Do, 14. Dezember 2017

Leinwande Musik

03.09.2008 01:20

Minnie Driver: "Seastories"

In "Good Will Hunting" erzählte sie einen der genialsten schmutzigen Witze ever, in der Drama-TV-Serie "The Riches" spielt sie seit 2007 überzeugend eine charmante Betrügerin. Aber Minnie Driver kann weit mehr - nämlich Songs schreiben, Gitarre spielen und hervorragend singen. Mit ihrem erfolgreichen Debüt "Everything I Have In My Pocket" widersetzte sie sich dem Klischee des "singenden Schauspielers". Auf dem zweiten Album "Seastories" macht sie es ihren Fans nun fast zu schwer, sich zwischen dem Filmstar und der Musikerin zu entscheiden.

Dem singenden Schauspieler eilt ja zumeist der Ruf voraus, nur wegen des Leinwandtrumpfes CDs verkaufen zu können. So in etwa, wie es beim schauspielernden Musiker (siehe Madonna) heißt, dass sie Hauptrollen meistens nur des Starbonus' wegen ergattern. Was Minnie Driver etwa von einer jüngst ins Sangesgenre abgewanderten Scarlett Johansson unterscheidet - sie versteht etwas von Musik, ist eine Klasse Songwriterin und braucht keine Inszenierung.

Wie schon bei "Everything I Have In My Pocket" entstand auch der Großteil der Songs von "Seastories" nach dem Ende einer Beziehung. Beim Debütalbum hatte sie ja die Trennung von Schauspieler Josh Brolin verarbeitet, dessen Stiefmutter Barbra Streisand Driver die Hölle heiß gemacht hatte. Bei "Seastories" findet sich der Liebeskummer-Touch des Erstlings nicht ganz so arg wieder. "Unsere Beziehung hat uns beide bereichert, auch wenn eine Liebesbeziehung nicht dauerhaft möglich war", sagte Driver dem "Spiegel". Im Übrigen sei ihr Motto: "Wenn das Leben dir nur Zitronen gibt, mach Limonade!" Das helfe auch. Vielleicht sind einige der von Folkrock, Gitarrenpop und Country geprägten Songs auch von der darauffolgenden Liebe zu einem "Zivilisten", den Driver jetzt vor der Öffentlichkeit versteckt ("Ich möchte ihn beschützen"), aufgeheitert. Die gebürtige Britin ist übrigens hochschwanger und wird demnächst ihr erstes Kind bekommen.

Doch zurück zu "Seastories": Die Bandbreite reicht von soften Countrysongs ("Stars & Satellites") über poppige Kompositionen wie "Sorry Baby" bis zum Blues ("Cold Dark River", "Mockingbird") oder auch mal ganz nackten Unplugged-Songs wie "Lakewater Hair" und den letzten Track "Love Is Love". Mit Abstand am stimmigsten klingen die Single "Beloved" (siehe Video oben), bei der Songwriter Ryan Adams Gitarre spielte, und das treibende "King Without A Queen", auf dem Driver alle Facetten ihrer Stimme ausspielt. Wer "Good Will Hunting" mag, wird auch "Seastories" lieben. Der Mix aus Tragik, Humor und Ernst steht Minnie Driver in beiden Werken.

9 von 10 Seegeschichten

Von Christoph Andert

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