Mi, 22. November 2017

„Alte Schule“

23.06.2008 12:55

Judith Holzmeister 88-jährig verstorben

"Ich wollte immer Schauspielerin sein, immer, immer, immer...", bekannte Judith Holzmeister vor acht Jahren in einem Interview. Damals hat sie eine große Karriere, ein erfülltes, doch keineswegs abgeschlossenes Leben Revue passieren lassen: "Und ich lebe so gern. Ich glaube, ich lebe auch noch gern, wenn ich tot bin." Montag früh starb die große Kammerschauspielerin 88-jährig in Baden bei Wien.

Der Name Judith Holzmeister stand wie kaum ein anderer für die "alte Schule des Burgtheaters". Die unter anderem mit der Kainz-Medaille ausgezeichnete Schauspielerin galt als Inbegriff von Erhabenheit, Schönheit und hoher Sprechkultur. Als "die Tragödin unserer Zeit, die klassisches Maß im Adel der Sprache den Menschen der Gegenwart verständlich zu machen" verstehe, bezeichnete sie einmal ein Kritiker.

Die große Bandbreite ihrer Figurengestaltung reicht von den klassischen Heldinnen wie Schillers "Maria Stuart" bis zu mädchenhaften Hosenrollen wie Shakespeares Olivia in "Was ihr wollt", von der Minna bis zur Johanna von Orleans. Sie begeisterte in Grillparzer-Stücken, brillierte in Hofmannsthals typisierten Frauenrollen und verkörperte die großen Frauengestalten der Antike, etwa die Agaue in "Die Bakchen" nach Euripides oder die Klytaimnestra in Aischylos' "Orestie".

Tochter des Architekten Clemens Holzmeister
Judith Holzmeister wurde am 14. Februar 1920 als Tochter des Südtiroler Architekten und Bühnenbildners Clemens Holzmeister in Innsbruck geboren. Nach dem Besuch des Max-Reinhardt-Seminars in Wien, an dem Tilla Durieux zu ihren Lehrerinnen gehörte, sammelte sie erste Schauspielerfahrungen am Linzer Landestheater ("Ich war so miserabel und bin immer genau neben mir gestanden"), am Deutschen Volkstheater in Wien und auf der Bühne des legendären Wiener Theaters "Die Insel". 1947 wurde Holzmeister, die auch immer wieder bei den Salzburger Festspielen - u.a. als Buhlschaft - auftrat, an das Burgtheater engagiert, dem sie fast 40 Jahre lang, bis zu ihrer Pensionierung 1985, angehörte und dessen Ehrenmitglied sie im Jahr 2000 wurde.

Ehefrau von Curd Jürgens
Im Kino war sie in Filmen wie "Wiener Mädeln" und "Musik bei Nacht" an der Seite ihres späteren ersten Ehemanns Curd Jürgens zu sehen, in "Triumph der Liebe" spielte sie mit O.W. Fischer, in "Eroica" mit Ewald Balser. Mit Jürgens, Hilde Krahl und Josef Meinrad drehte sie Anfang der 50er Jahre den Science-Fiction-Film "1. April 2000". Im Fernsehen war sie unter anderem in Dieter Berners "Alpensaga" (1980) oder in Xaver Schwarzenberger TV-Komödie "Lovers" (1995) präsent. Seit 1959 war Judith Holzmeister mit dem Schauspieler Bruno Dallansky verheiratet.

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