Fr, 24. November 2017

EM-Zwischenbilanz

19.06.2008 19:12

Fußball-Party und viele Tore in der Gruppenhase

Die beiden Gastgeber Österreich und Schweiz sind ausgeschieden, auch Titelverteidiger Griechenland und Vize-Weltmeister Frankreich haben sich schnell verabschiedet. Dennoch kann nach den 24 Gruppen-Spielen der EURO ein organisatorisch und sportlich erfreuliches Resümee gezogen werden. Party statt Randale hieß es fast durchgehend in den voll besetzten Stadien und den Fanzonen, den Zuschauern wurden großteils gute und spannende Partien mit vielen Toren geboten. Apropos Tore: Die wenigsten haben die Österreicher erzielt (siehe Infobox).

Die Niederlande, Spanien, die ebenso wie Kroatien als Sieger der Österreich-Gruppe noch keinen Punkt abgegeben haben, und Portugal drängten sich mit überzeugenden Darbietungen und Siegen in die Favoritenrolle. Die defensiven Griechen, die als einzige der 16 Mannschaften keinen Zähler holten, gehen keinem Fußball-Feinschmecker ab.

Hitzfeld: "Niveau besser als bei der WM"
"Das Niveau", so der Castrol-Botschafter und Experte Ottmar Hitzfeld, "finde ich sehr gut, man darf es nicht an den Griechen festmachen. Sie haben die Erwartungen nicht erfüllt, es war aber auch nicht zu erwarten, dass sie ihren Erfolg von 2004 wiederholen können. Es werde offensiver gespielt, es fallen wieder mehr Tore. Das fasziniert die Fans." Das Niveau der EM ist qualitativ besser als bei einer WM, meinte der deutsche Experte, der nun Jakob "Köbi" Kuhn als Schweizer Teamchef ablöst.

Hohes Niveau ortet nach den 24 Spielen der Gruppenphase auch UEFA-Generalsekretär David Taylor: "Wir haben absolut großartige Spiele gesehen. Wir hoffen, dass die Qualität des Fußballs für den Rest des Turniers auf diesem hohen Niveau bleibt", sagte der 54-jährige Schotte in einer Pressekonferenz in Basel.

Nur eine Nullnummer
Mit einem Schnitt von 2,38 Toren in den bisherigen 24 Partien (insgesamt 57 Tore) liegt die EURO 2008 zwar hinter 2004 (2,48) und 2000 (2,74) zurück, dafür gab es aber auch meist ausgeglichene Partien und nur ein einziges torloses Spiel (Frankreich - Rumänien). Und das, obwohl meist nur mit einer echten Spitze gespielt wurde, wie Hitzfeld feststellte. "Das hat sich zuletzt schon abgezeichnet, war auch in der Champions League so. Aber man hat den Mut, schneller nach vorne zu spielen. Griechenland ausgenommen", erklärte der bisherige Bayern-München-Trainer Hitzfeld.

Niederlande überzeugten am meisten
Die Niederlande, die vor Weltmeister Italien die "Todesgruppe" C gewonnen und Frankreich nach Hause geschickt haben, überzeugten bisher am meisten. Zwar nicht mit dem "total voetbal" früherer Jahre, aber Teamchef Marco van Basten hat mit seinen Oranje-Kickern dennoch begeistert. Der zweite große Titel nach dem EM-Gewinn 1988 in Deutschland (2:0 im Finale gegen die UdSSR) scheint jedenfalls im Bereich des Möglichen.

Auch für Hitzfeld: "Sie haben mich überrascht, aber nicht so sehr in der Offensive, sondern weil sie auch eine gute Abwehr haben. Das macht sie sehr gefährlich. Sie haben in der Abwehr gute, aber keine überragenden Spieler, doch die Einheit macht es aus. Dazu besitzen sie zwei defensive Mittelfeldspieler, die anderen sind ein Offensivbollwerk, das zündet. Jeder kann Tore schießen, sie haben eine große Auswahl von technischen Spielern. Sie sind zu Recht derzeit Favorit. Die Frage ist, ob sie dieses Niveau drei Wochen halten können", so der 59-Jährige.

Enttäuschende Gastgeber
Am anderen Ende der Skala liegen die Hellenen, die sieglosen Franzosen und die Gastgeber Österreich (ein Remis) und die Schweiz (ein Sieg). Dennoch herrscht in der Schweiz - so wie in Österreich - keine Katerstimmung, sondern Realismus. "Die Schweizer ertragen das Ausscheiden tapfer, sie haben sich auch nicht blamiert. Sie hatten gute Spiele, hatten Chancen, waren bei den Torschüssen besser und sind unglücklich ausgeschieden. Das Publikum war den Umständen entsprechend zufrieden", weiß deren neuer Teamchef, der über das frühe Ausscheiden gar nicht froh ist.

"Es wäre mir lieber gewesen, wenn die Schweizer weitergekommen wären und sich Selbstvertrauen geholt hätten. Daher wird es für mich jetzt schwieriger, weil man ihnen nun Selbstvertrauen geben muss", so Hitzfeld. Der neue Teamchef nutzte während der EURO die Möglichkeit, die Schweizer Spieler besser kennenzulernen. Er hat zwei Spiele live gesehen und wird auch DVDs auswerten. "Die Arbeit hat schon begonnen, sie ist etwas ruhiger, als wenn man bei Bayern jeden Tag auf dem Platz steht."

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