So, 27. Mai 2018

Absolut schräg

01.10.2008 14:43

Brad Pitt in "Burn After Reading"

In der in Venedig präsentierten, absolut schrägen Agenten-Farce „Burn After Reading“ beweisen George Clooney und Brad Pitt viel sympathischen Mut zum selbstironischen Rollenspiel. Und wenn es jemanden gibt, der es schafft, zwei der am besten aussehenden Schauspieler des Filmolymps ausgesprochen dämlich aussehen zu lassen - und das auch noch mit Erfolg -, dann sind das die schrägen Regie-Brüder Joel und Ethan Coen! Mit dabei in der herrlichen Komödie sind außerdem Frances McDormand, John Malkovich und Tilda Swinton. „Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?“- ab 3. Oktober im Kino!

So geschehen in der von ihnen bei den diesjährigen Filmfestspielen in Venedig präsentierten Komödie „Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?“, die äußerst lust- und humorvoll in die Welt der Spionage und Intrigen in Washington D. C. eintaucht, wo George Clooney etwa, bar jeglicher Dolce-vita-Eleganz und gehaltvoll-aromatischer „N´Espresso-Attitüde“ in Hochwasserhosen, ein glitzerndes Goldkettchen am Hals und verwegen unrasiert, seine Angst vor Lebensmittelallergien und Bandscheibenvorfällen mit vitaler Sexsucht bekämpft - trotz güldenem Ehering am Finger.

Aberwitzige Agentenhatz
Brad Pitt hingegen gibt Kaugummi kauend, kesse Blondsträhnchen im Schopf und den wohlgeformten Hintern in Elastanshorts verpackt, einen Fitnesstrainer mit reichlich Schwachstrom in der Birne. Dass ausgerechnet diesem iPod-verkabelten Hohlkopf eine CD mit höchst brisantem Geheimdienstmaterial in die zupackenden Hände fällt - die Memoiren des ob seiner Alkoholsucht geschassten CIA-Agenten Ozzie Cox - John Malkovich -, dessen Frau - Tilda Swinton - schon seit längerem intime Schäferstündchen mit dem Regierungsbeamten Harry Pfarrer - George Clooney - auf den schwankenden Planken von Ozzies Segelboot pflegt, ist der Beginn einer aberwitzigen Agentenhatz, in die auch noch die Russen hineingezogen werden...

Und all das nur, weil der dämlich-dauerfröhliche Finessfreak Chad und seine von Schönheits-OPs delierende Kollegin Linda - Frances McDormand - gemeinsam beschließen, ob der gefundenen Dateien aus dem Ex-CIA-Agenten Cox eine hübschen Finderlohn zwecks erbaulicher Lebensgestaltung herauszupressen. Blöd nur, dass das Pantscherl des sexuell umtriebigen Harry die Erpressungsversuche torpediert. Die unerfindlich-verschlungenen Wege notgeiler Internat-Kontaktbörsen setzen dem von den Coen-Brothers brillant inszenierten Tohuwabohu dann noch die Krone auf...

Erschreckend dumme Leute tun erschreckend dumme Dinge
Eine superbe Besetzungsliste also, mit der diese gelungene Mischung aus klassischer Screwball-Comedy, schwarzhumoriger Gesellschaftssatire und erheiternder Sexfarce aufwartet, wobei George Clooney mit Filmen wie „O Brother, Where Art Thou?“ oder „Ein (un)möglicher Härtefall“ so wie Frances McDormand mit „Fargo“ bereits zu den „Coen-Veteranen“ zählen. George Clooney sieht seinen Part sehr entspannt: „Der Film ,Burn After Reading‘ spielt zwar in Washington D. C., im Mittelpunkt jedoch steht eine Gruppe geradezu erschreckend dummer Leute, die erschreckend dumme Dinge tun. Ich fand es eigentlich bemerkenswert, dass keiner von ihnen Politiker ist!“

Und Brad Pitt fügt völlig ungerührt hinzu: “Ich sehe meine Rolle, also die des leicht beschränkten Studio-Athleten Chad Feldheimer, als absoluten Karrierekiller. Aber was soll´s, den Coen-Brüdern gibt man keinen Korb - und notfalls lass ich mich eine Zeit lang von Angie aushalten!“ Auch Tilda Swinton, deren Rollenspiel an der Seite von George Clooney in “Michael Clayton“ von einem Oscar gekrönt war, hatte ihren Spaß, nicht nur ob ihrer helmartig-heißen Frisur, die frappierend an jene der “Simpsons“-Lehrerin Edna Krabappel erinnert.

Romanische Leichtigkeit des Seins
Clooney und Pitt, zwei Hollywood-Stars, die Hollywood privat den Rücken kehrten. Während Clooney seine Sommer sehr entspannt an den Gestaden des Comer Sees verbringt, lebt Pitt seit April dieses Jahres mit seiner Familie in Südfrankreich. Die romanische Leichtigkeit des Seins scheint beiden bestens zu bekommen. Zwei Alpha-Wölfe zudem mit Rudelsinn: Pitt punktet mit Großfamilie, George mit einem illustren Freundeskreis. Und große Kindsköpfe sind sie beide!

Nicht jedoch, wenn es um ernste Anliegen geht. So nutzt George Clooney die PR für seinen neuesten Film einmal mehr, um die Öffentlichkeit mit Berichten über Massaker und größte Not für den Krieg zwischen Rebellen und Milizen im afrikanischen Darfur zu sensibilisieren - und um Spendengelder einzutreiben. G. Clooney: “Burn After Reading“ zeigt zwar ganz klar, dass man mit Erpressung nicht ans große Geld kommt, aber manchmal würde ich schon gern die wirklich Reichen dieser Welt in die Mangel nehmen!“ Ein Robin Hood des dritten Jahrtausends. („Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?“, ab 3. Oktober im Kino)

Von Christina Krisch, Kronen Zeitung

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