Fr, 25. Mai 2018

Schöner gärtnern

11.09.2008 16:31

Viva Pinata: Chaos im Paradies

"Viva Pinata" wurde Ende 2006 von vielen Gamern vorschnell als "Kinderkram" abgestempelt. Wer genauer hinsah, entdeckte hinter der fröhlich-bunten Fassade jedoch eine ungemein komplexe "Garten-Simulation" - und ließ das Spiel so schnell nicht mehr aus seinem Laufwerk. Mit "Chaos im Paradies" liegt nun der mehr als würdige Nachfolger des für alle Altersschichten unterhaltsamen Spiels vor.

An den Grundzutaten hat sich auch in "Viva Pinata: Chaos im Paradies" nichts geändert: Nach wie vor startet der Spieler mit einer recht überschaubaren Parzelle Land, die es unter Einsatz von Spaten, Gießkanne und Samen für die tierischen Bewohner herzurichten und zu gestalten gilt. Passt das Umfeld, lassen sich die ersten Tiere nieder und locken bald darauf weitere Spezies an. Durch die Befriedigung ihrer individuellen Bedürfnisse, beispielsweise durch Fütterung bestimmter Pflanzen, kommt es schließlich zur Paarung und somit, oh Freude, zu neuem Nachwuchs. Doch die Natur hat auch ihre Schattenseiten: Nicht nur, dass sich die Spezies untereinander zanken und daraufhin krank werden, sorgen auch noch die "sauren" Pinatas des Professor Pester sowie dessen Rowdies für Unordnung im eigenen Garten.

Damit einem letzterer nicht irgendwann über den Kopf wächst, können im Dorf mit den durch besondere gärtnerische Verdienste erworbenen Schokomünzen jedoch nützliche Gegenstände erstanden werden, etwa größere Gießkannen oder bestimmte Objekte, die den bösen Professor auf Abstand zu den lieb gewonnenen Pinatas halten. Auch Hilfskräfte wie Gießerinnen, Unkrautjäterinnen oder Sammlerinnen können angeheuert werden. Wer hingegen ein ganz besonderes Pinata vermisst, schickt die Jägerin auf die Pirsch, während Willy neue Behausungen für die herzigen Gartenbewohner zimmert oder Bart Samen und Gegenstände aller Art verdelt.

Brennend heißer Wüstensand und eisige Polarlandschaften
Soweit die Kurzfassung dieser ungemein komplexen Öko-Systems-Simulation. Doch was ist nun neu? Die wohl größte Änderung: In "Viva Pinata: Chaos im Paradies" können vom Hauptgarten aus erstmals Expeditionen in eine Wüsten- oder Polarlandschaft gestartet werden. Zwar kann dort nicht selbst gegärtnert werden, jedoch lassen sich mit Hilfe von Fallen neue Pinatas einfangen und importieren - vorausgesetzt, man findet den passenden Köder, um die Tiere in die Falle zu locken. Damit sich die Exoten in ihrer neuen Umgebung schließlich heimisch fühlen, kann der Garten auch entsprechend mit Sand oder Schnee gestaltet werden.

Pinatas mit Grips und Feingefühl
Viel getan hat sich auch bei den Pinatas. Zum einen gibt es nun wesentlich mehr Tiere, sowohl auf "süßer" als auch auf "saurer" Seite, zum anderen sind die bunten Bewohner nun deutlich intelligenter als zuvor. Soll heißen: Sie reagieren sensibler auf ihre Umwelt. Wird ein Pinata nicht gut behandelt, verlässt es kurzerhand den Garten; wer hingegen versucht, eines seiner Pinatas an ein anderes zu verfüttern, stellt schnell fest, dass die Tiere mitunter die sich anbahnende Gefahr riechen und flüchten. Gewisses Verhalten der Papiertiere kann mittels Trainingsstock allerdings konditioniert werden: Frisst das Pinata etwa ein bestimmtes, zur Paarung benötigtes Obst, genügt ein zeitgleiches Berühren des Tieres mit dem Stock, um das gewünschte Verhalten künftig auf Knopfdruck abrufen zu können. Kleine Kunststücken lassen sich auf diese Art ebenso einstudieren.

Von Blümchen und Bienchen...
Wo schon von Paarung die Rede ist: Auch bei den Fortpflanzungs-Mini-Games, in denen sich der Spieler einem Spermium gleich den Weg zur Angebeteten bahnen muss, wurden geändert. Je nach Spezies gilt es nun auf dem Weg zum Weibchen eine gewisse Anzahl von Herzen einzusammeln. Gelingt dies nicht, kommt es auch nicht zur Paarung. Zur besseren Orientierung kann die Eroberungsjagd auf Knopfdruck erstmals auch aus einer Egoperspektive gesteuert werden.

Schneller zum Ziel - zumindest meistens
Optimierungen hat es schließlich auch im Bereich des User-Interfaces gegeben. Über eine Schnellleiste kann bequem zwischen allen verfügbaren Pinatas oder auch Pflanzen gewechselt werden, überschüssiges Obst oder Gemüse lässt sich jetzt zudem in einem Aufwasch markieren und anschließend verkaufen. Dennoch muss leider angemerkt werden, dass die Benutzerführung das größte Manko des Spiels ist: Nach wie vor müssen Befehle zu oft gegeben und auch bestätigt werden, etwa beim Einkauf im Dorf, um sich durch die Menüs zu hangeln.

Neue Spielinhalte dank Kamera-Unterstützung
In der Anwendung etwas umständlich ist auch die Möglichkeit, neuerdings mittels Live Vision Kamera bestimmte Bonus-Karten "abzufotografieren" und so neue Spielinhalte freizuschalten. Die Erkennung funktionierte im Test zwar nur leidlich und mit viel Geduld, die Idee ist aber dennoch als positiv zu bewerten, zumal im Internet bereits ein recht reger Tauschhandel um die Pinata-Bonuskarten entstanden ist.

Alleine, zu zweit oder zu viert
Voll und ganz punkten kann der Titel wiederum mit seinen neuen Modi fernab der Garten-"Kampagne": So haben Gamer im "freien Spiel" nun endlich die Möglichkeit, ohne Stress und Geldsorgen nach Herzenslust zu gärtnern. Darüber hinaus steht erstmals via Xbox Live ein Vier-Spieler-Koop-Modus zur Verfügung. Doch auch zu zweit geht es vor der Konsole ab sofort spaßiger zur Sache: Während im Vorgänger ein zweiter Spieler lediglich als "helfende Hand" die Steuerung übernehmen konnte, darf jetzt unabhängig voneinander gespielt werden. Auf Knopfdruck kann ein zweiter Spieler jederzeit einsteigen und eigenhändig mit Spaten, Gießkanne und Samenpäckchen dem Garten zu Leibe rücken.

Auch in Sachen Optik haben die Macher von Rare wieder ganze Arbeit geleistet. Der Vorgänger sah bereits sehr gut aus, "Chaos im Paradies" ist nun noch ein wenig detailverliebter und effektvoller gestaltet worden. Vor allem die transparenten Wasseroberflächen reflektieren nun herrlich die Sonnenstrahlen, dynamische Wetteränderungen sowie der Wechsel von Tag und Nacht tun das ihre, um gemeinsam mit einer dichten Soundkulisse zur Atmosphäre beizutragen.

Fazit: Viele neue Tiere, neue "Klimazonen" und neue Modi, allen voran der Multiplayer-Part, dürften "Chaos im Paradies" verdientermaßen noch erfolgreicher und beliebter machen als den Vorgänger. Der nahezu komplett überarbeitete und in allen Belangen optimierte Titel schafft abermals mühelos den Spagat zwischen vergnüglichem Casual- und anspruchsvollem sowie forderndem Hardcore-Gaming. Kurzum: Ein Spielspaß für die ganze Familie – auch wenn neben der umständlichen Menüführung weiterhin kritisiert werden muss, dass der Garten viel zu schnell viel zu klein ist. Gerade in Hinblick darauf, dass nun wesentlich mehr Tiere zur Verfügung stehen, wäre ein größerer Gartenbereich wünschenswert gewesen.

Plattform: Xbox 360
Publisher: Microsoft
krone.at-Wertung: 9/10

von Sebastian Räuchle

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