Sa, 26. Mai 2018

Wegen der Inflation

04.09.2008 19:39

EZB belässt Leitzins bei 4,25 Prozent

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat trotz der Konjunkturflaute den Leitzins nicht angetastet. Der EZB-Rat unter der Führung von Jean-Claude Trichet (Bild) beließ am Donnerstag den Zinssatz bei 4,25 Prozent. Die Finanzmärkte hatten wegen des hohen Preisdrucks in der Euro-Zone aber ohnehin mit diesem Schritt gerechnet. Sie erwarten eine Zinssenkung frühestens Anfang 2009, falls die Teuerung bis dahin nachlassen sollte.

Die EZB hatte den Leitzins im Juli erstmals seit mehr als einem Jahr erhöht, um die im Sommer auf Rekordniveau gestiegene Inflation in Schach zu halten. Die Jahresteuerung in den 15 Euro-Ländern lag wegen der hohen Energie- und Nahrungsmittelpreise im August bei 3,8 Prozent und damit rund doppelt so hoch wie von den Notenbankern angestrebt. Für 2009 wurde die Vorhersage von bisher 2,4 Prozent auf 2,6 Prozent erhöht. Seit Monaten wird die Marke von 2,0 Prozent verfehlt: Trichet zeigte sich zuversichtlich, dass im Laufe des Jahres 2010 wieder Preisstabilität erreicht wird.

BIP sinkt in Euro-Zone erstmals seit 1995
Zugleich sehen sich die Währungshüter mit einer immer ernsteren Wirtschaftsflaute in der Euro-Zone konfrontiert. Das Bruttoinlandsprodukt sank im Frühjahr um 0,2 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal - das erste Minus seit Einführung der Statistik 1995. Großen Anteil an der Flaute hatte Deutschland, dessen Wirtschaft mit 0,5 Prozent noch stärker schrumpfte als die des Euro-Raums. Im dritten Quartal werde der Abschwung vermutlich weitergehen, ein weiteres Schrumpfen der Wirtschaftsleistung sei wahrscheinlich, sagte Staatssekretär Walther Otremba.

Wachstumsprognose korrigiert
Ihre Wachstumsprognose für 2008 senkte die EZB überaus deutlich. Für dieses Jahr erwartet der EZB-Stab für den Euro-Raum eine reale Wachstumsrate von durchschnittlich 1,4 Prozent. Bei ihrer letzten Vorhersage im Juni war man noch von 1,8 Prozent ausgegangen. "Die Wirtschaft des Euro-Raums durchlebt derzeit eine Zeit der Konjunkturabschwächung", sagte Trichet. Die Wachstumsschwäche sei jedoch "eine Episode". Die EZB erwarte eine schrittweise Erholung. Für 2009 rechnet die EZB im Jahresverlauf zwar wieder mit einem stärkeren Wachstum, senkte aber ihre Prognose von 1,5 Prozent auf 1,2 Prozent.

EZB in der Zwickmühle
Hohe Inflation spricht für Zinserhöhungen. Eine schwächere Konjunktur dagegen spricht für Zinssenkungen: Bei niedrigeren Zinsen wird es für Banken günstiger, sich bei der Notenbank mit frischem Geld zu versorgen. In der Folge sinken die Kreditkosten für Unternehmen und Verbraucher, was Investitionen und Konsum ankurbeln kann. Am Donnerstag beließ auch die Bank of England ihren Leitzins wie erwartet bei 5,0 Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden