Mi, 13. Dezember 2017

27 Jahre Haft

19.06.2008 22:44

Erstes Urteil im "Schlächter von Brooklyn"-Prozess

Im Skandal um einen großangelegten illegalen Organhandel hat ein New Yorker Gericht am Mittwoch ein erstes Urteil gefällt. Das Gericht im Stadtteil Brooklyn verurteilte den 27-jährigen Zahnarztgehilfen Christopher Aldorasi - die Nummer zwei der "Schlächter von Brooklyn" - zu 27 Jahren Haft wegen der heimlichen Organ-Entnahme bei mehr als 1000 Leichen.

Aldorasi und seine drei Komplizen - der ehemalige Zahnarzt Michael Mastromarino, der der Boss der Organhändler-Bande gewesen sein soll, sein Angestellter Lee Crucetta sowie der Bestattungsunternehmer Joseph Nicelli - wurden 2006 wegen des Diebstahls von Knochen, Organen und Zellgewebe Verstorbener angeklagt. Sie sollen damit Millionen von Dollar verdient haben. Der ehemalige Zahnarzt und sein Gehilfe plädierten im März auf schuldig, ihr Urteil soll zu einem späteren Zeitpunkt ergehen. Der Fall des Bestattungsunternehmers wird derzeit noch verhandelt.

Wie aus "billigem Horrorfilm"
Während des Prozesses beschrieb der Staatsanwalt von Brooklyn, Charles Hynes, detailliert das Vorgehen der vier Angeklagten. Mehr als fünf Jahre lang sollen sie sich mit Hilfe gefälschter Totenscheine und Organspenderausweise bei 1077 Leichen bedient haben. Um ihre kriminellen Machenschaften zu kaschieren, versteckten sie sogar Beweismaterial wie OP-Handschuhe oder Schürzen in den aufgeschnittenen Leichen, bevor sie die Körper wieder zunähten. Entnommene Knochen ersetzten sie durch PVC-Rohre, damit die Leichen bei der Beerdigung äußerlich normal aussahen. Hynes sagte damals, die Vorfälle erinnerten ihn an "einen billigen Horrorfilm".

Organe von BBC-Reporter entnommen
Prominentestes Opfer war der BBC-Hörfunkjournalist Alistair Cooke. Er war 2004 im Alter von 95 Jahren an Lungenkrebs in New York gestorben. Die Angeklagten hatten aber die von ihm gestohlenen Körperteile so deklariert, als stammten sie von einem gesunden 85-Jährigen, der an Herzversagen starb.

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