Di, 21. November 2017

Bester EM-Kicker

30.06.2008 15:36

Spanier Xavi ist der „Spieler des Turniers“

Mittelfeldspieler Xavi Hernandez ist am Montag nach dem Finale in Wien vom technischen Team der UEFA zum besten Spieler der EURO 2008 erklärt worden. Der 28-Jährige vom FC Barcelona hatte Spanien als Spielmacher zum zweiten EM-Titel nach 1964 geführt. Im 23 Spieler umfassenden "Team des Turniers" befinden sich insgesamt neun Akteure des neuen Europameisters, dessen Verband sich über Brutto-Einnahmen in der Höhe von 23 Mio. € freuen darf. 2004 in Portugal hat der griechische Kapitän Theodoros Zagorakis die Auszeichnung als "Spieler des Turniers" erhalten.

Xavi zähltzu einer Generation von Spielern, die das Titelhamstern schon gewohnt sind. Bis Sonntag auf der Ebene der Nationalmannschaft freilich nur im Nachwuchsbereich. Im April 1999 wurde Xavi in Nigeria U20-Weltmeister - Gemeinsam mit den heutigen Teamkollegen Iker Casillas und Carlos Marchena. Er ist geradezu die personifizierte Verkörperung der Entwicklung, welche die "seleccion" in den vergangenen Jahren durchmachte. Er war bei den WM-Endrunden 2002 und 2006 ebenso dabei wie bei der EURO 2004. Alle Turniere verliefen für Spanien letztlich enttäuschend.

Lieber ein Pass als ein Schuss
Er machte also alle Tiefen mit, sowohl mit dem Team als auch persönlich (Kreuzbandriss 2005), ehe Ende Juni 2008 doch noch eine Höhe kam und der Gipfel Europas erklommen wurde: Das Finale gegen Deutschland (1:0-Sieg durch ein Tor von Fernando Torres/33.) war sein 63. Länderspiel, in denen er acht Treffer erzielte. Den wahrscheinlich wichtigsten markierte er im Halbfinale gegen Russland. Es war das vorentscheidende 1:0 beim letztlich klaren 3:0-Sieg. Das Tor zum Finale und letztlich großen Triumph war damit offen. Dabei kann Xavi gerade beim Thema Toreschießen durchaus selbstkritisch sein: "Ich müsste mehr Treffer erzielen. Aber wenn ich zum Strafraum komme, entscheide ich mich fast immer für einen Pass und nicht für einen Schuss aufs Tor."

Kein Problem mit Fabregas
Obwohl Xavis Leistungen im Team trotzdem meist eher untadelig waren, lag der Schwerpunkt der medialen Berichterstattung in den vergangenen Monaten auf einem vermeintlichen Zwist zwischen ihm und seinem katalanischen Landsmann Cesc Fabregas, der wegen ihm im spanischen Team an sich nicht zur Standardelf gehört. Das vermeintliche Missverhältnis mit Fabregas war für Xavi aber eigentlich nie ein großes Thema: "Wir verstehen uns ausgezeichnet. Daher brauchen wir auch kein klärendes Gespräch führen", sagte er vor der EURO.

Im Gegensatz zu Fabregas setzte er sich beim FC Barcelona durch, wo beide - in unterschiedlichen Jahrgängen - bereits von frühester Jugend an spielten. Der Jüngere machte freilich erst in London die große Karriere, während Xavi seit zehn Jahren zur Standard-Belegschaft des katalanischen Spitzenclubs zählt. Dabei war Klein-Xavi als Bub familienbedingt Anhänger des Stadtrivalen Espanyol gewesen. Dann feierte er aber bei Barca Erfolge: Meister 1999, 2005, 2006 und Sieg in der Champions League 2006.

Sollte es überhaupt jemals tatsächliche Eifersüchteleien zwischen Fabregas und Xavi gegeben haben, dann sind sie spätestens jetzt kein Thema mehr. Beide sind mit der Eroberung des zweiten EM-Titels für Spaniens bereits ein Teil der dortigen Fußball-Geschichte.

Fette Einnahmen für Spaniens Verband
Der Sieg im Finale der EURO 2008 hat den Königlichen Spanischen Fußballverband um 23 Millionen Euro brutto reicher gemacht. Da Spanien vor dem Finale bereits alle seine Spiele gewonnen hatte, waren bis dahin schon 15,5 Millionen verbucht worden. Der Sieg über die Deutschen brachte weitere 7,5 Mio. Euro ein. An die spanischen Spieler geht davon jedoch nur ein Bruchteil weiter.

Diese hatten nämlich unter der Federführung von Kapitän und Tormann Iker Casillas für den nunmehr eingetretenen Fall des Titelgewinns eine im internationalen Maßstab beinahe bescheidene Prämie ausgehandelt. Sie bekommen jeweils 214.000 Euro und zwar unabhängig, wie oft ein Spieler eingesetzt wurde. Für die deutschen Spieler wäre der Titel übrigens 250.000 Euro pro Kopf wert gewesen. Der deutsche Verband wiederum kann - inklusive Finale - seitens der UEFA mit 19 Mio. Euro rechnen.

Das Team der EM-Endrunde

Torhüter (3): Gianluigi Buffon (Italien), Iker Casillas (Spanien), Edwin van der Sar (Niederlande)

Verteidiger (6): Jose Bosingwa, Pepe (beide Portugal), Carlos Marchena, Carles Puyol (beide Spanien), Philipp Lahm (Deutschland), Juri Schirkow (Russland)

Mittelfeldspieler (5): Marcos Senna, Xavi Hernandez (beide Spanien), Hamit Altintop (Türkei), Luka Modric (Kroatien), Konstantin Syrjanow (Russland)

Offensive Mittelfeldspieler (5): Cesc Fabregas, Andres Iniesta (beide Spanien), Michael Ballack, Lukas Podolski (beide Deutschland), Wesley Sneijder (Niederlande)

Stürmer (4): Andrej Arschawin, Roman Pawljutschenko (beide Russland), Fernando Torres, David Villa (beide Spanien)

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