Fr, 24. November 2017

Bushs „Masterplan“

30.06.2008 09:22

CIA operiert massiv im Iran

Ein Journalist der renommierten Zeitschrift „New Yorker“ hat üble Machenschaften des US-Geheimdienstes im Iran und einen offenbar groß angelegten „Masterplan“ von Präsident George W. Bush zur Demontage der politischen Führung des Gottesstaates aufgedeckt. Laut Seymour Hersh wurden auf Anordnung Bushs die Geheimdienstoperationen im Iran massiv ausgeweitet. Ziel sei es, die Regierung in Teheran zu destabilisieren und das umstrittene Atomprogramm zu Fall zu bringen. Dabei würden Mitglieder iranischer Spezialtruppen getötet und entführt.

Kongressführer sollen für die Geheimaktionen insgesamt 400 Millionen Dollar (254 Mio. Euro) bewilligt haben. Die CIA-Agenten seien unter anderem vom Irak aus über die Grenze in den Iran eingedrungen.

Der US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, wies die Behauptungen, die auf Geheimdokumenten aus dem Weißen Haus fußen sollen, energisch zurück. Auf CNN meinte er am Sonntag: „Ich sage ganz klar, es gibt keine US-Kommandos im Iran.“

Dagegen beharrt der Journalist Hersh, der als ausgewiesener Spezialist für Nahost und den Iran gilt, auf seiner Darstellung: „Wir haben Geld für verdeckte Operationen gesammelt, wir haben Teams im Iran“, sagte er dem TV-Sender.

Finanzspritzen für iranische Untergrundkämpfer
Und ausdrücklich fügte Hersh hinzu: „Präsident Bush und Vizepräsident Cheney wollen nicht aus dem Amt scheiden, solange das iranische Nuklearprogramm besteht.“ Es gebe „CIA-Kommandos, die töten und entführen, ohne dass Botschafter dies wissen“. In den Top-Secret-Dokumenten werde es als Hauptaufgabe der Geheimdiensttätigkeit bezeichnet, „die iranischen Nuklearpläne zu untergraben und zu versuchen, die Regierung durch Regimewechsel zu unterminieren“, schreibt Hersh im „New Yorker“.

Die Pläne mussten gemäß US-Gesetzen politischen Führern in beiden Parlamentskammern, Kongress und Senat vorgelegt werden. Hersh deutet zumindest an, dass das geschehen ist. Die Papiere betonen auch die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit iranischen Oppositionsgruppen einschließlich finanzieller Unterstützung für diese Gruppen. Bush betont seit langem immer wieder, dass Teheran keinesfalls in den Besitz von Nuklearwaffen gelangen dürfe. Dabei hatte die Regierung auch einen Waffengang gegen den Iran niemals ausgeschlossen und als eine Option bezeichnet.

Irak dient als Verhörbasis
Die Geheimdienste hätten bereits seit vergangenem Jahr verdeckte Aktionen ausgeführt, bei denen sie auch vom Süden und Südosten über die Grenze in den Iran eingedrungen seien, berichtet Hersh. Dabei sei es um die Verfolgung und „Eliminierung“ sogenannter „high value targets“, hochrangiger Kämpfer, gegangen. Die CIA-Agenten hätten dabei auch Mitglieder der sogenannten Quad-Spezialtruppen der Revolutionären Garden gefangen genommen und zu Verhören in den Irak gebracht, hieß es weiter in dem Bericht.

Zu den zu unterstützenden iranischen Widerstandsgruppen zähle auch die Jundallah-Gruppierung („Armee Allahs“), weiß Hersh von einem ehemaligen CIA-Offizier. Die Gruppe operiere im iranisch-pakistanischen Grenzgebiet und habe bereits mehrere Anschläge auf Regierungsvertreter und Zivilisten verübt. Zugleich heißt es, zahlreiche der verdeckten Aktivitäten würden in dem präsidialen Dokument nicht ausdrücklich genannt, was unter Kongressmitgliedern mit Sorge betrachtet werde.

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