Di, 21. November 2017

„Flaue“ Bilanz

29.06.2008 17:15

Klagenfurter sind nicht in „EUROphorie“ gewesen

Am Schluss der EURO 2008 wird in Klagenfurt eifrig Bilanz gezogen. Von der prognositizierten Euphorie der Klagenfurter war während der Europameisterschaft wenig zu bemerken. Die Angstmache im Vorfeld des Turniers habe viele Einheimische vertrieben, sagen die meisten. Ein tiefgehender Rückblick mit Passanten - und die Suche nach Erklärungen.

"Flau", meint eine Dame in der Klagenfurter Innenstadt auf die Frage nach der Stimmung während der EURO. "Erst beim letzten Spiel zwischen Kroatien und Polen war die Atmosphäre, wie man sie sich bei einem Großereignis erwartet."

Lob für deutsche Polizisten
Eine weitere Passantin gab an, sie sei eine der wenigen Einheimischen gewesen, die die ausgelassene Feierlaune der Kroaten in der Fanzone genossen habe. Auch ihre beiden kleinen Kinder habe sie dabei gehabt. Begeistert war sie von der Professionalität und Freundlichkeit der deutschen Polizisten, die während der EURO in der Klagenfurter Innenstadt Dienst schoben. "Die könnten da bleiben", meinte sie.

Klagenfurt ohne Klagenfurter
Klagenfurt während der EURO - das war Klagenfurt ohne Klagenfurter. Zu jeder Tageszeit waren allerorts Parkplätze frei, Staus gab es trotz Verkehrsbeschränkungen kaum. Diejenigen, die sich in die Fanzonen und Public Viewings wagten, erlebten die drei Europameisterschaftsspiele als fröhliche Feste ohne Ausschreitungen.

Gähnende Leere in Geschäften
Für Katerstimmung sorgten nicht gewalttätige oder gewaltbereite Fans - die wurden kaum gesichtet -, sondern die Flaute in den Geschäften. Mario Teufl hat sein Optikergeschäft direkt in der Fanmeile und konnte bis zum Spiel Österreich gegen Deutschland in Wien lediglich fünf Einheimische in seinem Geschäft begrüßen, obwohl er für seine Stammkunden während der Euro eine Aktion auf Sonnenbrillen gestartet hatte.

Die Summe ergibt Null
Um den zu erwartenden Ausfall beim Brillenabsatz zu kompensieren, stellte er einen Gastronomiestand vor dem Geschäft auf. Der gewünschte Umsatz wurde jedoch nur an den drei Spieltagen erzielt, dazwischen kamen zwischen Null und 150 Euro pro Tag in die Kassa.

Verteilung von Pfefferspray nicht hilfreich
"Man hat die Leute abgeschreckt", erhebt der Optiker - stellvertretend für viele andere Geschäftsinhaber und Gastronomen - Vorwürfe gegen die Organisation. „Es war nicht sehr hilfreich, dass die Schulen aus Sicherheitsgründen gesperrt wurden und ein Politiker in der Innenstadt Pfefferspray verteilt hat", so Teufl. Das Ganze habe eine Eigendynamik entwickelt, die den Großteil der Klagenfurter veranlasst habe, zu Hause zu bleiben oder überhaupt weg zu fahren.

Späte Meinungsumkehr
Es gibt aber auch Stimmen, denen ihre Absenz im Nachhinein leidtut. „Ich hätte mir das doch einmal anschauen sollen, so etwas erleben wir sicher nicht wieder", meinte eine Krankenschwester aus dem Stadtteil Feschnig.

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