So, 19. November 2017

Neue Hoffnung

09.08.2008 16:54

Julian (14) lebt mit Papas Niere

Nächsten Sonntag wird Julian aus St. Oswald bei Freistadt 15 Jahre alt, sein „Geburtstag“ am Jahrestag der lebensrettenden Operation wurde aber schon jetzt im Familienkreis gewürdigt. Nein, nicht ausgelassen gefeiert, weil alle in Tränen aufgelöst waren, jetzt endlich mit der schlimmen Zeit abschließen wollen, die hinter ihnen liegt. Denn seit einem Jahr lebt der Bub mit der Niere seines Vaters. „Und erst jetzt können wir auch darüber reden“, sagen die Eltern.

Die schreckliche Diagnose kam am 15. Mai 2007, und seither war nichts mehr wie vorher. Julian, ein Lausbub wie alle anderen, immer pumperlgesund, der nicht einmal Kinderkrankheiten hatte, kränkelte seit zwei Monaten, wurde immer schwächer. Der Schock, als die Ärzte sagten: „Es ist die Niere und es ist ziemlich schlimm!“

Da erst erfuhren die Eltern, dass der Bub eine Hufeisenniere hatte, die wie eine einzige funktionierte. Und die versagte nun.

Monika (39) und Wilhelm Pruckner (41) mussten Julian in die Wiener Uniklinik bringen, ließen ihn keine Sekunde allein, sahen ihn bei der Dialyse leiden. „Deshalb zögerten wir nicht, als die Transplantation angeboten wurde, sagt die Mutter. „Ich war am Boden zerstört, weil meine Niere nicht in Frage kam.“

Dafür die des Vaters. Die Operation wurde am 25. Juli 2007 im Linzer Spital der Elisabethinen durchgeführt. Alles ging gut. „Wir sind allen dort so unendlich dankbar. Für Julians Rettung, aber auch für die menschliche Betreuung, alle waren Tag und Nacht für uns da.“ Trotzdem waren die schweren Zeiten noch nicht vorbei. „Es dauert einfach, bis sich der Körper an das neue Organ gewöhnt hat“, weiß die Mutter nun.

Jetzt ist es soweit, Julian genießt die Ferien, geht Golfspielen und zum Feriencamp. Darf alles essen und freut sich auf die Schule. Er wird die HAK besuchen, denn er liebt Zahlen.

„Warum hat das Leiden nicht mich getroffen?“
Der „OÖ-Krone“ vertraute Monika Pruckner aus St. Oswald/F. an, wie weh es ihr getan hat, als ihr Sohn ums Überleben kämpfen musste.

Sie wollten Julian eine Ihrer Nieren spenden.
Das war mein großer Wunsch, so hätte ich ihm ein zweites Mal das Leben schenken können. Aber sie passte leider nicht.

Nicht nur das tat weh?
Ich habe sehr mit dem Schicksal gehadert, warum es ihn getroffen hat und nicht mich. Ich hätte es ihm mit Freuden abgenommen.

Gab es Anteilnahme?
Von Nachbarn und Freunden, unsere Familien stehen hundertprozentig zu uns. Und wenn ich an die Ärzte und Schwestern bei den „Liesln“ denke, komme ich direkt ins Schwärmen.

Aber Sie machten auch schlechte Erfahrungen.
Schlimm war es für Julian. Freunde haben sich von ihm abgewandt, weil er anders ist: klein, dick und so krank. Kinder können schon sehr grausam sein.

Sie haben ein Tagebuch geschrieben.
Bis zur Transplantation. Dann nicht mehr, man käme zu leicht ins Sudern. Wir wollten aber nur noch positiv denken und hoffen.

So viel Leid kann Familien auch zerstören.
Uns hat das vergangene Jahr noch stärker zusammengeschweißt. Wir blicken nicht mehr zurück, nur noch nach vorne.


Foto: Kerschbaummayr
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