Sa, 25. November 2017

Bub außer Gefahr

23.06.2008 18:34

Mutter gab Kind Tabletten-Mix

Trink! Dann geht´s uns beiden besser“ - das soll die 34-jährige Linzerin zu ihrem elfjährigen Sohn gesagt haben, als sie ihm den mit einer Überdosis Tabletten versetzten Saft gab. Sie selbst leerte auch ein Glas. Da der Bub nur die Hälfte trank, hatte er noch die Kraft, um Nachbarn zu alarmieren, ehe er zusammenbrach.

Die Pillen-Dosis hätte nach derzeitigen Recherchen gereicht, um eine tödliche Wirkung zu haben. Während die Mutter zusammenbrach, ging es Daniel, der zum Glück nur das halbe Glas geleert hatte, zuerst zwar schlecht, aber er konnte noch Alarm schlagen und so sich und seine Mutter retten. Der Bub wird in der Kinderklinik behandelt, die Mutter hat man inzwischen in die geschlossene Abteilung des Wagner-Jauregg-Spitals überstellt. Gegen sie wird wegen Mordversuchs ermittelt (die Unschuldsvermutung gilt).

Liebeskummer der Mutter dürfte hinter der Tat stecken. Sie hatte ihren Freund für einen anderen verlassen, aber der wollte sie nicht.

Jugendpsychiater Werner Leixnering vom Wagner-Jauregg-Spital weiß, dass in solchen Fällen Kinder die Schuld bei sich suchen. Die es aber nicht gibt: „Das Vertrauen in eine Person, von der das Kind abhängig ist, ist zutiefst erschüttert. Es dann wieder aufzubauen, wird sehr schwierig.“

„Bei Vergiftungsopfern nie selbst herumdoktern“
Intensiv-Primar Johann Gombotz vom AKH Linz warnt eindringlich davor, Vergiftungsopfern wie in Filmen laienhaft zu „helfen“.

Man sieht immer wieder, wie in Spielfilmen Opfer von Vergiftungen oder einer Tabletten-Überdosis zum Erbrechen gebracht werden.
Ja nicht nachmachen! Dann riskiert man das Leben des Patienten erst recht, weil es sein kann, dass er das Erbrochene einatmet und daran erstickt.

Was sollen Laien machen?
Sofort die Rettung rufen. Einen Bewusstlosen in die stabile Seitenlage bringen und darauf achten, ob er noch atmet. Wenn er nicht mehr atmet, mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, bis der Arzt kommt. Immer schauen, was der Patient genommen hat, das hilft bei der Behandlung.

Ist es nicht riskant, wenn der Vergiftete Tabletten länger im Körper hat?
In Österreich ist man spätestens in einer halben Stunde im Spital. Diese Zeit hat man im Normalfall. Denn die tödliche Atemlähmung setzt meist erst nach Stunden ein.

Wie bekämpft man im Spital dann Vergiftungen?
Indem man versucht, den Patienten am Leben zu erhalten, bis der Körper die Wirkstoffe abgebaut hat. Wenn es Gegenmittel gibt, werden diese natürlich verabreicht. Aber sonst kann man meist nur warten.

Foto: AKH

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