Sa, 25. November 2017

Niemand wollte ihn

22.08.2008 10:10

Gary Glitter nun doch wieder in britischer Heimat

Nach seiner Odyssee durch Südostasien ist der frühere Rockstar und verurteilte Kinderschänder Gary Glitter, der in Vietnam eine fast dreijährige Haftstrafe verbüßte, in Großbritannien angekommen – obwohl er eigentlich nicht zurück in seine Heimat wollte. Glitter landete Freitag früh in London Heathrow, nachdem er am Vorabend im thailändischen Bangkok abgeflogen war. Der Musiker mit dem bürgerlichen Namen Paul Gadd war am Dienstag aus einem vietnamesischen Gefängnis entlassen worden, wo er seine Strafe wegen Kindesmissbrauchs verbüßt hatte.

Die Odyssee war eine mehrtätige: Nach seiner Entlassung flog Glitter nach Thailand und von dort weiter nach China. Doch am Donnerstag landete der 64-Jährige erneut in Bangkok, nachdem ihn die chinesischen Behörden in Hongkong lediglich vernommen und wieder abgeschoben hatten. Doch auch in Thailand wollte man ihn nicht: Zweimal wurde ihm die Einreise verweigert.

Nach London wollte der 64-Jährige eigentlich nicht zurückkehren, da zwar keine weiteren Vorwürfe gegen ihn vorliegen, er aber wegen des Besitzes von Kinderpornografie vorbestraft ist. Die britische Regierung kündigte an, entlassene Sexualstraftäter künftig stärker zu kontrollieren. Innenministerin Jacqui Smith sprach sich zudem dafür aus, Glitter nach seiner Rückkehr künftig die Ausreise zu verweigern.

Glitter wollte aus gesundheitlichen Gründen in einem asiatischen Land bleiben dürfen, wie er sagte. Er war Anfang des Jahres wegen schweren Durchfalls in einem Krankenhaus behandelt worden. Dabei stellten vietnamesische Ärzte eine Herzerkrankung fest.

Er plant ein neues Album
Der 64-Jährige, der Anfang der 70er-Jahre mehrere Hits wie "Hello! Hello! I'm Back Again" und "I'm The Leader of the Gang" hatte und durch ausladende Perücken und glitzernde Bühnenkostüme von sich reden machte, hatte vor einigen Monaten in einem Interview gesagt, er wolle seine Musikkarriere vielleicht wieder aufnehmen. Er plane ein neues Album mit eigenen Kompositionen: "Ich habe 40 Jahre lang Rock 'n' Roll gesungen. Nach dem Knast werde ich damit weitermachen."

Drei Monate Haft erlassen
Der Musiker war im November 2005 wegen sexuellen Missbrauchs zweier elf und zwölf Jahre alter Vietnamesinnen verhaftet und im März 2006 zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Den Familien der betroffenen Mädchen zahlte er eine Entschädigung. Aus Anlass einer Amnestie zum Tet-Fest im März 2007 und seiner guten Führung waren Glitter drei Monate seiner Strafe erlassen worden. Im Prozess entging er einer Verurteilung wegen Vergewaltigung von Kindern, auf welche nach vietnamesischem Recht die Todesstrafe steht. Der Vorsitzende Richter nannte Glitter trotz des milden Urteils "krank" und "anormal" und berichtete über Details der sexuellen Missbräuche.

Der Musiker selbst hingegen wies die Vorwürfe stets zurück und sah sich als Opfer einer Medienkampagne. Er gab an, den Mädchen nur Englisch-Unterricht erteilt zu haben. Bei ihm geschlafen hätten sie nur, weil sie "Angst vor Geistern" gehabt hätten. Glitter war allerdings 1997 in seiner britischen Heimat auch schon zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt worden, nachdem Kinderpornografie auf der Festplatte seines Computers gefunden worden war.

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