So, 19. November 2017

Tapfere Türken

26.06.2008 15:12

Die Türkei und die Dramen einer EM

Das türkische Fußball-Märchen ist nach der unglücklichen 2:3-Niederlage in Basel zu Ende. Dabei haben die Türken den großen Favoriten Deutschland im Halbfinale der EURO 2008 mehr als gefordert und waren über weite Strecken sogar die bessere Mannschaft. Am Ende bleibt den Türken der historische Einzug in ihr erstes EM-Halbfinale und das Wissen, ein großes Turnier gespielt zu haben. "Wir verlassen das Turnier als die farbenfrohste Mannschaft von allen", erklärte Teamchef Fatih Terim, der inzwischen ebenso seinen Rücktritt bekanntgab wie Goalie Rüstü Recber.

Die Türkei ist eine Turniermannschaft geworden. 2002 hatten sich die Türken zuletzt für ein Großereignis qualifiziert, erreichten in Japan und Südkorea das WM-Halbfinale. EM 2004 und WM 2006 verpassten sie, doch ihre Rückkehr auf die große Bühne war eine eindrucksvolle. Für den Außenseiter war am Mittwoch erst im Halbfinale der EURO 2008 Endstation, nachdem er dem Turnier eine gehörige Portion Dramatik verliehen hatte. In fünf Spielen samt Nachspielzeit haben die Türken in Summe nur 13 Minuten geführt.

Qualifikation nur knapp geschafft
Schon in der EM-Qualifikation war die Türkei knapp vor dem Aus gestanden. Es war am 17. November des Vorjahres. Die Türkei lag im Schlüsselspiel in Norwegen nach einem Fallrückzieher von Erik Hagen früh mit 0:1 zurück. Eine Niederlage in Oslo hätte das sichere Aus bedeutet, doch die Topstars Emre (31.) und Nihat (59.) brachten die Türken zurück auf EM-Kurs. Es war das erste von mehreren unglaublichen Comebacks, die sie noch liefern sollten.

"Diesmal waren wir sehr gut"
Die Türkei waren gegen die Schweiz, Tschechien und Kroatien jeweils vor dem Aus gestanden. Doch ausgerechnet nach ihrem vielleicht besten Spiel mussten die Türken im Halbfinale gegen Deutschland die Segel streichen. "Wir haben nicht immer gut gespielt, aber diesmal waren wir sehr gut", versicherte Teamchef Fatih Terim. "Es ist nie einfach, zurückzukommen. Aber diese Mannschaft hat eine unglaubliche Moral, einen unglaublichen Siegeswillen."

Spätes Tor auch gegen Deutschland
Sogar gegen die Deutschen hatte sein Team einen Rückstand durch ein spätes Tor von Semih Sentürk aufgeholt. Doch Deutschland schlug in der Schlussminute - ganz in türkischer Manier - durch Philipp Lahm noch einmal zurück. "Es war ein Drama, aber jeder hat guten Fußball gesehen", sagte Terim. "So etwas passiert, das ist das Schöne am Fußball. Manchmal ist es auch schon für uns gelaufen."

Dass man die Türken nie abschreiben darf, haben sie im Turnierverlauf eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Nach der verdienten Auftaktniederlage gegen Portugal (0:2) waren die Türken auch gegen die Schweiz mit 0:1 zurückgelegen, bis das Comeback seinen Lauf nahm. Joker Sentürk gelang der Ausgleich (57.), Jungstar Arda Turan beförderte den Gastgeber in der Nachspielzeit aus dem Turnier (94.). Damit hatten sich die Türken ein "Endspiel" um den Aufstieg ins Viertelfinale erarbeitet.

Unglaubliches Match gegen Tschechien
Gegen Tschechien hatte das Terim-Team bereits wie der sichere Verlierer ausgesehen. 0:2 waren die Türken eine Viertelstunde vor Schluss zurückgelegen. Bei einem Unentschieden hätte erstmals in der EM-Geschichte ein Elfmeterschießen über den Aufstieg entschieden. Doch dazu kam es nicht. Arda Turan (75.) und ein Doppelpack von Nihat (87., 89.) drehten die Partie noch in der regulären Spielzeit. "Das war das unglaublichste Spiel, aber wir haben nie den Glauben an uns verloren", versicherte Terim.

Kroatien im Elferschießen besiegt
Im Viertelfinale gegen Kroatien vermochten die Türken über 120 Minuten nicht zu überzeugen. Geschlagen gaben sie sich trotzdem nicht, als Klasnic in der 119. Minute traf. Sentürk hatte noch einmal die Antwort parat (122.). Im Elferschießen verloren die überlegenen Kroaten die Nerven. Von Glück wollte Terim nichts wissen. "Ich glaube nicht an Wunder. Das geht nur durch harte Arbeit." Gegen Deutschland blieb sie unbelohnt. Dennoch sind die Türken und ihre Comebacks eine der Geschichten dieser EM.

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