einen 55-jährigen Zeitungszusteller und banden ihn mit einem Abschleppseil an den Kopfstützen seines Pkw fest.

Als die 49-Jährige Anfang Dezember am Abend ihr Auto in die Garage stellen wollte, wurde sie von drei der Täter brutal zusammengeschlagen. Die Männer durchsuchten anschließend zwei bis drei Stunden lang das Haus nach Wertgegenständen. Dann fesselten und knebelten sie das Opfer mit einem Klebeband und flüchteten. Nach knapp einer Stunde konnte sich die Frau befreien. Sie flüchtete zu einer Nachbarin, die die Polizei verständigte. Die Täter erbeuteten Bargeld und Schmuckgegenstände.

Der Zeitungszusteller wurde während der Arbeit in Wels niedergeschlagen und in seinen Pkw gezerrt. Auf der Fahrt schlugen die Männer mehrmals auf das Opfer ein. In der Nähe von Schwanenstadt im Bezirk Vöcklabruck hielten die Täter an einem Feldweg an und raubten dem 55-Jährigen seinen Ehering und sein Mobiltelefon. Danach fesselten sie den Mann mit dem Abschleppseil und alten Schnüren, die sie im Kofferraum gefunden hatten, an die Kopfstützen und flüchteten.

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