Fr, 23. Februar 2018

Fetter Vertrag

09.09.2008 09:25

Kohl fährt in Zukunft für Silence-Lotto

Österreichs Radsport-Held Bernhard Kohl fährt ab der kommenden Saison für Silence-Lotto. Der Gesamt-Dritte und Gewinner des Bergtrikots der vergangenen Tour de France unterschrieb einen lukrativen Vertrag für drei Jahre beim belgischen Rennstall. Wie der 26-jährige Niederösterreicher (im Bild mit Team-Manager Geert Coeman) am Montag bei einer Pressekonferenz bekannt gab, wird bei der Tour 2009 vorerst aber noch der Australier Cadel Evans als Kapitän fungieren.

Nach den unzählichen Spekulationen und Gerüchten der letzten Wochen haben sich für Kohl die Belgier als die plausibelste Variante dargestellt. "Es war eine Entscheidung, ob ich alleine Kapitän sein will oder ein starkes Team haben will", erklärte Kohl, der laut eigenen Angaben fünf bis sechs Optionen gehabt hätte. Das neue russische Team Katjuscha kam für ihn ebenso nicht in Frage wie Astana, eine Alternative war sein Ex-Team Rabobank.

Silence-Lotto will Tour-de-France-Sieg
Mit Evans und Kohl verfügt Silence-Lotto nun über den Zweiten und Dritten der vergangenen Tour de France. Ganz klares Ziel für die kommende Saison ist der Gesamtsieg. "Die ganze Mannschaft hat alles der Tour untergeordnet. Das war für mich ausschlaggebend", begründete Kohl. Sorgen, in Zukunft als Helfer des Australiers fungieren zu müssen, macht er sich nicht. "Für mich und meine Weiterbildung ist das sehr wichtig. Ich kann sehr viel von ihm lernen."

Die Nummer 1 der Zukunft
Langfristig soll nämlich Kohl selbst als Nummer eins bei Silence-Lotto aufgebaut werden. "Man muss an die Zukunft denken. Cadel ist schon 32", erinnerte Teamchef Geert Coeman. Kohl war bereits vor seiner sensationellen Tour 2008 mit Platz drei im Gesamtklassement und dem Gewinn des Bergtrikots auf der Wunschliste von Silence ganz oben gestanden. "Schade, da wäre er noch billiger gewesen", scherzte Coeman.

Lukrativer Vertrag
Über die Zahlen wurde zwar Stillschweigen vereinbart, Kohl dürfte aber zum bestverdienenden Radsportler der österreichischen Geschichte avanciert sein - noch vor Georg Totschnig und Peter Luttenberger. "Es ist schon lukrativ. Als Tour-Dritter verdiene ich sicher mehr als davor", erklärte Kohl. Erste Gespräche mit seinem neuen Team hatte es zwei Wochen nach der Frankreich-Rundfahrt am Firmensitz von Omega Pharma in Flandern gegeben.

Option auf Verlängerung
Das Pharma-Unternehmen bewirbt das Radteam mit seinem Anti-Schnarch-Produkt Silence, das bald auch in Österreich auf den Markt kommen soll. Die Teamleitung hätte Kohl sogar gerne noch länger an sich gebunden, die Sponsorzusage läuft allerdings nur bis 2011. Es besteht eine Option, den Vertrag nach der Tour 2011 zu verlängern. Sollte Kohl dann ein besseres Angebot eines anderen Teams erhalten, darf Silence-Lotto zu denselben Konditionen mitziehen.

Der Punkt könnte Relevanz erhalten, denn bis dahin will der Österreicher ein ernstes Wort um den Toursieg mitreden. "Mein Ziel ist es, in zwei oder drei Jahren die Tour de France zu gewinnen", erklärte Kohl, der sich in diesem Jahr selbst überrascht hatte. "Eigentlich bin ich meinen Karriereplänen weit voraus, doch Ziele verändern sich mit den Erfolgen." Internationales Aufsehen hatte Kohl erstmals 2006 mit Platz drei bei der Dauphine Libere erregt.

Evans bleibt Kapitän
In die Tour 2009 geht Evans als Nummer eins, bestätigte der sportliche Leiter Marc Sergeant. "Wir haben heuer aber gesehen, dass ein starker Fahrer in den Bergen nicht genug ist", erklärte der Belgier. CSC hatte mit Tour-Sieger Carlos Sastre sowie den Brüdern Fränk und Andy Schleck gleich drei heiße Eisen im Feuer. Silence hat mit dem Ukrainer Jaroslaw Popowitsch noch einen starken Rundfahrer, konzentriert sich nach dem Abgang von Sprinter Robbie McEwen nur noch auf die Tour-Gesamtwertung.

Als Helfer kommt neben Kohl auch Sebastian Lang von Gerolsteiner. Der Deutsche hatte den Niederösterreicher schon bei der abgelaufenen Tour hervorragend unterstützt, ist zudem wichtig für das Teamzeitfahren. Sollte Evans bis kommenden Juli Probleme bekommen, wäre das gesamte Topteam plötzlich auf Kohl ausgerichtet. "Im Radsport kann viel passieren, aber ich wünsche mir, dass einer von uns die Tour gewinnt", betonte der Bergkönig. "Wenn es Cadel gelingt, dann haben wir alles richtig gemacht."

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