Di, 22. Mai 2018

Dreiste Kumpanei

03.09.2008 05:37

Sarkozy feuert Polizeichef wegen "Asterix"-Star

Nicolas Sarkozy hat in Frankreich mit der Kündigung eines hohen Polizeibeamten aus persönlichen Motiven einen Sturm der Entrüstung losgetreten: Weil auf Korsika seinem Freund Christian Clavier - bekannt als Schauspielstar aus "Asterix" (Foto rechts) - ein Gefallen nicht erfüllt wurde, soll der französische Staatspräsident den dortigen Polizeichef gefeuert haben. Dominique Rossi hätte eine Demo abwürgen sollen, die in der Gegend von Claviers Villa stattfand und bei der der Garten des Stars in Mitleidenschaft geraten war. Auch den geforderten Polizeischutz für den Schauspieler hätte er nicht bereitgestellt. Sarkozy platzte der Kragen.

Am Samstagabend hatten Dutzende Nationalisten auf Korsika Teile des riesigen Gartens des Sarkozy-Freundes Clavier besetzt. Damit wollten sie gegen "die Ausbeutung der Korsen" auf ihrer Insel protestieren. Dominique Rossi, Koordinator der korsischen Sicherheitskräfte, wusste seit Freitag von geplanten Demonstrationen in der Gegend von Claviers Villa. Dennoch ließ er das Anwesen des "Asterix"- und "Napoleon"-Stars nahe des noblen Porto Vecchio nicht von Bereitschaftspolizisten schützen.

Sarkozy platzte deshalb der Kragen. Laut France Inter und Europe-1 rief er seinen Vertrauten Clavier sofort an und sagte: "Es kommt nicht in Frage, dass du für unsere Freundschaft bezahlst." Polizeichef Rossi wurde noch am Montagabend vom Innenministerium über seine sofortige Entlassung unterrichtet.

"Willkürliche und unverhältnismäßige Entscheidung"
"Die Wünsche des Prinzen werden erfüllt", schimpfte Zentrumspolitiker Francois Bayrou am Dienstag. Auch Polizeigewerkschafter und die oppositionellen Sozialisten sehen in der Affäre einen neuen Beweis, dass Sarkozy seine Macht für persönliche Gefälligkeiten missbraucht. Bayrou, Chef der Oppositionspartei Modem, prangerte eine "willkürliche und unverhältnismäßige Entscheidung" an. Sie zeige, dass bei Sarkozy die Kumpanei zwischen den Mächtigen die Staatsräson ersetze.

Laut Emmanuel Roux, dem Chef der Gewerkschaft der Polizeikommissare, ist dem geschassten Rossi gar nichts vorzuwerfen. "Wir können nicht vor allen Villen Bereitschaftspolizisten postieren, das wäre eine Provokation." Er habe erst nicht glauben können, dass die Freundschaft zwischen Sarkozy und Schauspieler Clavier hinter der Entlassung stecke, sagte Sozialistenchef Francois Hollande.

Sarkozy ließ auch schon Fernsehmoderatoren absägen
Die Kumpanei mit den Schönen und Mächtigen hat Sarkozy schon mehrfach Kritik eingebracht. So urlaubte er als frisch gebackener Präsident auf der Jacht des Industriellen Vincent Bolloré, flog in Privatjets reicher Freunde in den Urlaub und ließ den beliebten Fernsehmoderator Patrick Poivre d'Arvor beim staatlichen Sender TF1 vor die Tür setzen. Der Grund: Er hatte Sarkozy vor dessen ersten G-8-Gipfel mit einem kleinen aufgeregten Jungen verglichen, der endlich bei den Mächtigen mitmischen dürfe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden