Mo, 19. Februar 2018

Behandlungsfehler?

03.09.2008 13:15

Grazer Brustkrebs-Spezialist vor Gericht

Ein Brustkrebs-Spezialist hat sich am Mittwoch im Straflandesgericht Graz verantworten müssen. Ihm wird fahrlässige Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen sowie Beweismittelfälschung vorgeworfen. In zwölf Fällen soll der Arzt Behandlungsfehler begangen haben, zwei Krankengeschichten soll er nachträglich verändert haben. Der Grazer bekannte sich nicht schuldig.

"Wir haben es hier mit einem sehr komplexen Fall zu tun", begann Staatsanwalt Heinrich Bubna-Litic seine Ausführungen. Der Grazer Arzt, der an der Universitätsklinik und in seiner Privatpraxis tätig war, war bekannt dafür, eher brusterhaltend zu behandeln, während einige Kollegen Amputationen für sicherer hielten. Es soll immer wieder Intrigen gegen den Spezialisten gegeben haben, die im Jahr 2005 eskalierten. Damals wurden bei einer Patientin zwei vergessene Tupfer in der Brust entdeckt, die eine Heilung und Weiterbehandlung über längere Zeit verzögert hatten. Der Beschuldigte soll sie bei einer Operation vergessen haben.

Arzt suspendiert
Daraufhin wurde der Arzt suspendiert, und seitens des LKH begann man intern, mehrere hundert Fälle des Krebsspezialisten zu überprüfen. Schließlich wurden 16 Fälle an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, die in zwölf davon Anklage erhob. Sieben dieser Patientinnen gelten mittlerweile als geheilt, eine ist kürzlich verstorben, was allerdings in der Anklage noch nicht berücksichtigt wurde, da diesbezüglich noch kein Gutachten vorliegt.

"Hätte manches anders machen können"
"Ich fühle mich hinsichtlich der Behandlungen nicht schuldig, aus heutiger Sicht ist aber klar, dass man manches hätte anders machen können", räumte der Beschuldigte bei seiner Befragung ein. Er selbst sieht sich als Opfer einer Intrige, weil er sich jahrelang um Standardisierung der Qualität bemüht habe. Dazu hätte auch das von ihm geplante Brustkrebs-Zentrum gehören sollen, das er im LKH installieren wollte. "Zwei bis drei andere Kollegen befürchteten, dadurch Patientinnen zu verlieren", meinte der Arzt. Er selbst ist nun bereits seit zwei Jahren suspendiert und hat einem freiwilligen Operationsverbot zugestimmt.

Der damalige ärztliche Direktor des LKH, Thomas Pieber, bezeichnete den Beschuldigten als "kein unbeschriebenes Blatt. Es gab von ihm starke Forderungen zur Qualitätsverbesserung zur Behandlung von Brustkrebs, aber es existierten große Auffassungsunterschiede über die tatsächliche Patientenversorgung".

Der Prozess wird am Donnerstag mit den Zeugeneinvernahmen fortgesetzt.

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