Sa, 24. Februar 2018

"Hinweise ignoriert"

03.09.2008 19:13

Fall Luca: Schwere Vorwürfe vor Prozessbeginn

Der 23-jährige Hauptverdächtige im Fall Luca, der zum Tatzeitpunkt Lebensgefährte der aus Tirol stammenden Mutter war, muss sich am 25. September am Landesgericht Korneuburg wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen mit Todesfolge verantworten. Im Vorfeld des Prozesses haben nun der Anwalt von Lucas Vater und die NGO "Resistance for Peace" den Vorwurf erhoben, dass schwerwiegende Details in der Untersuchung des Falles keine Beachtung gefunden hätten. Konkret geht es um mögliche Mittäter, einer Mitschuld der Mutter und einen angeblich befangenen Mitarbeiter des Jugendamtes.

In einer Aussendung gab Christian Fischer, Strafverteidiger des Kindesvaters Bernhard Haaser, am Mittwoch bekannt, dass "nach Durchsicht der aktuellen Aktenlage trotz vorliegender Hinweise auf Mittäter keine konkreten Untersuchungen von den zuständigen Behörden durchgeführt bzw. Widersprüchlichkeiten nicht ausreichend berücksichtigt" worden seien. Außerdem bestehe der dringende Verdacht der Befangenheit eines Mitarbeiters des Jugendamtes. Dieser sei mit dem Umfeld des Mittäters vertraut gewesen sei und habe aus diesem Grunde möglicherweise ein Gefälligkeitsgutachten in Hinblick auf das Besuchsverbot der Kindesmutter erstellt.

Mitschuld der Mutter?
Es stelle sich die Frage, wer die unbehandelten Arm- und Rippenbrüche von Luca vor der strafgegenständlichen Tat verursacht habe und ob die Kindesmutter wirklich nichts von den stattgefunden Misshandlungen gewusst habe. Diese Beweis- und Rechtsfragen seien im Zuge der stattfindenden unmittelbaren Hauptverhandlung einer Klärung zuzuführen. Haaser, der nach dem Tod seines kleinen Sohnes den "Luca Kinderschutzverein" gegründet hat, wurde dazu von "Resistance for Peace" zitiert: "Luca hatte über Wochen furchtbare Schmerzen wegen acht gebrochener Rippen und eines Armbruches auf rechter Seite erleiden müssen. Diese schweren Verletzungen wurden zu Lebzeiten Lucas angeblich von niemanden erkannt und blieben unbehandelt. Selbst die Mutter soll nichts bemerkt haben, obwohl Luca wegen der Knochenbrüche bei jeder Bewegung vor Schmerzen geschrien haben muss! Zudem wissen wir nun nicht, ob es noch mehr Täter gibt."

Anklage der Mutter gefordert
Für NGO-Sprecher Peter Rosenauer müsse nun "klar sein, dass die Mutter, die Behörden und eventuell auch andere angeklagt werden". Anderenfalls werde es mehrere Protestaktionen geben.

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