So, 19. November 2017

Dabei sein ist alles

02.07.2008 22:18

Beijing 2008

Mit dem Sieg der Spanier über die Deutschen ist die Fußballeuropameisterschaft zu Ende gegangen. Anfang August steht jedoch bereits das nächste sportliche Großereignis auf dem Programm: Im chinesischen Peking werden die 29. Olympischen Sommerspiele ausgetragen. Das offizielle Game zu den Spielen liefert diesmal ausnahmsweise nicht Electronic Arts, sondern der japanischen Publisher Sega - und kommt dabei zur Gänze ohne Sonic und Konsorten aus.

Ach, was waren das noch für Zeiten, als man vom stundenlangen Spielen vor dem Computer noch regelmäßig Schmerzen in den Oberarmen hatte. "Summer Games" aus dem Hause Epyx hieß der Übeltäter, der Mensch wie Maschine – der Joystick leistete damals Schwerstarbeit - gleichermaßen in die Knie zwang. Obwohl diverse Nachfolger erschienen: Die Klasse des Originals erreichten diese Spiele nicht.

2008 tritt nun Sega mit "Beijing 2008" auf den Plan und setzt dabei voll und ganz auf das Erfolgskonzept des C64- bzw. Atari-Klassikers: Viele unterschiedliche Disziplinen, bei denen alleine oder mit Freunden so richtig "gedaddelt" werden darf. Controller müssen zu diesem Zweck des Öfteren mal aus der Hand gelegt werden, damit man – unter Umständen auch zu zweit – besser an den Analogsticks rütteln und auf die Knöpfchen drücken kann. Ganz wie früher eben.

Insgesamt haben es 38 Disziplinen ins Spiel geschafft, darunter sämtliche Lauf- und Schwimmbewerbe, Turnen, Radfahren, Judo, Tischtennis, Kajak oder auch Schießdisziplinen. Viele offizielle Austragungsorte, unter anderem das berühmte Nationalstadion (auch "Vogelnest" genannt) sowie das National Aquatics Centre (der "Wasserwürfel"), stehen dabei zur Verfügung.

Ob man nun alleine, mit bis zu drei weiteren Freunden off- oder bis zu sieben Spielern online zockt: Die Steuerung verlangt stets ein hohes Maß an Reaktionsschnelligkeit, Rhythmusgefühl und letzten Endes auch Ausdauer. Besonders deutlich wird dies etwa beim Radrennen, bei dem beide Analogsticks über 16 Runden im Uhrzeigersinn gekreist werden müssen. Beim Bodenturnen, dem Schwebebalken oder beispielsweise auch dem Dreisprung gilt es hingegen, eine vorgegebene Button-Abfolge zu drücken, während bei anderen Disziplinen wie dem Turmspringen oder dem Turnen an den Ringen hingegen die beiden Analogsticks unabhängig voneinander bewegt werden müssen, um diverse Körperteile in Position zu bringen.

Kurzum: Motorische Fähigkeiten sollten ausreichend vorhanden sein, um am Ende einen der heiß begehrten, leider jedoch streng limitierten Plätze auf dem Podest zu ergattern. Leicht ist dieses Vorhaben nicht, gehört doch gerade bei Anfängern eine gehörige Portion Training dazu, um sich überhaupt nur ansatzweise mit den KI-Olympioniken messen zu können. Glücklicherweise kann allerdings vor jedem Wettkampf auf Knopfdruck eine Erklärung zur Steuerung abgerufen werden. Diese ist zwar nicht immer auf Anhieb verständlich, leistet aber grobe Orientierungshilfe im Umgang mit dem Controller.

Schafft man es am Ende doch aufs Siegertreppchen, darf man sich wie bereits während des Wettkampfes an der gelungenen Stadionatmosphäre erfreuen. Dass die österreichische Nationalhymne irgendwie nicht wie die österreichische Nationalhymne klingt, nimmt man im Moment des größten Triumphes dankend in Kauf. Ansonsten können sich Grafik und Sound des Spiels durchaus hören und sehen lassen, negativ fallen lediglich die mitunter abgehackten Animationen der Sportler in den zahlreichen Zwischensequenzen auf. Letztere stören auf Dauer ein wenig und müssen daher vom Spieler mühsam auf Knopfdruck übersprungen werden. Schade ist zudem, dass kein eigener Charakter erstellt werden kann; lediglich die Wahl, ob man lieber mit einem Männlein oder Weiblein spielt, bleibt dem Spieler überlassen.

Fazit: "Beijing 2008", das offizielle Spiel zu den Olympischen Sommerspielen in Peking, weckt Erinnerungen an alte Computer-Tage, in denen im gemütlichen Beisein guter Freunde nach Herzenslust an Joysticks und Gamepads gerüttelt wurde. Im Vergleich zu damals hat sich jedoch nicht nur die Präsentation, sondern auch der Umfang verbessert: "Beijing 2008" glänzt durch eine schier unendliche Fülle an unterschiedlichen Disziplinen, die sowohl off- als auch online bestritten werden können. Selbst wer jede Disziplin des Spiels nur kurz anreißen möchte, ist bereits für ein paar Stunden beschäftigt. Der Schwierigkeitsgrad dabei ist hoch, die Steuerung jedoch stets so simpel gehalten, um als Spieler vom Ehrgeiz gepackt zu werden. Wer sich noch vor Beginn der Spiele im August aufwärmen möchte, kann demnach bedenkenlos zugreifen. Mögen die Spiele beginnen – dabei sein ist schließlich alles.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Sega
Krone.at-Wertung: 8/10

von Sebastian Räuchle

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