Do, 23. November 2017

EURO-Bilanz

30.06.2008 18:57

„Es gab eine totale Überschätzung“

Ein enttäuschendes Resümee hat die Kärntner Wirtschaftskammer im Zusammenhang mit der Rolle Klagenfurts als Host City bei der EURO 2008 gezogen. "Die Erwartungshaltung in Bezug auf Besucherfrequenz und Verweildauer hat sich nicht erfüllt", erklärte der Spartenobmann Tourismus der Wirtschaftskammer, Helmut Hinterleitner. "Man hat geglaubt, zwischen den drei Spielen werde der Bär los sein, aber es war tote Hose", brachte es der EURO-Koordinator der Standesvertretung, Wolfgang Dörfler, auf den Punkt. Die Kärnten Werbung allerdings spricht von einem Erfolg.

"Es gab eine totale Überschätzung", sagte Hinterleitner. Vor allem der "periphere Bereich", also die Public Viewings, hätten bei weitem nicht das gehalten, was erwartet worden sei. "Alle Verantwortlichen haben nur zu gerne die Erfahrungen so genannter Experten der Fußball-WM in Deutschland und die Prognosen der UEFA übernommen. Für die Betriebe wurde ein Bild gezeichnet, das nicht eingetreten ist", so Dörfler.

Verschätzt
Wie der Wirtschaftsexperte konkret erläuterte, habe man der "Schlüsselzahl" 1:3 - die Anzahl der Stadionplätze mal drei - vertraut, die von der UEFA propagiert worden sei. Im Vorfeld der EM wurde sogar von bis zu 150.000 Besuchern an den Spieltagen gesprochen. Allerdings habe da auch der Umstand, dass die Fans aus Polen und Kroatien "kurzfristig und sehr spontan" zu den Spielen nach Klagenfurt gekommen und danach sofort wieder abgereist seien, mitgespielt.

Auslastung der Hotel enttäuschend
"Insgesamt muss leider gesagt werden, dass das Mengengerüst nicht eingetreten ist, trotz aller Beschönigungsversuche", sagte Dörfler. Dennoch gibt es auch etwas Positives zu vermerken: Die Beherbergungsbetriebe in Klagenfurt - vor allem jene der höheren Kategorien - haben von der Veranstaltung profitiert. "Funktionäre, Pressevertreter und Enthusiasten haben langfristig gebucht", erläuterte er. Hingegen sei die Bilanz im Hinblick auf die Auslastung der Beherbergungsbetriebe durch Fußballfans enttäuschend. Ebenso sei man in der Annahme, dass nicht nur die Host City Klagenfurt, sondern ganz von der EURO profitieren würde, völlig daneben gelegen.

Keine außergewöhnlichen Erwartungen
Im Hinblick auf die Nächtigungszahlen im Juni erwartet sich der Tourismusexperte "keine großen Zuwächse, aber auch keine Einbrüche". Dörfler: "Der Juni ist in Vorsaison, und daran hat auch die EURO nicht viel geändert."

Europas Jugend Gusto gemacht
Im Gegensatz zur Wirtschaftskammer freut sich die Kärnten Werbung über einen Erfolg mit der EURO. "Man kann ein solches Ereignis nicht nur in Nächtigungszahlen bilanzieren", meinte Geschäftsführer Werner Bilgram. Der Werbewert dieses Ereignisses und damit vor allem die Nachhaltigkeit seien enorm, Millionen Fernsehzuschauer hätten das Urlaubsland Kärnten kennen gelernt. Auch Landeshauptmann Jörg Haider erinnerte daran, dass vor den drei EM-Spielen in Klagenfurt in den deutschen TV-Sendern das Land Kärnten in eindrucksvollen Bildern vorgestellt worden sei. Haider: "Wir haben uns als wunderschönes und sicheres Urlaubsland sowohl in Erinnerung gerufen als auch der Jugend Europas Gusto auf einen Urlaub an unseren Seen gemacht."

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