Mi, 18. Oktober 2017

Schockurteil für O.J.

06.12.2008 16:40

O.J. Simpson zu 33 Jahren Haft verurteilt

Wegen bewaffneten Raubüberfalls muss der ehemalige Footballstar O.J. Simpson mindestens neun Jahre hinter Gitter - möglicherweise sogar für den Rest seines Lebens. Der 61-Jährige hörte mit versteinerter Miene zu, als Richterin Jackie Glass am Freitag in Las Vegas das Urteil verkündete: 33 Haft mit der Möglichkeit, nach weniger als einem Drittel der Strafe Bewährung zu beantragen. Zuvor hatte sich Simpson unter Tränen für seine Tat entschuldigt und versucht, sein Vorgehen zu rechtfertigen.

"Ich wollte nie jemandem etwas stehlen", sagte Simpson schluchzend. "Es tut mir alles leid." Richterin Glass lehnte die Entschuldigung ab. "Das war mehr als eine Dummheit", erklärte sie.

Kein Zusammenhang mit Freispruch für Doppelmord
Die Strafe beziehe sich ausschließlich auf die jüngste Anklage und stehe nicht in Zusammenhang mit Simpsons Freispruch vom Vorwurf des Doppelmordes an seiner Exfrau und deren Freund vor 13 Jahren, betonte Glass mehrfach.

"Ich bin nicht hier, um über etwas anderes zu verhandeln oder um Vergeltung oder Rache zu üben", erklärte die Richterin. Die Familie des 1994 ermordeten Ronald Goldman zeigte sich dennoch erfreut über das Urteil. "Wir sind begeistert, es ist ein bittersüßer Moment", sagte der Vater Fred Goldman. "Es war befriedigend, ihn in Fesseln zu sehen, wo er hingehört."

Der Entscheidung zufolge wird Simpson nicht gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt, während er gegen das Urteil, wie angekündigt, Rechtsmittel einlegt. Sein Anwalt Yale Galanter sagte, sein Mandant sei das Opfer einer Vergeltung für den Freispruch von 1995. Trotz aller Bemühungen sei es nicht gelungen, den Fall von Kalifornien von dem Nevada-Fall zu trennen, erklärte er.

Schuldspruch bereits im Oktober
Der 61-Jährige war Anfang Oktober in allen zwölf Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Er war den Geschworenen zufolge zusammen mit fünf Bekannten in ein Hotelzimmer eingedrungen und hatte dort zwei Sammler bedroht, die mit Fan-Artikeln aus der Zeit seiner Football-Karriere handelten. Die Männer wurden zur Herausgabe der Gegenstände gezwungen. Simpson hat stets erklärt, bei dem Vorfall habe es sich nicht um einen Raubüberfall gehandelt. Vielmehr sei es ein Versuch gewesen, Erinnerungsstücke wieder in seinen Besitz zu bekommen, die ihm gestohlen worden seien.

Tonband überzeugte Geschworene von Schuld
Die Richterin erklärte jedoch, in dem Streit sei mindestens eine Waffe gezogen worden, so dass jemand hätte verletzt werden können. Die Beweislage sei eindeutig, da es von der Planung, der Konfrontation und den Szenen danach Video- oder Audioaufnahmen gebe. Einige Geschworene erklärten nach dem Urteil, die Tonbandaufnahmen von dem Überfall hätten sie von der Schuld des Ex-Footballers überzeugt.

Aufsehenerregender Prozess vor 13 Jahren
Simpson, der in den 1970er Jahren zu den bekanntesten Football-Profis der USA zählte, war 1995 in einem aufsehenerregenden Indizienprozess von dem Vorwurf freigesprochen worden, seine frühere Ehefrau Nicole Brown Simpson und deren Freund Ron Goldman ermordet zu haben.

In einem späteren Zivilverfahren wurde er aber zur Zahlung von Entschädigungen in Höhe von 33,5 Millionen Dollar an die Hinterbliebenen der Opfer verurteilt. Simpson betonte stets, dass er die Summe nicht bezahlen werde.

Er lebt im Bundesstaat Florida, wo es gesetzlich verboten ist, sein Haus zu pfänden. Auch seine Pension der US-Football-Liga NFL, die bei 300.000 Dollar (236.873 Euro) jährlich liegen soll, ist geschützt.

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