Sa, 18. November 2017

„Labor in der Kuh“

31.07.2008 15:15

Steirischer Sensor überwacht pH-Wert im Magen

Schwerwiegende Fehler bei der Fütterung von Rindern sollen durch einen in der Steiermark entwickelten Sensor im Magen des Rindes in Zukunft vermieden werden können. Das "Labor in der Kuh" sammelt Daten zum pH-Wert und der Temperatur im Rinderpansen. Die technische Neuheit soll vor allem die gefürchtete Pansenazidose, die Übersäuerung des Rindermagens, verhindern helfen.

Der Wunsch nach mehr Leistung führt in der Milchkuh-Haltung oft zu Problemen der Tiergesundheit, schildert Johann Gasteiner, Leiter des Instituts für artgemäße Tierhaltung und Tiergesundheit am Lehr- und Forschungszentrum für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein: Falsche Ernährung wird oft erst viel zu spät erkannt - wenn das Tier bereits erkrankt ist. Auf dem Gebiet der Rinderfütterung wird deshalb intensive Forschung betrieben. Oft müssen dabei Proben entnommen und im Labor analysiert werden. Mit der neuen Entwicklung zweier Absolventen der Technischen Universität Graz soll nun der traditionelle Weg "von der Kuh ins Labor" durch die Strategie "Labor in der Kuh" vertauscht werden, die jetzt am obersteirischen Lehr- und Forschungszentrum getestet wird.

Sensor misst pH-Wert im Pansen
"Die ersten Versuche haben gezeigt, dass das System ein gut nutzbares Instrument für die wissenschaftliche Anwendung ist", so Gasteiner. Der Sensor misst den pH-Wert und die Temperatur in vom Anwender wählbaren Intervallen von einer Sekunde bis zu mehreren Stunden. Die Werte werden gespeichert und an ein Empfangsgerät gesendet, das die Ergebnisse zugleich grafisch darstellt. Ein Problem stellt für die beiden Entwickler Mario Fallast und Stefan Rosenkranz, die seit 2006 an dem Projekt "Rindersensor" arbeiten, zurzeit noch die limitierte Energieversorgung der Sonde dar, die bisher nur eine Lebensdauer von rund drei Wochen hat. "Wünschenswert wäre ein Zeitraum von sieben bis acht Wochen", so Gasteiner.

Viele Rinder leiden an Übersäuerung
Ein Großteil der natürlichen Nahrung eines Rindes besteht aus Zellulose. Das Futter des Wiederkäuers wird daher in den vier Vormägen von Mikroorganismen zerlegt, umgesetzt und so für das Rind verdaulich gemacht. Damit diese Gärkammer arbeitet ist ein pH-Wert von 5,8 bis 7,2 erforderlich. Wird jedoch vermehrt oder gar zu viel Kraftfutter mit rasch fermentierbaren Kohlenhydraten (Stärke, Zucker) und zu wenig rohfaserreiches Futter verfüttert, sinkt der pH-Wert im Pansen und das Milieu der Mikroorganismen kippt: Das Rind leidet an einer Pansenübersäuerung, die eine Vielzahl weiterer tiergesundheitlicher Probleme mit sich zieht (Kolik, Durchfall, Wassermangel, geringe Fresslust), die sich gravierend auf die Leistung und Fruchtbarkeit des Tieres auswirken können.

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