Mi, 22. November 2017

Goldtor durch Lahm

26.06.2008 15:12

Deutschland zittert sich ins Finale

Nach einem glücklichen Sieg am Mittwochabend gegen die Türkei steht der dreifache Europameister Deutschland im Finale der EURO. In der 90. Minute erzielte Philipp Lahm den 3:2-Siegtreffer in einem Spiel, das die Türken großteils beherrschten. Nachdem Semih in der 86. Minute das 2:2-Ausgleichstor erzielte, schien sich ein weiteres Wunder für das Überraschungsteam von Fatih Terim abzuzeichnen. Doch Lahm hatte etwas dagegen und schoss die Deutschen ins Finale.

Stark ersatzgeschwächt musste die Türkei gegen Deutschland antreten. Gleich acht Spieler fehlten wegen Verletzungen oder Sperren. Auf der Bank herrschte deshalb gähnende Leere, nur vier (!) Ersatzspieler nahmen dort Platz. Zum fünften Mal im fünften Spiel musste Trainer Fatih Terim seine Innenverteidigung umstellen: Zan und Mittelfeldakteur Topal kümmerten sich um die deutsche Solospitze Miroslav Klose.

Deutschlands Coach Joachim Löw konnte aus dem Vollen schöpfen (der nach einem Rippenbruch angeschlagene Frings blieb zunächst auf der Bank) und schickte dieselbe Formation aufs Feld, die im Viertelfinale gegen Portugal (3:2) geglänzt hatte.

Türkei startet mit Elan
Alles andere als glänzend präsentierte sich das DFB-Team in den Anfangsminuten. Viel zu behäbig und mit leichten Ballverlusten agierten die Deutschen, während die Türkei spritzig und mit viel Engagement in die Zweikämpfe ging. Mit etwas Glück hätte die Terim-Elf nach einer Viertelstunde schon in Führung liegen können. Zunächst prüfte Kazim mit einem Distanzschuss den aufmerksamen Lehmann (7.), wenig später scheiterte derselbe Spieler nach Semih-Zuspiel an der Latte (13.). Einen Aussetzer von Lahm hätte beinahe Altintop bestraft, nachdem der linke Außenverteidiger den Ball im Strafraum vertändelte, doch Lehmann rettete in höchster Not (8.).

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Erst in der 17. Minute strahlte Deutschland so etwas wie Gefahr aus: Nach einem Getümmel im türkischen Strafraum klärte ein Verteidiger vor dem einschussbereiten Ballack. Ansonsten wirkte der dreifache Welt- und Europameister saft- und kraftlos, schien wie gelähmt. Folgerichtig ging die Türkei völlig verdient in Führung. Sabri flankte von rechts, Kazims Schuss in der Strafraummitte ging an die Latte, den Abpraller verwertete Ugur (22.). Jens Lehmann rutschte der Ball durch die Beine, er sah dabei alles andere als gut aus.

Schweinsteiger mit schnellem Ausgleich
Erst jetzt wachten die Deutschen auf und verstärkten ihre Offensivbemühungen – mit Erfolg. Podolski tankte sich auf der linken Seite durch, flankte zur Mitte, Schweinsteiger hielt den Fuß hin und erzielte den vom Spielverlauf her unverdienten Ausgleichstreffer (26.). Die Türken waren auch nach dem 1:1 die aktivere und bessere Mannschaft, fanden mehrere Chancen zur erneuten Führung vor. Ugur (38.) und Sabri (41.) scheiterten mit scharfen Distanzschüssen. Bei einem Freistoß von Altintop verschätzte sich Lehmann und konnte den Ball gerade noch über die Latte lenken (31.).

Der Assistgeber zum 1:1-Treffer, Lukas Podolski, hätte auf der Gegenseite die Führung der Deutschen erzielten können, ja sogar müssen. Nach klugem Hitzlsperger-Pass lief er alleine auf Rüstü zu, schoss jedoch über das Tor (34.).

Schwache zweite Halbzeit
Zu Beginn der zweiten Spielhälfte nahm Deutschland das Heft in die Hand und spielte mit etwas mehr Tempo. Doch überzeugen konnte das Team von Joachim Löw weiter nicht. Ein strammer Schuss von Hitzlsperger aus rund 20 Metern ging knapp über das Tor (55.). In der Defensive standen die Deutschen viel zu weit weg von ihren Gegenspielern, ließen die stark ersatzgeschwächten Türken in Ruhe kombinieren. Der Zug zum Tor fehlte dem Überraschungs-Halbfinalisten jedoch zu Beginn der zweiten Halbzeit.

Thriller kurz vor Schluss
Gute Chancen konnten sich weder die Deutschen noch die Türken herausspielen. Interessant wurde es erst in der letzten Viertelstunde - und die hatte es in sich. Zunächst Köpfte Klose nach Flanke von Lahm ein und brachte das DFB-Team in Führung (79.). Wieder brauchten die Türken ein "Wunder", um sich in die Verlängerung zu retten. Und siehe da, es gab eines: Sabri bediente Semih, der zum vielumjubelten 2:2 einschoss (86.).

Alles rechnete nun mit der 30-minütigen Verlängerung, doch Philipp Lahm hatte etwas dagegen. In der 90. Minute kam der Bayern-Verteidiger nach Doppelpass mit Hitzelsperger zum Ball und hämmerte den Ball ins Tor. 3:2! Das war die Entscheidung, die Türken hatten nicht mehr genug Zeit, um das 3:3 zu erzielen.

Matchwinner Philipp Lahm
Lahm, der mit seinem Treffer und dem Assist zum Matchwinner avancierte und von der UEFA zum "Man of the Match" gekürt wurde, meinte nach dem Spiel: "Das war mit Sicherheit das wichtigste Tor meiner Karriere". Er gab sich aber auch selbstkritisch. "Ich hatte andere Spiele, wo ich den Titel 'Man of the Match' vielleicht eher verdient gehabt hätte." Der 46-fache Teamspieler hatte in der ersten Hälfte auf der linken Abwehrseite gegen den groß aufspielenden Kazim Kazim seine liebe Mühe, dazu verlor er vor dem türkischen Ausgleich zum 2:2 den entscheidenden Zweikampf. "Aber als Spieler glaubt man immer an seine Fähigkeiten", so Lahm.

Die Aufstellungen
Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Rolfes (46. Frings), Hitzlsperger - Schweinsteiger, Ballack, Podolski - Klose (92. Jansen)

Türkei: Rüstü - Sabri, Gökhan Zan, Mehmet Topal, Hakan Balta - Kazim Kazim (92. Tümer Metin), Hamit Altintop, Mehmet Aurelio, Ayhan (81. Mevlüt Erdinc), Ugur Boral (84. Gökdniz Karadeniz) - Semih Sentürk

Tore: 0:1 Ugur (22.), 1:1 Schweinsteiger (26.), 2:1 Klose (79.), 2:2 Semih (86.), 3:2 Lahm (90.)

Schiedsrichter: Massimo Busacca (Schweiz)

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