Sa, 16. Dezember 2017

Panik in Tel Aviv

25.06.2008 07:44

Angehörige zweifeln an Soldaten-Selbstmord

Panik beim Abflug des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in Tel Aviv: Am Flugfeld der israelischen Großstadt ist kurz vor dem Start der Präsidentenmaschine ein Soldat durch einen Schuss aus seiner Dienstwaffe gestorben. Sarkozy und Ehefrau Carla Bruni wurden daraufhin von den Sicherheitsleuten regelrecht ins Flugzeug gedrängt, die israelische Delegation in gepanzerte Autos gebracht (siehe Fotos oben). "Es handelte sich in keiner Weise um einen Anschlagsversuch", sagte ein Polizeisprecher wenig später nach dem Ende des Alarms. Mittlerweile kommen aber auch Zweifel darüber auf, dass der Soldat Selbstmord begangen hat, wie zuerst gemeldet wurde.

Nach Überzeugung seiner Angehörigen hat der 32-jährige Raid Asaad Ghanan "auf keinen Fall Selbstmord begangen". Sein Vater behauptete, sein Sohn sei guter Dinge gewesen, als er das Haus verließ. "Er hatte eine Familie, Freunde und Zukunftspläne und keinen Grund, sich umzubringen", sagte Asaad Ghanan. Auch Bruder Naif hielt einen Selbstmord für "undenkbar". Es habe sich entweder um einen Unfall gehandelt, oder aber sein Bruder sei versehentlich von einem anderen Sicherheitsmann erschossen worden. Raid Ghanan hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Sarkozy ins Flugzeug gebracht
Laut dem staatlichen Rundfunk entstand Panik, als der Schuss genau im Moment der Verabschiedung Sarkozys durch die Stille krachte. Sicherheitskräfte brachten den Präsidenten und seine Frau Carla Bruni-Sarkozy sofort ins Flugzeug. Der israelische Präsident Shimon Peres und Ministerpräsident Ehud Olmert wurden in ihre gepanzerten Fahrzeuge gedrängt. Als Entwarnung gegeben wurde, stiegen sie dann in die Maschine, um sich von Sarkozy zu verabschieden, der daraufhin abflog.

Soldat starb in nur 100 bis 200 Metern Entfernung
Die Sicherheit Sarkozys sei nicht gefährdet gewesen, so die Polizei. Der Grenzsoldat war laut israelischem Rundfunk allerdings nur rund 100 bis 200 Meter von Sarkozy entfernt gewesen. Gerade als der israelische Präsident Shimon Peres und Ministerpräsident Ehud Olmert auf dem Rollfeld Sarkozy und dessen Ehefrau Carla Bruni-Sarkozy zum Abschied die Hände reichen wollten, entsicherte der Mann laut ersten Berichten seine Waffe, richtete sie auf sich, schoss sich in den Kopf und starb später an den Folgen seiner Verletzungen. Zwei israelische Soldatinnen, die die Tat ihres Kameraden vom Rollfeld aus mitansehen mussten, erlitten eine schweren Schock, eine davon fiel neben dem Roten Teppich in Ohnmacht.

Sarkozy zu Hamas: "Mit Terroristen diskutiert man nicht"
Sarkozy hatte sich seit Sonntag in Israel und den palästinensischen Gebieten aufgehalten. Zum Abschluss der dreitägigen Nahost-Reise würdigte der französische Staatschef am Dienstag den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas als einen "Mann des Friedens" und einen vertrauenswürdigen Verhandlungspartner. Mit der Hamas, die den Gaza-Streifen kontrolliert, verhandle Frankreich dagegen nicht, sagte Sarkozy nach einem Treffen mit Abbas in Bethlehem. "Mit Terroristen diskutiert man nicht."

Frankreich wolle sich für die Gründung eines palästinensischen Staates genauso stark einsetzen wie für die Sicherheit Israels, sagte Sarkozy. Die Sicherheit des jüdischen Staates sei für sein Land "nicht verhandelbar". Aber die Gründung "eines lebensfähigen, demokratischen und modernen Staates für die Palästinenser ist für Frankreich eines der wichtigsten Anliegen". Sein Land sei "ein Freund der palästinensischen Bevölkerung", sagte Sarkozy. "Wir werden für die Gründung Ihres Staates die gleiche Kraft und den gleichen Einsatz aufwenden wie für die Sicherheit Israels."

Israel soll keine neuen Siedlungen im Westjordanland bauen
Zugleich forderte Sarkozy Israel erneut auf, weder im Westjordanland noch im Ostteil von Jerusalem neue Siedlungen zu bauen. Und er kritisierte den von Israel errichteten Sperrwall um das Westjordanland. Die Barriere, mit der sich Israel vor palästinensischen Selbstmord-Attentätern schützen will, werde das Land dem Frieden nicht näher bringen, sagte er auf einer Pressekonferenz mit Abbas. Der dankte Sarkozy für seine Unterstützung der Palästinenser und des Nahost-Friedensprozesses. Man zähle auf Frankreich, das dabei helfen könne, einen Staat Realität werden zu lassen. Dieser müsse Jerusalem als Hauptstadt haben, in den Grenzen von 1967 entstehen und frei von israelischen Siedlungen sein. Gegenwärtig verwandelten die Siedlungen das palästinensische Land in "isolierte Kantone", sagte Abbas.

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