Sa, 25. November 2017

Lahme Regierung

30.06.2008 13:54

Die Zeit drängt, Grazer Drogenproblem eskaliert

Nach dem tragischen Unfall dreier Kinder, die sich mit einer gefundenen Spritzennadel verletzt haben, ist Feuer am Dach, das Drogenproblem eskaliert. Aber: ÖVP und Grüne legen ein Konzept erst im der September vor. SPÖ-Gesundheitsstadtrat Wolfgang Riedler hingegen drängt auf Sofortmaßnahmen. Annäherungen gibt's beim Drogenkonsumraum: Raten Experten dazu, sagt die ÖVP doch "Ja".
Der Fall der drei Volksschüler, den die "Krone" aufdeckte
(siehe Infobox)
, ist nur sprichwörtlich die Spitze des Eisbergs: Im Stadtpark, im Volksgarten, in öffentlichen Toiletten oder auf dem Hauptplatz eskaliert das Drogenproblem; darüber sind sich alle Parteien einig.

Während sich die schwarz-grünen Regierer erst im September auf Projekte einigen wollen, verlangt Riedler Sofortmaßnahmen: "Es wird Zeit vergeudet, das Drogenproblem ist immer offensichtlicher. Wir brauchen mehr Kontrolle und Aufklärungsarbeit in Schulen." Gleich am Montag will Riedler mit Experten aus dem Gesundheitsamt über Sofortmaßnahmen beraten.

Konsumraum als Lösung
Riedler sieht - wie die Grünen - im Drogenkonsumraum eine Lösung: "Ein Raum, in dem unter Aufsicht Drogen konsumiert werden, bietet die Chance, Suchtkranke aus dunklen Ecken zu holen." Weniger Konsum auf den Straßen hieße mehr Sicherheit für Unbeteiligte. ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl würde einem Konsumraum zustimmen, wenn Experten dies rieten. Weitere Vorschläge: "Klofrauen", die über öffentliche Toiletten wachen, stärkere Kontrolle der Substitol-Abgabe.

Zeit verplempert - Kommentar
Während das Drogenproblem in Graz einem neuen Höhepunkt entgegensteuert, heißt es also im Rathaus: Bitte warten! Im September wissen wir mehr, weil dann machen wir eine Drogen-Enquette. In Wahrheit kann sich Schwarz/Grün nicht auf eine gemeinsame Drogenpolitik einigen. Man verplempert so wertvolle Zeit. SPÖ-Gesundheitsstadtrat Riedler kritisiert dieses Zögern zu Recht.

Vor allem die ÖVP ist gefordert, sich endlich zu deklarieren. Wenn Bürgermeister Nagl allen Ernstes Asylwerberinnen als "Klofrauen" postieren will, um Drogenkonsum in öffentlichen Toiletten einzudämmen, sind, gelinde gesagt, Zweifel an einem sinnvollen ÖVP-Konzept angebracht.

Ob der Drogenkonsumraum der Weisheit letzter Schluss ist, um Süchtige und deren gefährliche Spritzen von der Straße zu holen, müssen Experten beurteilen - in anderen Ländern gibt es Drogenkonsumräume, man kann auf deren Erfahrungen bauen. Keine Experten benötigt man aber, um zu wissen, dass schärfere Kontrollen und eine Aufklärungskampagne in Schulen dringend gefordert sind.

Riedler will schon Montag über Sofortmaßnahmen beraten. Gut so - wenn dabei mehr herausschaut als leere Versprechungen.

von Gerald Richter, "Steirerkrone"
Symbolbild

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