Do, 23. November 2017

Simpson vor Gericht

12.09.2008 10:26

Prozess gegen O.J.: Geschworene stehen fest

Die schwierige Auswahl der Geschworenen für den Raubprozess gegen den früheren US-Footballstar O.J. Simpson ist abgeschlossen. Nach viertägigen Beratungen wählte das Gericht in Las Vegas am Donnerstagabend aus rund 250 Kandidaten neun Frauen und drei Männer aus, die ab Montag über Simpsons Schicksal entscheiden werden. Alle Geschworene sind weißer Hautfarbe. Im spektakulären Mordprozess gegen Simpson vor 13 Jahren waren neun der Geschworenen Schwarze gewesen. Damals wurde der ebenfalls afroamerikanische Ex-Sportler freigesprochen. Das Urteil ist bis heute umstritten.

In Las Vegas muss sich der ehemalige Footballstar wegen des Verdachts auf bewaffneten Raubüberfall verantworten. Dem 61-Jährigen wird vorgeworfen, vor einem Jahr zusammen mit fünf Komplizen das Zimmer zweier Andenkenhändler in einem Hotel in der Spielerstadt gestürmt und unter Androhung von Waffengewalt die Herausgabe persönlicher Erinnerungen im Wert von 100.000 Dollar gefordert zu haben. Simpson, der seine Unschuld beteuert, droht lebenslange Haft.

Simpson hatte ausgesagt, die Andenken aus seiner Zeit als Sportler seien ihm gestohlen worden, er habe sie nur zurückholen wollen. Er habe nicht gewusst, dass zwei seiner Komplizen bewaffnet gewesen seien, und habe nicht gesehen, wie die beiden ihre Waffen in dem Hotelzimmer gezückt hätten. Einer der in dem Zimmer anwesenden Andenkenhändler, Bruce L. Fromong, sagte, Simpson und dessen Gang hätten Hunderte Objekte gestohlen, darunter sein neues Mobiltelefon und auch Andenken an andere Sportler.

Vier der Komplizen haben sich bereits Straferlass gesichert, indem sie bei der Staatsanwaltschaft gegen Simpson und den sechsten Beteiligten, Clarence Stewart, aussagten. Zur Entlastung seines Mandanten will Simpsons Anwalt Grasso unter anderem die Glaubwürdigkeit der Komplizen und der angeblichen Opfer in Zweifel ziehen. Im Gegensatz zu Simpson seien sie alle vorbestraft, sagte Grasso. Allerdings könnte ein Tonbandmitschnitt des Überfalls, der von einem dritten Andenkenhändler aufgenommen wurde, Simpson belasten, wie der Promi-Anwalt David Chesnoff sagte. Simpsons Stimme sei auf dem Tonband zu hören - entscheidend sei nun, ob die Stimme bedrohlich klinge.

Schwierige Auswahl der Geschworenen
Die Auswahl der Geschworenen gestaltete sich dieses Mal besonders schwierig, da viele Kandidaten noch von dem Mordprozess vor 13 Jahren beeinflusst waren. Von den ursprünglich 500 Kandidaten schieden laut CNN mehr als die Hälfte bereits nach einer ersten schriftlichen Befragung aus. Der ehemalige Sportler war 2005 mangels eindeutiger Beweise vom Vorwurf der Ermordung seiner Ex-Frau Nicole Brown Simpson und ihres Freundes Ronald Goldman freigesprochen worden. Der Prozess hatte damals die Öffentlichkeit in den USA in Atem gehalten, der Freispruch ist bis heute umstritten. Ein Zivilgericht hatte Simpson nach dem Freispruch aber zu einer Schadenersatzzahlung von 33,5 Millionen Dollar (23,6 Millionen Euro) an die Hinterbliebenen verurteilt.

Der Prozess wegen des Raubüberfalls beginnt am kommenden Montag mit den Eröffnungsplädoyers von Anklage und Verteidigung. Seine Dauer wurde auf rund fünf Wochen veranschlagt. Simpson hatte zuvor in allen zwölf Anklagepunkten auf nicht schuldig plädiert und sich zuversichtlich gezeigt, dass ihn die Geschworenen freisprechen würden.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden