Mi, 13. Dezember 2017

Familienstreit

09.07.2008 15:08

Betrunkener Rumäne schoss wahllos um sich

Wegen Mordes und versuchten Mordes muss sich seit Dienstag ein 37 Jahre alter Rumäne am Landesgericht Klagenfurt in einem Geschworenenprozess verantworten. Der Mann hatte im Juni des Vorjahres im Zuge einer Familienfeier im Mölltal wahllos auf Gäste gefeuert. Eines der Opfer, eine 43-jährige gebürtige Rumänin, erlag zehn Tage nach der Bluttat im LKH Klagenfurt ihren Verletzungen. "Ich wollte niemanden verletzen", verteidigte sich der Angeklagte vor den Geschworenen. Dem Mann droht lebenslange Haft.

Hintergrund der Bluttat war, laut Staatsanwalt Franz Simmerstatter, eine seit Jahren andauernde Streiterei im familiären Umfeld des Rumänen, der seit 1990 in Österreich lebt. Besonders mit einem Schwager kam es regelmäßig zu Streitereien wegen einer angeblichen Affäre des Angeklagten. Bei der Tauffeier, die im Feuerwehrhaus von Napplach im Bezirk Spittal/Drau stattfand, eskalierte die Situation.

Schrotgewehr und Samuraischwert geholt
Nach einer ersten verbalen Auseinandersetzung am Abend entschloss sich der Angeklagte vorerst, noch nach Hause zu fahren. "Dort baute er ein zerlegtes Schrotgewehr zusammen und holte ein Samuraischwert seines Sohnes", erläuterte Simmerstatter. Derart bewaffnet fuhr der 37-Jährige - er war zu diesem Zeitpunkt stark alkoholisiert - zu der Taufgesellschaft zurück und feuerte zwei Schüsse durch die Eingangstür und durch ein Fenster.

"Der Schuss durch die Tür war gezielt, weil er hinter dem Glas einen Kontrahenten vermutete", sagte der Staatsanwalt. Durch die Schrotladung schwer verletzt brachen allerdings zwei Frauen zusammen. Eine der beiden erlag zehn Tage später im Landeskrankenhaus Klagenfurt ihren Verletzungen. Der Angeklagte fuhr nach der Tat nach Hause und zerlegte seine Waffe wieder.

Täter vermutete ein Komplott
Sein Mandant habe nach der vorangegangenen Streiterei den begründeten Verdacht gehabt, dass "ein Komplott" gegen ihn geschmiedet werde, erklärte Strafverteidiger Gerald Ruhri. "Seine Zielsetzung war, zu drohen und den großen Mann zu spielen", meinte der Rechtsanwalt. Der Angeklagte habe Fensterscheiben zerschießen, aber niemanden töten wollen. "In rechtlicher Hinsicht ist das niemals ein Mord", meinte Ruhri.

"Nur Angst einjagen"
"Ich wollte meinen Kontrahenten nur Angst machen, das war der Grund warum ich geschossen habe", verteidigte sich der Angeklagte. Das Schrotgewehr hatte sich der Hobbytaubenzüchter vor langer Zeit zur Abwehr von räuberischen Falken gekauft. Erst nach dem Kauf habe er bemerkt, dass der Abschuss von Falken verboten sei und die Waffe deshalb nie verwendet. Weil er im Umgang mit dem Gewehr entsprechend ungeübt gewesen sei, habe er gar nicht gesehen, wohin er geschossen habe, sagte der Rumäne.

Im Geschworenenverfahren sind sieben Opfer, fünf Sachverständige und elf Zeugen geladen. Mit einem Urteil wird am Donnerstag gerechnet, dem Rumänen droht lebenslange Haft.

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