Di, 21. November 2017

Noch billiger

06.08.2008 15:57

Designer basteln an Zwölf-Dollar-Computer

Während der "100-Dollar-Laptop" von One Laptop per Child (OLPC) immer noch knapp 200 Dollar kostet, hat sich ein Designer-Team jetzt das Ziel gesetzt, ein existierendes Zwölf-Dollar-System weiter zu entwickeln, um die Bildung in Entwicklungsregionen zu verbessern. Hintergedanke ist, dass es keines Hightech-Laptops bedarf, um wichtige Fertigkeiten zu trainieren.

Dazu genügt auch über 20 Jahre alte Technologie, die ein wenig aufgebessert wird und den Vorteil hat, einfach einen Fernseher als Bildschirm zu nutzen. Inspiriert wurde Teammitglied Derek Lomas von einem Gerät, das er in Indien so günstig angeboten bekam. "Allein die Fähigkeit zu tippen, kann ein Einkommen von einem Dollar pro Stunde statt pro Tag bedeuten", sagt Lomas laut Boston Herald.

Auf dem Blog "Design for Development" (Link siehe Infobox) beschreiben Lomas und seine Kollegen den "TV-Computer". Das indische Billig-Gerät basiert demnach auf dem "Famicon", jener Acht-Bit-Konsole, die von Nintendo erstmals 1983 in Japan vorgestellt wurde und bei uns als "Nintendo Entertainment System" die späten 1980er und frühen 1990er beherrscht hat. Mit Keyboard, Maus und Controllern bietet das Billig-Gerät zwar keinen Luxus wie die für die OLPC-Laptops der zweiten Generation geplanten Touchscreens. Als Basis für eine familienfreundliche Lernhilfe ist das System laut Design-for-Development-Team aber völlig ausreichend, denn es kann grundlegende Computerfähigkeiten inklusive der Programmierung in BASIC vermitteln.

Internetverbindung und Bildungssoftware
Das Team strebt nun Verbesserungen zur Steigerung des Bildungswerts an. Hardwareseitig umfasst das eine Möglichkeit zum Speichern von Nutzer-genierten Inhalten wie etwa BASIC-Programmen beispielsweise in Flash-Modulen. Auch eine Internetverbindung mithilfe von Mobiltelefonen soll einen Mehrwert ermöglichen. Außerdem soll eine größere Robustheit des Systems erreicht werden. Im Software-Bereich wird angestrebt, ein Software Development Kit zu kreieren, um die Entwicklung zusätzlicher Bildungssoftware zu erleichtern. Außerdem möchte das Team die Verbreitung der Geräte und die Entwicklung von Software fördern.

Billig-Geräte bereits in Indien erschwinglich
Einen wesentlichen Vorteil der Billig-Geräte sieht das Team im Preis, der mit rund zehn Dollar für den aufkeimenden Mittelstand in Ländern wie Indien tatsächlich erschwinglich erscheine. Außerdem genügt als Bildschirm ein TV-Gerät. Ein Fernseher war laut "New York Times" bereits Anfang 2007 in der Hälfte aller indischen Haushalte zu finden, bei stark steigender Tendenz.

Apple-II-Hardware soll adaptiert werden
Dem "Boston Herald" zufolge arbeitet ein Team, dem auch Lomas angehört, daran, Apple-II-Hardware als Billig-Systeme für die Entwicklungszusammenarbeit zu adaptieren. Apple-II-Systeme waren in den USA im Bildungsbereich in den 1980ern und 1990ern stark verbreitet. Auf derartige Bestrebungen findet sich im Design for Development Blog gegenwärtig jedoch kein Hinweis. (pte)

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